Gesundheit & Bildung · Berlin

Bundestag eröffnet Debatte über Gesetzentwurf zur Widerspruchslösung bei Organspenden zur Bekämpfung des Spendermangels

Deutsche Abgeordnete haben am Donnerstag die erste Lesung eines fraktionsübergreifenden Gesetzentwurfs eröffnet, der die Organspende für Erwachsene zur Voreinstellung macht, sofern sie keinen Widerspruch einlegen.

KI-Text auf Grundlage von Berichten von tagesschau.de, Bayerischer Rundfunk, Frankfurter Allgemeine und weiteren Medien. Geändert . So entsteht er

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Kurz gefasst

Berlin · Deutschland
Wie es dazu kam
  1. 2020Der Bundestag lehnt einen ersten fraktionsübergreifenden Gesetzentwurf zur Einführung eines Widerspruchsmodells bei Organspenden ab.
  2. 2025Eine zweite Gesetzesinitiative zur Widerspruchslösung bleibt ohne Abstimmung aufgrund vorgezogener Neuwahlen liegen.
  3. 24.09.Der Bundestag hält die erste Lesung eines erneuten fraktionsübergreifenden Gesetzentwurfs zur Widerspruchslösung ab.

Das vorgeschlagene Widerspruchsmodell

Eine fraktionsübergreifende Gruppe von Abgeordneten von CDU, CSU, SPD, Grünen und Die Linke hat am Donnerstag einen Gesetzentwurf in den Deutschen Bundestag eingebracht, um das nationale Organspendesystem zu reformieren. Nach dem Entwurf würde jeder einwilligungsfähige Erwachsene automatisch als Organspender registriert, sofern er nicht formell Widerspruch einlegt. Der Vorschlag ist der dritte Versuch deutscher Abgeordneter, ein Widerspruchsmodell zu etablieren, nach einem abgelehnten Gesetzentwurf 2020 und einer zweiten Initiative 2025, die aufgrund vorgezogener Neuwahlen nicht zur Abstimmung kam. Ein separater Gesetzentwurf mit gleicher Zielsetzung ist auch vom Bundesrat eingegangen. Befürworter argumentieren, dass freiwillige Opt-in-Mechanismen in den vergangenen Jahren keinen ausreichenden Anstieg der Spenderzahlen bewirkt haben.

Engpässe auf der Warteliste

Der Reformdruck folgt auf jahrelange niedrige Organspendezahlen in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation wurden 2025 985 Menschen zu postmortalen Spendern, während 8.199 Patienten auf der Warteliste für ein Transplantat standen. Eurotransplant verzeichnete, dass im selben Jahr 615 Patienten in Deutschland auf der Transplantationswarteliste starben, was durchschnittlich drei Todesfällen pro Tag entspricht. Patienten, die auf eine Niere warten, müssen oft bis zu acht Jahre auf ein passendes Organ warten und sich regelmäßig einer Dialyse unterziehen. Abgeordnete, die das Widerspruchsmodell befürworten, weisen darauf hin, dass Umfragen zwar eine breite Bereitschaft zur Organspende zeigen, aber nur wenige Menschen den Schritt zur Registrierung unternehmen.

Postmortale Spender und Todesfälle auf der Warteliste in Deutschland 2025Menschen
Postmortale Spender
985 Menschen
Todesfälle auf der Warteliste
615 Menschen

Daten aus dem Artikeltext

Gegenentwürfe und körperliche Selbstbestimmung

Eine konkurrierende Gruppe von Abgeordneten lehnt die automatische Registrierung ab und argumentiert, der Staat dürfe Schweigen nicht als Zustimmung auslegen. Ihr Gegenvorschlag sieht gezielte Aufklärungskampagnen und strukturierte Aufforderungen vor, darunter die Befragung von Bürgern kurz nach ihrem 18. Geburtstag, ob ihre Entscheidung ja, nein oder unentschlossen ist. Während der Debatte bezeichnete der Grünen-Abgeordnete Sven Lehmann das Opt-out-Konzept als eine staatliche Vergesellschaftung des menschlichen Körpers. Der CDU-Abgeordnete Michael Brand argumentierte, dass die ausdrückliche Zustimmung in der gesamten Gesellschaft Standard sei, einschließlich einfacher Website-Bedingungen, und nicht für die körperliche Unversehrtheit aufgegeben werden sollte.

„Ausgerechnet bei den Organen wollen wir es jetzt staatlich umdrehen?“

Michael Brand, CDU-Bundestagsabgeordneter

Persönliche Appelle und Kriteriendebatte

Befürworter der Reform verwiesen auf persönliche Erfahrungen, um die Notwendigkeit der Vermutungsregelung zu verteidigen. Der Abgeordnete Bodo Ramelow sprach vor Kollegen über die Knochenmarkspende für seine Tochter und rief die Bürger zu einer bewussten Entscheidung auf. Der Grünen-Abgeordnete Michael Kellner erzählte die Geschichte eines Freundes, der nach einer Lebertransplantation im Jahr 2009 17 Jahre lang lebte, bevor er 2026 starb, ohne ein zweites Spenderorgan zu erhalten. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann von Nordrhein-Westfalen argumentierte, dass die Aufforderung an Erwachsene, ihre Präferenz zu registrieren, angesichts des akuten Mangels eine zumutbare bürgerliche Erwartung sei.

„Niemand muss Spender sein. Die Würde des Menschen, die Selbstbestimmung bleibt unberührt, weil man immer Nein sagen kann.“

Michael Kellner, Bündnis-90/Die-Grünen-Bundestagsabgeordneter

Der weitere regulatorische Rahmen wird auch innerhalb der Exekutive geprüft. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann signalisierte Offenheit für die Organentnahme nach Herzstillstand, ein Verfahren, das als Spende nach Kreislauftod bekannt ist. Die derzeitigen deutschen Rechtsstandards verlangen strikt die Bestätigung des Hirntods, bevor eine postmortale Organentnahme erfolgen kann.

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