
BASF nähert sich Spezialchemie-Konkurrent Evonik wegen möglichem Übernahmeangebot
Der deutsche Chemiekonzern BASF hat ein unverbindliches Übernahmeangebot für den Konkurrenten Evonik unterbreitet, das den Spezialchemiehersteller mit einem Unternehmenswert von rund 12 Milliarden Euro inklusive Schulden bewertet.
Vorläufiger Vorstoß und Marktreaktion
Am Freitag, den 25. September 2026, bestätigte das deutsche Chemieunternehmen Evonik Industries AG den Erhalt eines unverbindlichen Ansatzes des Konkurrenten BASF SE hinsichtlich eines möglichen freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots für alle ausstehenden Aktien. Evonik erklärte, dass derzeit keine formellen Verhandlungen stattfinden, während BASF andeutete, dass der Ausgang erster Sondierungen offen bleibt. Evonik-Aktien stiegen im Handel nach der Nachricht um bis zu 11% auf über 20 Euro und erreichten damit den höchsten Stand seit Mai 2025. Die Aktien von BASF fielen in derselben Sitzung um rund 3%.
- BASF beginnt vorbereitende Gespräche mit Investmentbanken über eine mögliche Übernahme von Evonik
- Evonik kündigt Restrukturierungsprogramm an, um bis Ende 2029 3.200 Stellen abzubauen
- Geschäftsklimaindex der deutschen Chemieindustrie steigt von minus 26,3 auf minus 2,4 Punkte
- Evonik bestätigt Erhalt eines unverbindlichen Übernahmeangebots der BASF SE
Finanzieller Umfang und Ankeraktionär
Eine Kombination würde die beiden größten deutschen Chemiehersteller zu einem Unternehmen mit einem kombinierten Jahresumsatz von rund 75 Milliarden Euro vereinen. Evonik hat eine Marktkapitalisierung von etwa 8,4 Milliarden Euro, bzw. einen Unternehmenswert von etwa 12 Milliarden Euro unter Einbeziehung der Nettofinanzschulden. BASF hat eine Marktkapitalisierung von rund 47 Milliarden Euro. Eine zentrale Rolle bei jeder Transaktion spielt die Essener RAG-Stiftung, die rund 43% von Evonik hält. Die Stiftung hat zuvor angekündigt, ihre Beteiligung auf 25,1% reduzieren zu wollen, um das Engagement im Chemiesektor zu verringern.
- BASF
- 47 €B
- Evonik
- 8.4 €B
Strategische Umstrukturierungen bei beiden Konzernen
Das Übernahmeangebot kommt, während sowohl das in Ludwigshafen ansässige BASF als auch das in Essen ansässige Evonik Umstrukturierungsprogramme durchführen. Unter Vorstandsvorsitzendem Markus Kamieth hat BASF 2025 und 2026 sein Farben- und Beschichtungsgeschäft veräußert und plant einen Börsengang für seine Agrar- und Saatgutsparte im Jahr 2027. Das Unternehmen verwaltet eine Nettoverschuldung von rund 20 Milliarden Euro und die Belegschaft am Standort Ludwigshafen fiel erstmals seit 1954 unter 30.000.
Wir haben immer noch ein solides Rating, aber die Nettoverschuldung von rund 20 Milliarden Euro ist nicht ein Niveau, das wir dauerhaft auf dieser Höhe sehen wollen. Unser Ziel ist es, die Finanzschulden im nächsten Jahr deutlich zu reduzieren.
Evonik-Restrukturierung und Branchenbedingungen
Evonik führt unter dem Interims-CEO Claus Rettig eine eigene Transformation durch, die Ressourcen auf Kernspezialchemikalien wie Beschichtungsadditive, Automobilpolymere und Futteraminosäuren konzentriert. Mitte Juni 2026 kündigte Evonik Pläne an, bis Ende 2029 weltweit rund 3.200 Stellen abzubauen, davon 2.150 in Deutschland. Der Konzern bereitet zudem den Verkauf der Massenchemieeinheiten Oxeno und Syneqt vor, die rund 4.300 Mitarbeiter beschäftigen. Die Branchenbedingungen in Deutschland zeigten im August 2026 Anzeichen einer Erholung, als der Geschäftsklimaindex des ifo Instituts für die chemische Industrie von minus 26,3 auf minus 2,4 Punkte stieg, begünstigt durch Transportunterbrechungen in der Straße von Hormus, die die Nachfrage nach inländischer Chemieproduktion ankurbelten.


