
Linkskonservatives BSW schlägt AfD Zusammenarbeit nach der Wahl vor und lädt Weidel zu Debatte mit Wagenknecht ein
Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) hat der Führung der Alternative für Deutschland (AfD) in einem Brief eine Zusammenarbeit nach den anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern vorgeschlagen, darunter gemeinsame öffentliche Debatten zwischen Gründerin Sahra Wagenknecht und AfD-Co-Chefin Alice Weidel.
Das Angebot
In einem Schreiben vom 26. Juni schlugen die BSW-Co-Vorsitzenden Fabio De Masi und Amira Mohamed Ali den AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla vor, nach den September-Landtagswahlen fallweise zusammenzuarbeiten. Der ebenfalls von BSW-Generalsekretär Oliver Ruhnert unterzeichnete Brief kritisiert die sogenannte Brandmauer gegen die AfD als undemokratisch und erklärt, das BSW werde über parlamentarische Anträge nach deren Inhalt entscheiden, nicht nach deren Urheber.
Die Partei will die amtierenden Ministerpräsidenten in Magdeburg und Schwerin durch parteilose Persönlichkeiten ersetzen, die mit wechselnden Mehrheiten unter Einbeziehung der AfD regieren würden. Als ersten Schritt schlug das BSW zwei öffentliche Debatten zwischen Wagenknecht und Weidel auf BSW-Wahlkampfbühnen in den ostdeutschen Bundesländern vor, mit der Begründung, dass die öffentlich-rechtlichen Sender beiden Parteien selten eine Plattform böten.
Wahlkontext
Am 6. September finden in Sachsen-Anhalt und am 20. September in Mecklenburg-Vorpommern Landtagswahlen statt. Das BSW scheiterte am Einzug in den Bundestag und liegt nun in Sachsen-Anhalt bei 4% und in Mecklenburg-Vorpommern bei 6%. Die AfD führt in Sachsen-Anhalt mit 41 bis 42% Zustimmung. Wagenknecht hat erklärt, dass das BSW im Falle eines Einzugs in den Magdeburger Landtag im dritten Wahlgang für den Ministerpräsidenten, in dem die einfache Mehrheit ausreicht, stimmenthalten würde. Unter bestimmten Bedingungen könnte dies einem AfD-Kandidaten zum Sieg verhelfen.
Der Osten tickt anders. Der Herbst 2026 hat etwas von 1989. Zieht das BSW in den Landtag von Magdeburg ein, gibt es eine echte Chance für einen demokratischen Neubeginn.
Kritik an öffentlich-rechtlichen Medien und historische Vergleiche
Wagenknecht verschärfte ihre Angriffe auf die öffentlich-rechtlichen Sender und verglich ARD und ZDF mit dem staatlich kontrollierten DDR-Fernsehen. Sie behauptete, die AfD erscheine selten und das BSW fast gar nicht auf diesen Kanälen. Mehrere Medien wiesen auf die Ironie hin, dass ein ehemaliges SED-Mitglied, das 1989 in die Partei eintrat, nun die öffentlich-rechtlichen Sender als Propagandainstrumente beschuldigt.
Leider ist der Öffentlich-Rechtliche-Rundfunk zu einem propagandistischen Staatsfunk nach dem Vorbild des DDR-Fernsehens verkommen.
Gemeinsamkeiten und Differenzen
Der Brief listet Bereiche der Übereinstimmung auf, wie die Wiederaufnahme russischer Öl- und Gasimporte, und würdigt die Unterstützung der AfD für die Forderung des BSW nach einer Nachzählung der Bundestagswahl. Gleichzeitig betont die BSW-Führung die Unterschiede: Sie lehnen den Einfluss von Rechtsextremisten in der AfD ab, widersprechen der Unterstützung der Partei für US-Präsident Donald Trump und die Wiederbewaffnung und kritisieren AfD-Vorschläge für Meldestellen an Schulen und Universitäten.
Wir entscheiden grundsätzlich immer in der Sache und nicht danach, wer in den Parlamenten die Anträge stellt.
Reaktion der AfD steht noch aus
Weidels Sprecher teilte der Frankfurter Allgemeinen mit, dass die AfD-Co-Vorsitzende am Mittwoch Stellung nehmen werde. Die Partei hat die Einladung weder angenommen noch abgelehnt. Kommentatoren bei Focus und anderen Medien merkten an, dass die AfD wohl kaum einem parteilosen Ministerpräsidenten zustimmen werde, wenn sie stattdessen einen eigenen Kandidaten installieren könne, möglicherweise mit Hilfe von Überläufern oder Stimmenthaltungen des BSW.


