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Film & Medien·vor 2 Std.

Patrick Bruel sagt alle Sommerfestival-Konzerte wegen Ermittlungen wegen sexueller Übergriffe ab – Veranstalter zeigen sich ‚erleichtert‘

Der französische Sänger Patrick Bruel hat alle seine Festival-Konzerte zwischen Juni und September abgesagt und beruft sich auf ein ‚Klima der Anspannung‘, während er in Frankreich und Belgien mit mehreren Ermittlungen wegen Vergewaltigung und sexueller Übergriffe konfrontiert ist.

Konzertabsagen bekannt gegeben

Der französische Sänger und Schauspieler Patrick Bruel hat alle seine zwischen Juni und September geplanten Festival-Konzerte abgesagt, wie seine Produktionsfirma 14 Productions am Freitag, den 29. Mai, bekannt gab. Die Entscheidung betrifft rund fünfzehn Termine in Frankreich, Belgien und der Schweiz, darunter ein ausverkauftes Konzert beim Festival Grandes Marées in Jullouville (Normandie) am 24. Juli und ein Auftritt beim Bastogne Summer Festival in Belgien am 28. Juni. Drei für den 16.–18. Juni im Cirque d‘Hiver in Paris geplante Konzerte sind ebenfalls abgesagt. Tourneedaten außerhalb der Festivals, die für Oktober und November vorgesehen sind, bleiben vorerst unverändert.

Wir möchten weder die Veranstalter noch die Öffentlichkeit in irgendeiner Weise einem Klima der Anspannung aussetzen.

14 Productions

Festivalveranstalter reagieren erleichtert

Pierre Betton, Direktor des Festivals Grandes Marées, bezeichnete die Absage als ‚große Erleichterung‘ und sagte, es sei ‚die einzig mögliche Lösung‘ gewesen. Er verriet, dass das Festival in den letzten zwei Wochen zunehmendem Druck von feministischen Kollektiven, Partnern und lokalen Behörden ausgesetzt gewesen sei. Betton sagte gegenüber franceinfo, die Situation sei ‚intern zur Hölle‘ geworden und das Festival werde nun ‚an Gelassenheit gewinnen‘. Das Festival arbeitet bereits an der Buchung von Ersatzkünstlern für den 24. Juli, für den bereits 4.000 Tickets verkauft worden waren.

Wir haben ihm erklärt, dass wir ihn unter diesen Bedingungen nicht willkommen heißen können. Die Seele unseres Festivals ist es, Menschen zusammenzubringen, zu feiern, positive Emotionen zu erzeugen und sie um die Musik zu versammeln. Das war in diesem Kontext nicht mehr tragbar.

Juristische Ermittlungen und Vorwürfe

Der 67-jährige Bruel ist derzeit Gegenstand von mindestens vier Vergewaltigungsermittlungen in Frankreich und einer gerichtlichen Untersuchung wegen sexueller Übergriffe in Belgien. Insgesamt haben sich in den letzten Monaten rund dreißig Frauen in der Presse gegen ihn geäußert, wobei acht Frauen ihn in einer im März von Mediapart veröffentlichten Untersuchung sexueller Gewalt beschuldigten. Die mutmaßlichen Vorfälle sollen sich zwischen 1992 und 2019 ereignet haben. Zu den Anklägerinnen gehört die bekannte TV-Moderatorin Flavie Flament, die behauptet, Bruel habe sie 1991, als sie 16 und er 32 Jahre alt war, unter Drogen gesetzt und vergewaltigt. Bruel bestreitet alle Vorwürfe.

Ich habe noch nie eine Frau gezwungen.

Rückzug von Les Enfoirés

Bereits am Freitag gab Bruel auch seinen Rückzug von der nächsten Show des Wohltätigkeitsensembles Les Enfoirés bekannt, das die Restos du Cœur unterstützt. Er war seit 1993 Mitglied und hatte noch nie eine Ausgabe verpasst. In einer Nachricht an seine Mitmitglieder schrieb Bruel, er hoffe, zurückzukehren, ‚wenn die Justiz meine Unschuld bewiesen hat‘. Die künstlerische Leiterin des Projekts, Anne Marcassus, bestätigte, dass der freiwillige Rückzug erfolgte, ‚um den Verein Restos du Cœur und Les Enfoirés nicht in Verlegenheit zu bringen‘.

Radiosender nehmen seine Musik aus dem Programm

Mehrere Radiosender in der französischsprachigen Schweiz haben aufgehört, Bruels Lieder zu spielen. Laut MusicTrace-Daten verzeichneten seine Titel in den letzten Wochen einen deutlichen Rückgang der Airplay-Zeiten. Sender wie BNJ, Rhône FM, LFM und RTS Option Musique bestätigten, dass sie seine Musik aus dem Programm genommen haben, und begründeten dies mit dem Wunsch, Hörer nicht zu verärgern. Eine Petition des feministischen Kollektivs Salon Féministe, die die Absage der gesamten Tournee fordert, hat fast 50.000 Unterschriften gesammelt, unterstützt von der Sängerin Pomme und den Schauspielerinnen Anna Mouglalis, Corinne Masiero und Anouk Grinberg.

Proteste stören Aufführungen

Die Situation war für den Künstler in den letzten Tagen zunehmend schwierig geworden. Am Mittwochabend wurde eine Theateraufführung in Paris von feministischen Aktivistinnen unterbrochen, die aus dem Veranstaltungsort entfernt wurden. Kanada hatte bereits in der Vorwoche die Absage von drei Konzerten angekündigt. Bruels Produktionsfirma erklärte, mehrere Festivalveranstalter hätten berichtet, ‚unter Druck gesetzt und daran gehindert zu werden, ihre Veranstaltungen in Ruhe zu organisieren‘.

Schlüsselereignisse im Fall Patrick Bruel und dessen Folgen
  1. Flavie Flament behauptet, Bruel habe sie in seiner Pariser Wohnung unter Drogen gesetzt und vergewaltigt, als sie 16 war.
  2. Beginn des Zeitraums (1992–2019), in dem acht Frauen mutmaßlich sexuelle Gewalt erlitten haben.
  3. Die belgische Pressesprecherin Karine Viseur behauptet einen sexuellen Übergriff in Brüssel.
  4. Mediapart veröffentlicht eine Untersuchung, in der acht Frauen Bruel sexueller Gewalt beschuldigen.
  5. Bruel sagt alle Sommerfestival-Konzerte ab und zieht sich von Les Enfoirés zurück.
Paris · Jullouville · Bastogne · Brüssel

8 Quellen

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