
Pogacar rächt 2024-Niederlage mit dominantem Etappensieg in Le Lioran, Seixas holt erstes Tour-Podium
Tadej Pogacar griff 16 km vor dem Ziel am Col de Pertus an und gewann am 14. Juli die 10. Etappe der Tour de France. Damit löschte er die Erinnerung an seine Niederlage von 2024 gegen Jonas Vingegaard am selben Skiort. Der Sieg baute seine Gesamtführung nach zehn Etappen auf 3'36'' aus.
Eine Abrechnung nach zwei Jahren an den Hängen von Le Lioran
Vierzehn Monate nachdem Jonas Vingegaard ihn in Le Lioran knapp geschlagen hatte, machte Tadej Pogacar (UAE Team Emirates - XRG) die 10. Etappe zu einer persönlichen Exorzismus. Der Slowene griff 16 Kilometer vor dem Ziel am Col de Pertus (4,4 km bei 8,5 %) an und zerstörte eine Verfolgergruppe, die seinen dänischen Rivalen einschloss. Niemand reagierte. Richard Carapaz (EF Education Easypost), der sich innerhalb des letzten Kilometers der Steigung einen 50-Sekunden-Vorsprung erarbeitet hatte, wurde in weniger als 600 Metern eingeholt. Pogacar überquerte die Ziellinie allein und holte sich seinen dritten Etappensieg dieser Austragung und den 24. Tour-Etappensieg seiner Karriere.
Das hatte ich auch im Kopf. Ich wurde vor zwei Jahren Zweiter, was kein schlechtes Ergebnis ist, besonders hinter Jonas. Ich fühlte mich in den Beinen ähnlich wie vor zwei Jahren im Finale, aber das Ergebnis ist heute anders und das ist fantastisch.
Das Tempo von UAE und eine Lücke in der Gesamtwertung
UAE Team Emirates betrieb von dem Moment an, als die Ausreißergruppe des Tages neutralisiert war, ein unerbittliches Tempomachen. Florian Vermeersch, Nils Politt und Tim Wellens wechselten sich lange an der Spitze ab, bevor Isaac Del Toro, Pogacars junger Helfer, im Finale einbrach. Das kollektive Tempo ließ das Peloton auseinanderfallen. Pogacar führt nun mit 3'36'' Vorsprung auf Vingegaard in der Gesamtwertung, einen Vorsprung, den er zu diesem frühen Zeitpunkt in keiner seiner vier siegreichen Touren hatte. Da noch fünf Bergankünfte ausstehen (der Markstein am Samstag, das Plateau de Solaison am Sonntag und drei Anstiege in der letzten Woche, darunter zwei Auffahrten nach Alpe d'Huez), wirkt das Peloton zunehmend resigniert.
Als wir sahen, dass die Ausreißergruppe spät ging und dass Florian und Nils sich gut fühlten, beschlossen wir, unser eigenes Tempo zu fahren. Sogar Tim hatte wieder gute Beine, also haben wir es versucht. Wir brauchen acht Fahrer mit guten Beinen, und heute war das der Fall.
- Javier Romo, letzter Überlebender einer 31-köpfigen Ausreißergruppe, wird 38 km vor dem Ziel gestellt, als UAE Team Emirates die Kontrolle übernimmt.
- Nicolas Prodhomme führt Paul Seixas an die Spitze der Favoritengruppe, bevor eine gefährliche Abfahrt auf schmelzendem Asphalt beginnt.
- Richard Carapaz fährt innerhalb des letzten Kilometers der Steigung einen 50-Sekunden-Vorsprung auf die Favoritengruppe heraus.
- Tadej Pogacar startet am Col de Pertus; kein Rivale reagiert. Er holt Carapaz ein und hängt ihn innerhalb von 600 Metern ab.
- Pogacar gewinnt solo. Paul Seixas wird Dritter mit 34 Sekunden Rückstand und sichert sich sein erstes Tour-de-France-Etappenpodium.
Paul Seixas: Ein 19-Jähriger unter den ‚starken Männern‘
Die beeindruckendste französische Leistung des Tages zeigte Paul Seixas (Decathlon CMA CGM). Der 19-Jährige, der vor dieser Tour noch nie mehr als acht aufeinanderfolgende Tage gerast war, belegte den dritten Platz auf der Etappe, 34 Sekunden hinter Pogacar. Es war sein erstes Grand-Tour-Podium und katapultierte ihn auf den fünften Gesamtrang, 59 Sekunden hinter dem Zweiten und nur 13 Sekunden hinter dem neuen Führenden der Nachwuchswertung, Juan Ayuso.
Seixas wurde während der gesamten Etappe von seinem Team abgeschirmt. Nicolas Prodhomme führte ihn über den Gipfel des Puy Mary, während Tiesj Benoot, Aurélien Paret-Peintre und Matthew Riccitello ihn vor einer tückischen Abfahrt in Position brachten, die Seixas als ‚Eisbahn‘ bezeichnete, weil der Asphalt in der Hitze schmolz. Im Schlussspurt hielt er mit Vingegaard, Remco Evenepoel und Florian Lipowitz mit und bestätigte damit seinen Platz unter den Podiumsanwärtern.
Es war extrem schwer, diesen dritten Platz an einem der anstrengendsten Tage zu erkämpfen. Am Tourmalet war es eine Etappe für Kletterer. Heute war es eine Etappe für starke Männer, mit kürzeren, chaotischeren Anstrengungen. Auf beiden Terrainarten präsent zu sein, ist ein sehr schöner Erfolg.
Del Toro bricht ein, Klassement wird neu gemischt
Isaac Del Toro, das mexikanische Klettertalent, das als Gesamtzweiter in die Etappe gegangen war, war der folgenreichste Verlierer. Da er das Tempo am Col de Pertus nicht halten konnte, verlor er 57 Sekunden auf Seixas und rutschte aus den Top Drei. Seixas liegt nun 29 Sekunden vom Podium und 59 Sekunden hinter dem Zweiten Vingegaard. Sein Sportdirektor Julien Jurdie wollte nicht über die unmittelbaren Ziele hinausblicken: „Es gab diese Woche drei wichtige Termine in der Gesamtwertung. Einen heute und die anderen beiden am Samstag und Sonntag. Wir denken im Moment nicht weiter.“ Mathieu Charpentier, der Délégué général des Teams, fügte hinzu: „Der Fahrplan wird eingehalten.“
Was bleibt und was verschwindet
Mit noch 11 zu fahrenden Etappen neigt sich die Tour einer Prozession für das Gelbe Trikot zu. Doch der Kampf um die verbleibenden Podiumsplätze verschärft sich. Seixas, Ayuso, Evenepoel und ein nicht in Bestform befindlicher Vingegaard sind durch schmale Abstände getrennt, die die Alpen testen werden. Die Etappe am Samstag nach Le Markstein und die Ankunft am Sonntag auf dem Plateau de Solaison bieten sofortiges Terrain für Gegenangriffe.
- Jonas Vingegaard (2.)
- 216 Sekunden
- Remco Evenepoel (3.)
- 216 Sekunden
- Juan Ayuso (4.)
- 216 Sekunden
- Paul Seixas (5.)
- 216 Sekunden

