Belgien senkt Alkoholgrenze für Fahranfänger auf 0,2 Promille und plant Ausfahrtschranken mit Alkoholtest
Die belgische Bundesregierung hat eine Alkoholgrenze von 0,2 Promille für Fahranfänger, ANPR-Kameras zur Erkennung von Handynutzung und Parkhausschranken mit Atemtest angekündigt, nachdem die Zahl der Verkehrstoten Anfang 2026 um 6 % gestiegen ist.
Niedrigere Alkoholgrenzen für Fahranfänger
Der belgische Föderale Minister für Mobilität, Jean-Luc Crucke, hat am Dienstag im Rahmen der Generalstaaten für Verkehrssicherheit eine Reihe von Maßnahmen zur Verkehrssicherheit angekündigt. Nach dem vorgeschlagenen Rahmen soll die gesetzliche Blutalkoholgrenze für Autofahrer, die seit weniger als drei Jahren einen Führerschein besitzen, auf 0,2 Gramm pro Liter sinken – gegenüber der üblichen Schwelle von 0,5 Promille. Der Wert von 0,2 entspricht den Regeln für professionelle Bus-, Lkw- und Taxifahrer und dient als technische Toleranz der Messgeräte, was praktisch einer Nulltoleranz gleichkommt. Daten des Verkehrssicherheitsinstituts Vias zeigen, dass Fahranfänger bei einem Blutalkoholgehalt zwischen 0,5 und 0,8 Promille ein doppelt so hohes Unfallrisiko tragen wie erfahrene Fahrer. Der Föderale Innenminister Bernard Quintin wies darauf hin, dass junge Fahrer in städtischen Gebieten ihren Führerschein heute später erwerben und dadurch weniger praktische Fahrerfahrung sammeln.
Der Einfluss von Alkohol ist für jeden Fahrer schädlich, doch wegen fehlender Erfahrung und fehlender Automatismen ist das Unfallrisiko bei Fahranfängern noch höher.
Regionale Entwicklung der Todesfälle und Kameras zur Handyerkennung
Die Maßnahmen folgen auf einen Anstieg der belgischen Verkehrstoten um 6 % in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026. Daten des Vias-Verkehrssicherheitsbarometers verzeichneten 223 Tote im ersten Halbjahr 2026, gegenüber 210 im gleichen Zeitraum des Jahres 2025. Die regionalen Zahlen gingen auseinander: In Wallonien stieg die Zahl von 91 auf 110 Tote, in Flandern wurden 109 Tote gegenüber 110 im Jahr 2025 registriert, und in Brüssel sank die Zahl von 9 auf 4. Trotz regelmäßiger Kontrollkampagnen erwischte die Bundespolizei im vergangenen Jahr in ganz Belgien durchschnittlich 133 betrunkene Fahrer pro Tag. Um Ablenkung im Auto zu bekämpfen, arbeitet die Bundesregierung an Änderungen des Königlichen Erlasses über Verkehrsverstöße, um bis 2027 vernetzte ANPR-Kameranetze gegen die Nutzung von Mobiltelefonen am Steuer einzusetzen.
- Wallonien
- 110 Tote
- Flandern
- 109 Tote
- Brüssel
- 4 Tote
Alkoholschranken und Kontrollen bei elektrischen Zweirädern
Um zu verhindern, dass betrunkene Autofahrer auf öffentliche Straßen gelangen, werden die Behörden in diesem Jahr an einem kommunalen Parkhaus in Hasselt automatische Ausfahrtschranken mit Atemtest erproben. Fahrer müssen einen negativen Atemtest vorweisen, damit sich die Schranke hebt; wer positiv getestet wird, wird in eine Pufferzone mit Informationen zum öffentlichen Nahverkehr geleitet. Das Konzept orientiert sich an schwedischen Hafensystemen und folgt einem Versuch beim Musikfestival Rock Werchter, bei dem sechs Fahrer mit positivem Test daran gehindert wurden, die Parkflächen zu verlassen. Die Regierung stattet die Polizei zudem mit Rollenprüfständen und Kurvenmessgeräten aus, um die tatsächliche Betriebsgeschwindigkeit von E-Scootern, Fatbikes und Fahrrädern zu messen, die das Limit von 25 Kilometern pro Stunde überschreiten. Autofahrer, die acht Geschwindigkeitsverstöße von mehr als 30 Kilometern pro Stunde ansammeln, könnten nach dem neuen Durchsetzungsrahmen auch direkt vor Gericht geladen werden.
- Alkoholschranke beim Festival Rock Werchter getestet
- Pilot-Alkoholschranke im Parkhaus in Hasselt installiert
- Angestrebte Einführung der Alkoholgrenze für Fahranfänger und der Kameras zur Handyerkennung
Auf der Straße sind wir alle Akteure der Verkehrssicherheit – ob am Steuer oder am Lenker.

