Cannabis-Fahrvorfälle in Baden-Württemberg steigen nach Teillegalisierung auf fast 7.000, teilt Innenministerium mit
Folgenlose Cannabisfahrten erreichten im Bundesland im Jahr bis März 2026 fast 7.000, und Unfälle unter Cannabis-Einfluss stiegen im gleichen Zeitraum um 8,4 % auf 488.
Steigende Zahlen
Daten des Innenministeriums von Baden-Württemberg zeigen einen starken Anstieg von Cannabis-bedingten Fahrten seit Inkrafttreten der Teillegalisierung im April 2024. Die Zahl der folgenlosen Cannabisfahrten – Fahrten, bei denen Cannabis nachgewiesen wurde, aber kein Unfall geschah – stieg im Zeitraum April 2024 bis März 2025 um 11 % auf fast 6.900. Ein weiterer Anstieg von 1,2 % brachte die Gesamtzahl im Zeitraum April 2025 bis März 2026 auf nahezu 7.000, so eine Sprecherin des Ministeriums.
Auch die Zahl der Verkehrsunfälle unter Cannabis-Einfluss nahm zu. Zwischen April 2024 und März 2025 wurden 450 solcher Unfälle registriert; ein Jahr später lag die Zahl bei 488, ein Anstieg von 8,4 %. Das Ministerium wies darauf hin, dass diese Unfalldaten erst seit der Teillegalisierung erhoben werden.
- 2024-2025
- 450 Unfälle
- 2025-2026
- 488 Unfälle
Das Innenministerium bezeichnete den Trend als einen „sprunghaften Anstieg” – einen Sprung – der die Auswirkungen der Reform vom April 2024 widerspiegelt, die den Besitz und Anbau für den Eigenbedarf unter bestimmten Bedingungen legalisierte.
Grenzwerte und was Autofahrer erwartet
Das deutsche Gesetz legt für Autofahrer einen THC-Grenzwert von 3,5 Nanogramm pro Milliliter Blutserum fest. Wer diesen Wert überschreitet – bestätigt durch einen Bluttest – riskiert Bußgelder und Fahrverbote. Der ADAC betonte, dass der neue Rechtsstatus die Regeln am Steuer nicht ändere.
Trotz Entkriminalisierung und Teillegalisierung darf man nicht unter dem Einfluss von Cannabis fahren.
Breiteres Bild: Drogen im Straßenverkehr
Der cannabis-spezifische Anstieg ist Teil eines breiteren Trends. Bundesweite Statistiken zeigen, dass Drogenverkehrsverstöße ohne Alkohol in den Jahren 2023 und 2024 jeweils rund 48.000 betrugen und 2025 bei etwa 50.000 lagen, so der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR). In Baden-Württemberg stiegen alle Straßenverkehrsunfälle unter dem Einfluss anderer Drogen als Alkohol von knapp 9.400 im Jahr 2023 auf mehr als 9.500 im Jahr 2024 und auf fast 10.600 im letzten Jahr.
Expertenwarnung zum THC-Stoffwechsel
Der Rechtsmediziner Matthias Graw von der Ludwig-Maximilians-Universität München warnte, dass THC im Körper ganz anders wirke als Alkohol, was es Konsumenten erschwere, die Beeinträchtigung einzuschätzen.
THC wird völlig anders abgebaut als Alkohol – und der Cannabis-Konsument weiß nicht, wie hoch der psychoaktive Wirkstoff in dem Marihuana ist, das er erhalten hat.
Da die Potenz von illegal oder sogar legal erworbenem Cannabis variiert, können Autofahrer den Grenzwert von 3,5 ng/ml Stunden oder sogar einen Tag nach dem Konsum unwissentlich überschreiten – ein Risiko, das nach den Zahlen des Innenministeriums auf Baden-Württembergs Straßen zunehmend häufiger wird.


