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Wohnen·4. Juli

Große Koalition verbietet Landesenteignungen von Wohnungskonzernen – Berliner SPD und Linke protestieren

Die Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD will Landesenteignungen großer Vermieter verbieten – eine direkte Antwort auf das Berliner Volksbegehren von 2021. Kritiker nennen es ein Wahlkampfgeschenk an die Linke vor der Septemberwahl.

Der Bund greift ein

Die deutsche Regierungskoalition hat sich darauf verständigt, ein Bundesgesetz zu verabschieden, das einzelnen Bundesländern die Enteignung von Mietportfolios großer Wohnungsunternehmen untersagt. Die Entscheidung, die nach einer Sitzung des Koalitionsausschusses bekannt gegeben wurde, wird als Maßnahme zur Wiederherstellung des Investorenvertrauens und zur Förderung des Neubaus dargestellt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte, die Debatte über Enteignungen habe internationale Besorgnis ausgelöst. „In der ganzen Welt wird gefragt: Was ist da in Deutschland los?“, sagte er vor Journalisten und fügte hinzu, dass der Bund handeln müsse, wenn Entscheidungen auf Landesebene bundesweite Probleme verursachten.

Wenn Entscheidungen auf Landesebene zu Problemen für ganz Deutschland führen, reagieren wir.

— Friedrich Merz

Berliner Volksentscheid 2021 und der neue Vorstoß

2021 stimmte eine Mehrheit der Berliner Wähler für einen unverbindlichen Volksentscheid zur Vergesellschaftung des Wohnungsbestands von Unternehmen mit mehr als 3.000 Einheiten. Die Initiative „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ reichte im vergangenen September einen Gesetzentwurf ein und bereitete damit ein neues Volksbegehren vor. Das Bundesverbot würde jeden solchen Schritt im Vorfeld verhindern. Mehrere Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete kritisierten den Plan. Hakan Demir nannte ihn „ein Wahlkampfgeschenk an die Linke“, das den politischen Spielraum Berlins einschränke. Annika Klose, sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, wies darauf hin, dass die Enteignung im Grundgesetz verankert sei und den Ländern als Option erhalten bleiben müsse.

Ein Verbot auf Bundesebene würde den politischen Spielraum Berlins einschränken und wäre angesichts der laufenden Debatten ein Wahlkampfgeschenk an die Linke.

— Hakan Demir

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Linke kündigt Widerstand an

Die Linke, die in jüngsten Berliner Umfragen auf den ersten Platz vorgerückt ist, reagierte empört. Die Fraktionsvorsitzende Heidi Reichinnek warf der Regierung vor, Unternehmensgewinne über Verfassungsrechte zu stellen. „Vonovia frohlockt, die Aktienkurse steigen“, sagte sie und behauptete, die Regierung schütze „Eigentums-Haie“. Berlins Spitzenkandidatin Elif Eralp kündigte an, sich dem Verbot zu widersetzen und die Vergesellschaftung weiter voranzutreiben. Sie betonte, die Stadt brauche mehr bezahlbaren Wohnraum und der Wille der Berliner Wähler müsse respektiert werden.

Die Ankündigung ist nichts weniger als ein erschreckendes Eingeständnis, dass für diese Regierung die Profitinteressen der Wohnungskonzerne höher rangieren als verfassungsrechtlich geschützte Rechte.

— Heidi Reichinnek

Wohnungsnot und Baustagnation

Der Hintergrund ist eine sich verschärfende Wohnungskrise. Mehr als eine Million Wohnungen fehlen in ganz Deutschland, die Fertigstellungen sanken 2025 auf 206.600, ein weiterer Rückgang wird in diesem Jahr erwartet. Die Baukosten sind stark gestiegen: Die durchschnittlichen Kosten für den Bau eines Quadratmeters Wohnfläche in einer Großstadt erreichten 4.630 Euro, ein Anstieg von über 50 Prozent seit 2020, ohne Grundstückskosten. Die Koalition argumentiert, dass bereits die bloße Debatte über Enteignungen Investoren abgeschreckt habe. CSU-Chef Markus Söder wies die Behauptung zurück, das Verbot ziele in erster Linie darauf ab, einen Wahlsieg der Linken in Berlin zu verhindern. Es gehe darum, den „Sozialismus“ zu beenden und den privaten Bau wiederzubeleben.

Wichtige Daten der Berliner Enteignungsdebatte
  1. 1. Sept. 2025Die Berliner Initiative 'Deutsche Wohnen & Co enteignen' reicht einen Gesetzentwurf zur Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen ein.
  2. 3. Juli 2026Die Bundeskoalition einigt sich auf ein Verbot von Landesenteignungen privater Mietportfolios.
  3. 20. Sept. 2026Berliner Landtagswahl; die Linke führt in den Umfragen und macht die Enteignung zu einem zentralen Wahlkampfthema.

Weitere Maßnahmen und Reaktionen

Neben dem Verbot einigte sich die Koalition auf die Gründung einer bundeseigenen Wohnungsbaugesellschaft (WBG) zur Unterstützung des sozialen Wohnungsbaus. Bauministerin Verena Hubertz (SPD) begrüßte die Klarheit und sagte, der Fokus solle auf Investitionen, Neubau und einem starken Mieterschutz liegen. Der baupolitische Sprecher der CDU, Jan-Marco Luczak, nannte die Enteignungsdebatte einen „Todesstoß“ für den privaten Wohnungsbau und forderte die Berliner Parteien auf, ihren „populistischen Mieter-Wahlkampf“ zu beenden. Der Immobilienexperte Michael Voigtländer vom IW Köln warnte davor, dass eine Verstaatlichung ohne marktübliche Entschädigung eine Kapitalflucht ausgelöst hätte.

Wir schaffen Klarheit durch Bundesrecht und konzentrieren uns auf das, was den Menschen in angespannten Wohnungsmärkten wirklich hilft: Investitionen, Neubau und einen starken Mieterschutz im Bestand.

— Verena Hubertz
Berlin
Hakan DemirAnnika KloseHeidi ReichinnekElif EralpMarkus SöderFriedrich MerzVerena HubertzJan-Marco LuczakMichael Voigtländer
Friedrich MerzBerlinMarkus SöderElif EralpHeidi ReichinnekVerena HubertzAnnika KloseHakan DemirMichael VoigtländerJan-Marco Luczak

5 Quellen

  • Koalitionsausschuss: "Wahlgeschenk an die Linke": SPD-Kritik an Enteignungsverbot
    Der Tagesspiegel·4. Juli
  • Berlin: "Regierung stellt sich schützend vor Miethaie" - Linke will sich Enteignungs-Verbot widersetzen
    DIE WELT·3. Juli
  • Wohnungsbau in Deutschland: Bauen statt Enteignen - aber wer soll es machen?
    Frankfurter Allgemeine·3. Juli
  • Koalition will Enteignungen von Mietbeständen verbieten. Geht das?
    Süddeutsche Zeitung·3. Juli
  • Immobilien: Regierung plant Gesetz - Vergesellschaftung "nicht möglich
    Handelsblatt·3. Juli

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