Wirtschaft · Dhaka, Ashulia und Gazipur

Bangladesch: Proteste gegen Textil-Mindestlohn gehen in den vierten Tag – Hunderte Fabriken stehen still

Textilarbeiter in Bangladesch haben am Dienstag, 3. November, den vierten Tag in Folge protestiert. Im Industriegürtel von Dhaka wurden Polizisten verletzt, zahlreiche Fabriken blieben geschlossen. Die Beschäftigten fordern einen Mindestlohn, der mehr als doppelt so hoch liegt wie der aktuelle.

KI-Text auf Grundlage von Berichten von Bloomberg Business, europa press, The Independent und weiteren Medien. Veröffentlicht . So entsteht er

Für MitgliederDie ersten 30 Sekunden zum Probehören. Synthetische Stimme (KI).

Kurz gefasst

Dhaka, Ashulia, Gazipur, Mirpur · Bangladesch
Wie es dazu kam
  1. 31.10.Proteste beginnen mit Märschen in den Textilindustriegebieten
  2. 1.11.Lohnausschuss angekündigt; Proteste in Dhaka werden gewaltsam, Straßenblockaden und brennende Fahrzeuge
  3. 2.11.Zusammenstöße stoppen erneut mehr als 650 Fabriken, Agenturmeldungen nennen etwa 670
  4. 3.11.Vierter Protesttag in Folge; Quellen melden 50 bis 58 verletzte Polizisten

Vier Tage Proteste im Industriegürtel von Dhaka

Textilarbeiter in Bangladesch sind am Dienstag, 3. November, den vierten Tag in Folge wegen niedriger Löhne auf die Straße gegangen. Die Proteste begannen am Samstag, 31. Oktober, und konzentrieren sich auf die Industrieviertel rund um Dhaka, darunter Ashulia, Gazipur und Mirpur, wo Menschenmengen versuchten, die Hauptverkehrsstraßen in und aus der Hauptstadt zu blockieren. Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, um die Menge aufzulösen, und trotz starker Polizeipräsenz kam es weiterhin zu Zusammenstößen. Die Angaben zu den Verletzten gehen auseinander: Mindestens 50 Polizisten sollen verletzt worden sein, die Behörden nannten die Zahl 58 und erklärten, 57 Menschen seien festgenommen worden. Eine offizielle Zahl ziviler Opfer lag zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht vor.

Wie die Unruhen eskalierten

Die gemeldeten Schließungen reichen von etwa 200 bis zu mehr als 650 Fabriken. Am Sonntag, 1. November, wurden die Proteste in Dhaka gewaltsam: Demonstranten blockierten Straßen, beschädigten Fabriken und zündeten Fahrzeuge an, während die Polizei Tränengas einsetzte und später Dutzende Festnahmen meldete. Am Montag, 2. November, nahmen einige Fabriken kurzzeitig den Betrieb wieder auf, doch neue Zusammenstöße zwangen laut einem Bericht mehr als 650 Fabriken erneut zur Betriebsunterbrechung; unter Berufung auf Agenturmeldungen nannte die BBC die Zahl von etwa 670. Hunderte Fabriken dürften auch am Dienstag, 3. November, geschlossen geblieben sein. Fabrikbesitzer warnen, die Stilllegungen könnten Lieferungen verzögern und dem Ruf des Landes bei den Abnehmern schaden; sie verweisen auf höhere Betriebskosten und Unsicherheit an den Energiemärkten im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten.

Lohnforderungen und die Reaktion der Regierung

Die Beschäftigten fordern einen monatlichen Mindestlohn von 30.000 Taka statt der derzeitigen 12.500 Taka und erklären, Inflation und steigende Lebenshaltungskosten hätten ihre Einkommen aufgezehrt. Am Sonntag, 1. November, setzte die Regierung einen sechsköpfigen Lohnausschuss ein, der die Entlohnung überprüfen soll; die Beschäftigten erklärten jedoch, dieser Schritt habe die Proteste nicht beruhigt. Premierminister Tarique Rahman hielt nach Angaben der BBC eine Dringlichkeitssitzung mit Ministern zu den Unruhen ab. Die Sicherheitskräfte erklärten, sie ergriffen Maßnahmen, um die Beschäftigten an ihre Arbeitsplätze zurückzubringen, und wiesen Vorwürfe übermäßiger Gewaltanwendung zurück. Die Behörden werfen der Awami League, der verbotenen Partei der früheren Regierungschefin Sheikh Hasina, vor, die Proteste für die Anstiftung zu Gewalt zu nutzen. Mohidul Islam, stellvertretender Polizeichef von Dhaka, erklärte, bis zum 2. November seien mindestens 29 Demonstranten festgenommen worden, und warnte, wer ein „instabiles Umfeld in den Textilfabriken“ schaffe, werde strafrechtlich verfolgt. Einem weiteren Bericht zufolge wurden am jüngsten Tag mehr als 30 Personen mit Verbindungen zur Awami League festgenommen.

Monatlicher Mindestlohn: aktuelles Niveau und Forderung der BeschäftigtenTaka
Aktueller Mindestlohn
12500 Taka
Forderung der Beschäftigten
30000 Taka

Daten aus dem Artikeltext

Beschäftigte: Löhne decken die Grundkosten nicht mehr

Laili Begum, eine 37-jährige Näherin bei Virtual Bottoms Limited, einer Textilfabrik bei Dhaka, verdient nach Angaben von Al Jazeera rund 15.000 Taka im Monat, mit Überstunden 18.000 bis 20.000 Taka. Ihre 15-jährige Tochter und ihr 12-jähriger Sohn verließen Anfang des Jahres die Schule, weil die Familie die Ausbildung nicht mehr bezahlen konnte. Über die tägliche Ernährung der Familie sagte sie:

„Für eine anständige Mahlzeit am Tag reicht es kaum.“

Laili Begum

Begum ist eine von rund vier Millionen Textilarbeiterinnen und -arbeitern in Bangladesch, etwa die Hälfte davon Frauen. Der Sektor beliefert globale Marken wie H&M, Zara und Gap und steht für mehr als 80 % der Exporterlöse; die Branche insgesamt hat einen Wert von etwa 40 Mrd. Dollar pro Jahr und entspricht rund 10 % des BIP. Al Jazeera wies darauf hin, dass der Mindestlohn in der kambodschanischen Bekleidungsindustrie 210 Dollar im Monat beträgt und in Vietnam zwischen 140 und 210 Dollar liegt – Bangladesch gehört damit zu den am schlechtesten bezahlten Bekleidungsproduzenten.

Fragen zu diesem Text

Quellen und Kontext

Pollar ist kostenlos und ohne Werbung im Text. Getragen wird es von seinen Mitgliedern.

Pollar unterstützen