Kunst & Bücher · Paris

Über 200 Autorinnen prangern Sexismus bei Frankreichs wichtigsten Literaturpreisen an – alle gingen an Männer

Mehr als 200 Autorinnen, darunter die Nobelpreisträgerin Annie Ernaux, kritisieren, dass die fünf führenden französischen Literaturpreise der Herbstsaison ausschließlich Männer ausgezeichnet haben. Sie fordern eine Reform der Jurys.

KI-Text auf Grundlage von Berichten von Observador, rts.ch, 7sur7 und weiteren Medien. Veröffentlicht . So entsteht er

Für MitgliederDie ersten 30 Sekunden zum Probehören. Synthetische Stimme (KI).

Kurz gefasst

Paris · Frankreich

Ein offener Brief gegen das Preissystem

Mehr als 200 Autorinnen veröffentlichten am Freitag, 6. November, auf der Website der französischen Tageszeitung Libération einen offenen Brief, in dem sie den Sexismus anprangern, den sie bei den fünf wichtigsten französischen Literaturpreisen ausmachen. Zu den Unterzeichnerinnen gehören die Nobelpreisträgerin Annie Ernaux, Virginie Despentes, Anne Berest, Adèle Yon und Nadia Daam. Die Initiative ging von der Philosophin Camille Froidevaux-Metterie sowie den Autorinnen Louise Chennevière und Anne Godard aus. Die Autorinnen erklären, das System, das sie als typisch französisch beschreiben, spiegle weder den Reichtum noch die Vielfalt der zeitgenössischen französischen Literatur wider.

Fünf Preise, fünf Männer

In den Tagen vor dem offenen Brief gaben die Preise der rentrée littéraire, der literarischen Herbstsaison, ihre Gewinner bekannt. Der Goncourt ging an Philippe Jaenada, der Renaudot an François-Henri Désérable, der Femina an Yannick Haenel, der Médicis an Philippe Vasset und der Grand Prix de l'Académie française an Sébastien Lapaque. Der Femina-Preis für einen ausländischen Autor ging an die amerikanische Schriftstellerin Laura Kasischke. Zwei kleinere Auszeichnungen gingen an Frauen: der prix Décembre an Anne Godard und der prix de Flore an Lucie Rico.

Die Autorinnen verweisen auf die Shortlist des Médicis als Beispiel. Laut dem offenen Brief wählte deren Jury Vasset als einzigen männlichen Autor auf einer Liste, die auch sechs Frauen umfasste.

Die Argumentation der Autorinnen

Die Autorinnen erklären, die Jurys hätten eine „heroische Leistung“ vollbracht, indem sie ausschließlich Männer auszeichneten. Sie weisen darauf hin, dass die Saison als offen beschrieben worden sei, und argumentieren, dass viele wichtige Bücher von Frauen von der Kritik gelobt und von Buchhändlern und Lesern verteidigt worden seien. Der offene Brief betont zudem, dass sich die Bücher verkaufen – ein Punkt, mit dem die Autorinnen die Entscheidungen der Jurys infrage stellen.

Die Unterzeichnerinnen machen ein geschlossenes System verantwortlich. Sie erklären, die Mitglieder dieser großen Preise würden durch Kooptation bestimmt und säßen zumeist auf Lebenszeit – ein alter patriarchaler Zirkel, der sehr effektiv funktioniere. Sie argumentieren außerdem, die Zurückhaltung gegenüber der Auszeichnung von Frauen spiegele eine Distanz zu Büchern wider, die Themen literarische Würde verleihen, welche sie als „weiblich“ bezeichnen, etwa Inzest, ein Motiv, das in mehreren in dieser Saison erschienenen Büchern vorkomme.

Was die Autorinnen fordern

Die Autorinnen fordern rotierende Jurys, die geschlechterparitätisch besetzt sind und eine echte redaktionelle Vielfalt abbilden. Der offene Brief ist als Forderung nach einer Änderung der Auswahl der Jurymitglieder und ihrer Amtszeit formuliert, nicht als Beschwerde über einzelne Preisträger. Die Berichte enthalten keine Antwort der Jurys oder der Preisverantwortlichen.

Die Initiative ging von Camille Froidevaux-Metterie, Louise Chennevière und Anne Godard aus, und zu den Unterzeichnerinnen zählen einige der prominentesten Namen der französischen Gegenwartsliteratur. Der Streit dreht sich darum, wer in den Jurys sitzt und wie diese ausgewählt werden, nicht um die Qualität der ausgezeichneten Bücher.

Fragen zu diesem Text

Quellen und Kontext

Pollar ist kostenlos und ohne Werbung im Text. Getragen wird es von seinen Mitgliedern.

Pollar unterstützen