
Angriff beim Berliner CSD: Union fordert schnelle Sicherheitsgesetze, Polizeigewerkschaft mahnt zur Vorsicht
Eine Woche nach dem islamistischen Anschlag beim Berliner Christopher Street Day, bei dem eine Polin getötet und 31 Menschen verletzt wurden, drängt die CDU/CSU-Union auf rasche Gesetzesänderungen, während die Polizeigewerkschaft vor übereilten Maßnahmen warnt.
Der Anschlag
Am Abend des 26. Juli 2026 steuerte ein 21-jähriger in Berlin geborener Mann ein Auto in eine Menschenmenge beim Christopher Street Day (CSD) und griff dann Menschen mit einer Machete an. Eine Polin starb, 31 weitere wurden verletzt. Der Tatverdächtige Abdul B. war von der Polizei als sogenannter Gefährder eingestuft worden und stand unter einer nicht rechtskräftigen Jugendstrafe, blieb aber auf freiem Fuß. Er floh vom Tatort und wurde am folgenden Tag geortet; die Polizei erschoss ihn, als er Beamte angriff.
Politische Reaktionen
Eine Woche später hat der Anschlag eine rasche gesetzgeberische Debatte ausgelöst. Thorsten Frei, parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Union, sagte der Bild am Sonntag, er erwarte von Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) Vorschläge innerhalb von Wochen, voraussichtlich im August.
Ich bin überzeugt, dass der Bundesinnenminister und die Bundesjustizministerin in den kommenden Wochen entsprechende Vorschläge vorlegen werden – voraussichtlich noch im August.
Dobrindt forderte einen erweiterten Einsatz elektronischer Fußfesseln, eine bundeseinheitliche Regelung zur Präventivhaft für Gefährder und die Abschaffung der Anwendung des Jugendstrafrechts auf erwachsene Gefährder, was er als „inakzeptabel“ bezeichnete. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Miersch signalisierte Offenheit für strengere Kontrollen, einschließlich Präventivhaft, betonte jedoch, dass die Verantwortung bei den Ländern liege und ein gemeinsamer Bundesrahmen nötig sei.
Es ist klar, dass wir ein Problem mit dem Islamismus haben. Daher müssen wir meiner Ansicht nach auch bestimmte Vereinigungen und Gruppen genauer in den Blick nehmen und Gefährder besser kontrollieren.
Miersch identifizierte das Kernversagen im Berliner Fall als mangelnden Informationsaustausch zwischen Sicherheitsbehörden und Justiz und erwarte Vorschläge des Innenministers zu diesem Punkt.
Polizeigewerkschaft bremst
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) legte ein Positionspapier vor, das vor populistischen Schnellschüssen warnt. Sie lehnt eine pauschale Verpflichtung zu Fußfesseln oder Präventivhaft für alle als Gefährder eingestuften Personen ab und plädiert stattdessen für ein abgestuftes, auf das individuelle Risiko zugeschnittenes Vorgehen. Die Gewerkschaft lehnt auch übereilte Änderungen des Jugendgerichtsgesetzes ab und fordert, zunächst die im Koalitionsvertrag bereits vorgesehene Evaluierung abzuschließen.
Eine isolierte Verschärfung einzelner Vorschriften unter dem aktuellen Eindruck erscheint nicht angemessen.
Die GdP fordert jedoch die Wiedereinführung der Strafbarkeit der propagandistischen Unterstützung terroristischer Vereinigungen, damit öffentliche Werbung für terroristische Gruppen oder Sympathiebekundungen für deren Ziele oder Taten verfolgt werden können, bevor konkrete Unterstützung oder Vorbereitung erfolgt. Sie fordert zudem eine Harmonisierung der derzeit uneinheitlichen Landesregelungen.
Stimmungslage und Solidarität
Zwei am Sonntag veröffentlichte Umfragen erfassen die öffentliche Reaktion. Eine Civey-Umfrage ergab, dass 38 % der Deutschen angeben, ihr Sicherheitsgefühl habe sich seit dem Anschlag verschlechtert. Eine Insa-Umfrage für die Bild am Sonntag zeigte, dass jeder zweite Befragten besonders großen Handlungsbedarf bei Innerer Sicherheit und Migration sieht. Gleichzeitig demonstrierten am Samstag rund 300.000 Menschen in Hamburg für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt unter dem Motto „Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!“ Ein Zug von 60 LKWs bewegte sich durch die Innenstadt; im Vorjahr hatten etwa 260.000 teilgenommen. Ähnliche Paraden fanden in Bonn, Amsterdam, Stockholm und Brighton statt.
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