Diplomatie · Brüssel, Ankara und Bengasi
EU-Kommissionsbericht erklärt Türkei-Libyen-Memorandum für null und nichtig; Ankara weist ihn zurück
Der jährliche Erweiterungsbericht stellt fest, dass das Memorandum von 2019 die Souveränitätsrechte dritter Staaten verletzt und der Casus Belli von 1995 in Kraft bleibt. Das türkische Außenministerium nennt die Feststellungen unbegründet und voreingenommen.
KI-Text auf Grundlage von Berichten von in.gr, NewsIT, Η Ναυτεμπορική und weiteren Medien. Veröffentlicht . So entsteht er
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Kurz gefasst
Die Kommission bezeichnet das türkisch-libysche Memorandum von 2019 als null und nichtig und erklärt, es verletze die Souveränitätsrechte dritter Staaten. Das libysche Repräsentantenhaus hat es Anfang Oktober 2026 ratifiziert.
Der Bericht stellt fest, dass der 1995 von der Türkischen Nationalversammlung gebilligte Casus Belli weiterhin in Kraft ist und greift, falls Griechenland seine Hoheitsgewässer auf 12 Seemeilen ausdehnt.
In der am 4. November 2026 herausgegebenen Erklärung Nr. 212 nennt das türkische Außenministerium den Bericht voreingenommen und weist seine Feststellungen zu politischen Kriterien, Justiz und Grundrechten zurück.
Die Kommission erklärt, die Türkei habe die Vermessungsarbeiten für den griechisch-zyprischen Stromverbund weiterhin behindert, ein Vorhaben von gemeinsamem Interesse im Sinne der TEN-E-Verordnung.
Der Bericht beziffert die Übereinstimmung der Türkei mit der EU-Außenpolitik auf 4 Prozent – das einzige Beitrittsland, das die Kommission bei diesem Maßstab als sehr gering einstuft.
- Anfang Oktober 2026Das libysche Repräsentantenhaus ratifiziert das türkisch-libysche Memorandum von 2019
- 4. November 2026, Veröffentlichung des BerichtsDer Jahresbericht der Kommission erklärt das Memorandum für null und nichtig
- 4. November 2026, wenige Stunden späterDas türkische Außenministerium weist den Bericht in der Erklärung Nr. 212 als voreingenommen zurück
Was im Kommissionsbericht steht
Die Europäische Kommission hat am Mittwoch, 4. November 2026, ihren Jahresbericht über den Beitrittspfad der Türkei im Rahmen des EU-Erweiterungspakets 2026 veröffentlicht. Der Text bezeichnet das türkisch-libysche Memorandum von 2019 über die maritimen Hoheitsgebiete als „null und nichtig“ und erklärt, es verletze die Souveränitätsrechte dritter Staaten und entspreche des Seerechtsübereinkommens nicht. Das in Bengasi ansässige libysche Repräsentantenhaus hat das Memorandum Anfang Oktober 2026 ratifiziert – ein Schritt, den der Bericht als Wiederbelebung türkischer Ansprüche im östlichen Mittelmeer wertet. Der Bericht verweist zudem auf eine gemeinsame Erklärung des Präsidenten des Europäischen Rates und der Präsidentin der Kommission, die die EU-Position bekräftigt, dass das Memorandum für dritte Staaten keine Rechtswirkung entfalten kann.
Die Abfolge der Daten reicht von der Ratifizierung Anfang Oktober über den Bericht bis zur Antwort Ankaras am selben Tag.
Casus belli, Überflüge und das Zypern-Kabel
Der Bericht stellt fest, dass der Casus Belli, den die Türkische Nationalversammlung seit 1995 gebilligt hat, weiterhin in Kraft ist und greifen würde, falls Griechenland von seinem Recht Gebrauch machte, seine Hoheitsgewässer auf 12 Seemeilen auszudehnen. Kritisiert werden außerdem türkische Forderungen nach einer Entmilitarisierung der griechischen Inseln, die Aufnahme der Doktrin der „Blauen Heimat“ in türkische Schulbücher und die Praxis militärischer Überflüge. Zum griechisch-zyprischen Stromverbund heißt es in dem Bericht, die Türkei habe die Vermessungsarbeiten weiterhin behindert, obwohl das Projekt als Vorhaben von gemeinsamem Interesse im Sinne der TEN-E-Verordnung eingestuft ist. Der Bericht hält zudem Ankaras scharfe Einwände gegen griechische Verteidigungsentscheidungen fest, darunter Patriot-Systeme auf Karpathos und auf Zypern stationierte F-16-Kampfflugzeuge, sowie seine Einwände gegen die griechische maritime Raumplanung. Zu Zypern weist die Kommission die türkische Rhetorik von einer „Zwei-Staaten-Lösung“ zurück, fordert die Rücknahme einseitiger vollendeter Tatsachen in der abgeriegelten Stadt Varosha und verurteilt neue Abkommen, die Ankara mit der nicht anerkannten Einheit im Norden Zyperns schließt.
Ankaras Antwort
Das türkische Außenministerium reagierte mit der am selben Tag, wenige Stunden nach Veröffentlichung des Berichts, herausgegebenen Erklärung Nr. 212. Das Ministerium bezeichnet den Bericht als voreingenommen und alles andere als objektiv und weist seine Ausführungen zu politischen Kriterien, zur Justiz und zu den Grundrechten zurück.
„Wir weisen die unbegründeten Behauptungen in dem Bericht zurück, insbesondere jene zu den politischen Kriterien, zur Justiz und zu den Grundrechten.“
Zum Memorandum erklärt das Ministerium, die Bezugnahmen darauf entbehrten jeder rechtlichen Grundlage, und fügt hinzu, die Position der Kommission dazu habe kein Gewicht.
„Die Bezugnahmen auf das Türkei-Libyen-Memorandum sind völlig gegenstandslos.“
Das Ministerium wirft einigen EU-Vertretern „Doppelstandards“ vor und erklärt, die EU übernehme griechische und griechisch-zyprische Positionen bedingungslos, die es als maximalistisch und völkerrechtswidrig bezeichnet. Es fügt hinzu, die EU könne keine Lösung für Zypern befördern, solange sie die Positionen der griechisch-zyprischen Seite ohne Bedingungen übernehme.
Übereinstimmung und der Beitrittspfad
Der Bericht beziffert die Übereinstimmung der Türkei mit der EU-Außenpolitik auf 4 Prozent und stellt fest, die Türkei sei das einzige Beitrittsland, bei dem diese Übereinstimmung als sehr gering eingestuft wird. Ankara begrüßte gleichwohl die Ausführungen des Berichts zur türkischen Wirtschafts- und Währungspolitik, zur Marktwirtschaft und zur Rolle des Landes bei Konnektivität, Lieferketten, Verteidigung und Sicherheit. Das Ministerium erklärt, es erwarte konkrete Schritte zur Modernisierung der Zollunion und sei bereit, die Beziehungen auf der Grundlage gegenseitigen Vertrauens, gegenseitigen Respekts und der Gerechtigkeit voranzubringen. Die Kommission wiederum merkt an, die Türkei habe die Zusammenarbeit mit der Union in den Bereichen Handel, Migration, regionale Sicherheit und Konnektivität vertieft. Sie fordert Ankara auf, der Anrufung des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag für Streitigkeiten zuzustimmen, falls erforderlich, und benennt die besetzten Gebiete in Zypern als Haupthindernis für bessere Beziehungen und für die Entblockung der Beitrittsgespräche.
Fragen zu diesem Text
Quellen und Kontext
- in.grNachricht der Kommission an Ankara: Türkisch-libysches Memorandum ist nichtig - Verurteilung von Casus Belli und Blauer HeimatΜήνυμα Κομισιόν στην Άγκυρα: "Άκυρο το τουρκολιβυκό" - Καταδίκη για casus belli και "Γαλάζια Πατρίδα" · Original auf Griechisch
- NewsITTürkei gegen Kommission zum türkisch-libyschen Memorandum: Unbegründete Behauptungen - EU übernimmt bedingungslos griechische und zypriotische PositionenΤουρκία κατά Κομισιόν για το τουρκολιβυκό μνημόνιο: "Αβάσιμοι ισχυρισμοί" - "Η ΕΕ υιοθετεί άνευ όρων τις θέσεις Ελλάδας και Κύπρου" · Original auf Griechisch
- Η ΝαυτεμπορικήAnkara: EU-Positionen zum türkisch-libyschen Memorandum sind unbegründetΆγκυρα: Αβάσιμες οι θέσεις της Ε.Ε. για το τουρκολιβυκό μνημόνιο · Original auf Griechisch
- iefimerida.grVernichtender Kommissionsbericht zur Türkei: Was er über das Kabel, das türkisch-libysche Memorandum und die Beitrittsperspektive sagtΈκθεση-καταπέλτης της Κομισιόν για την Τουρκία: Όσα αναφέρει για το καλώδιο, το τουρκολιβυκό μνημόνιο και την προοπτική ένταξης · Original auf Griechisch
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