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Regierung·vor 2 Std.

Koalition und Sozialpartner vereinbaren Fortsetzung der Reformgespräche nach dreieinhalbstündigem Gipfel im Kanzleramt

Die Spitzen der CDU/CSU-SPD-Koalition haben sich am Mittwochabend dreieinhalb Stunden lang mit Gewerkschafts- und Arbeitgebervertretern getroffen und vereinbart, die Gespräche über ein Paket von Wirtschafts- und Sozialreformen fortzusetzen, aber keine konkreten Beschlüsse gefasst.

Das Gipfelformat

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Miersch und CSU-Chef Markus Söder saßen am Mittwochabend mit Wirtschafts- und Arbeitsvertretern im Kanzleramt zusammen. Das Treffen dauerte nach Angaben der Teilnehmer rund dreieinhalb Stunden. Regierungssprecher Stefan Kornelius bezeichnete die Atmosphäre als „konstruktiv und konzentriert."

Gute Lösungen entstehen aus dem Dialog.

Merz hatte die Zusammenkunft auf X als Diskussion darüber angekündigt, „wie wir unsere Wettbewerbsfähigkeit und den Arbeitsmarkt stärken können". Er fügte hinzu, dass die Rückkehr Deutschlands auf einen Wachstumspfad „in den kommenden Wochen höchste Priorität" habe. Söder schrieb auf Facebook, das Land brauche Reformen und müsse gemeinsam vorankommen.

Vier Reformbereiche

Kornelius sagte, die Gespräche hätten vier Themen umfasst: die Lage auf dem Arbeitsmarkt, die Stabilität und Sicherung der Sozialversicherungssysteme, Bürokratieabbau und Steuerpolitik. Die Teilnehmer seien sich einig gewesen, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland vor großen Herausforderungen stehe. Technologischer Wandel, demografische Verschiebungen und multiple globale Krisen erforderten entschlossene Schritte für mehr Wachstum und neue Wertschöpfung, während die Sozialsysteme reformiert und die bürokratische Last reduziert werden müssten.

Keine Entscheidungen, aber ein Weg nach vorn

Wie erwartet wurden keine bindenden Beschlüsse gefasst. Die Regierung hatte im Vorfeld signalisiert, dass es bei dem Treffen um den Aufbau von Konsens und nicht um Resolutionen gehe. Wirtschafts- und Gewerkschaftsvertreter hätten Bereitschaft signalisiert, „den Reformprozess konstruktiv zu begleiten", sagte Kornelius, und weitere Gespräche seien vereinbart worden. Format und Zeitplan dieser Folgegespräche blieben offen.

Weg zum deutschen Reformpaket
  1. Regierung setzt Rentenkommission ein, die Reformvorschläge unterbreiten soll
  2. Koalitionsspitzen treffen Sozialpartner im Kanzleramt; weitere Gespräche vereinbart
  3. Rentenkommission soll Reformvorschläge vorlegen
  4. Koalitionsausschuss soll Eckpfeiler des Reformpakets beschließen

Politische Bedeutung für die SPD

Die Fortsetzung des Dialogs zu sichern, ist ein wichtiger Erfolg für die SPD. Miersch hatte am Dienstag gewarnt, dass der Runde Tisch mit den Sozialpartnern nicht zu einem „Eintagsfliege" werden dürfe. Nach dem Treffen hieß es aus Parteikreisen, die SPD sei mit den Ergebnissen zufrieden und habe Gemeinsamkeiten in den Bereichen Energie, Steuern, Bürokratieabbau und Innovation festgestellt.

Die anstehenden Modernisierungen brauchen eine breite politische Legitimität. Deutschland hat schwierige Phasen immer dann überwunden, wenn wir sie gemeinsam angegangen sind. Wenn wir jetzt die Gewerkschaften, die Arbeitgeber und die Bundesländer weiter eng einbinden, können aus notwendigen Reformen Vertrauen entstehen.

Miersch sagte zudem gegenüber SPD-Abgeordneten, es bestehe Einigkeit darüber, dass die Stärkung des Wirtschaftswachstums nun oberste Priorität habe, und der Dialog werde auf verschiedenen Ebenen fortgesetzt.

Was als Nächstes kommt

Die Koalition steht vor ihrer bisher größten Bewährungsprobe. Der Koalitionsausschuss soll am 1. Juli tagen, um die Eckpfeiler eines Reformpakets zu beschließen, das die Einkommensteuer, die Sozialversicherung, den Bürokratieabbau und Maßnahmen auf dem Arbeitsmarkt umfasst. Eine von der Regierung im letzten Winter eingesetzte Rentenkommission soll ihre Reformvorschläge bis Ende Juni vorlegen. Die deutsche Wirtschaft befindet sich weiterhin in einer anhaltenden Schwächephase, in diesem Jahr wird nur ein minimales Wachstum erwartet, was unter anderem auf die mit dem Iran-Konflikt verbundenen Öl- und Gaspreisspitzen zurückzuführen ist.

IG-Metall-Chefin Christiane Brenner sagte der dpa nach dem Treffen: „Sie sehen mich gut gelaunt." Sie lehnte eine sofortige weitere Stellungnahme ab. Andere Verbände deuteten an, dass sie sich wohl erst am Donnerstag äußern würden.

Berlin

7 Quellen

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