
Luftangriff auf sudanesische Goldmine tötet mindestens 72 Bergleute – Menschenrechtsgruppe beschuldigt Ägypten
Emergency Lawyers macht die ägyptische Luftwaffe für einen Luftangriff auf ein Goldabbaugebiet im Norden des Sudan verantwortlich. Ägypten hat sich bislang nicht geäußert, und der Armeechef des Sudan hat eine Untersuchung angeordnet.
Was geschah
Emergency Lawyers, eine in Khartum ansässige Menschenrechtsbeobachterin, erklärt, ein Luftangriff habe am Samstag, dem 10. Oktober 2026, ein handwerklich betriebenes Goldabbaugebiet im Norden des Sudan getroffen und mindestens 72 Menschen getötet. Die Gruppe machte ihre Anschuldigung am Sonntag, dem 11. Oktober, öffentlich; Reuters konnte sie zunächst nicht unabhängig überprüfen. Bilder, die in sozialen Netzwerken und von lokalen Menschenrechtsgruppen verbreitet wurden und die Reuters nicht verifiziert hat, zeigen Dutzende Leichen in Trümmern und weitere in Leichentücher gehüllt. Die New York Times berichtete unter Berufung auf Menschenrechtsgruppen, drastisches Videomaterial und Augenzeugen, Kriegsflugzeuge hätten eine im Freien gelegene Mine im Bundesstaat Nahr an-Nil bombardiert, rund 25 Meilen von der Grenze zwischen Sudan und Ägypten entfernt.
- Angriff auf eine weitere Goldmine im Gebiet Jabal al-Uqaydat, den Bergleute ägyptischen Streitkräften zuschreiben
- Drohnenangriff auf ein Vertreibungslager im Bundesstaat Blauer Nil tötet nach UN-Angaben etwa 31 Menschen
- Luftangriff trifft ein handwerklich betriebenes Goldabbaugebiet nahe der Grenze zwischen Sudan und Ägypten; laut Emergency Lawyers mindestens 72 Tote
- Emergency Lawyers beschuldigt die ägyptische Luftwaffe, die sich nicht äußert
- Sudans Armeechef ordnet eine Kommission zur Untersuchung der Angriffe an
Aufnahmen aus der Zeit danach zeigten schwer verstümmelte Leichen junger Männer, verstreut zwischen Säcken mit Erz. Ein 26-jähriger Universitätsstudent, der drei Monate in der Mine gearbeitet hatte, sagte, er habe geholfen, Verletzte zu retten und Tote zu bergen.
Wir waren von Entsetzen überwältigt,
Saif Eldin Adam fügte eine zweite Beobachtung darüber hinzu, was er an der Fundstelle sah.
Es gibt keine Worte für das, was wir gesehen haben.
In derselben Woche tötete ein separater Drohnenangriff auf ein Vertreibungslager in einem von der Armee kontrollierten Gebiet des Bundesstaats Blauer Nil nach Angaben der Vereinten Nationen am Freitag, dem 9. Oktober, etwa 31 Menschen.
Opferzahlen unterscheiden sich je nach Quelle
Die Zahl von 72 Toten stammt von Emergency Lawyers und wurde in den Artikeln nicht unabhängig bestätigt. Zwei von der New York Times befragte Augenzeugen gaben die Zahl der Toten mit mindestens 65 an, dazu mehr als 120 Verletzte. Bergleute, die sich an der Fundstelle aufhielten, sagten dem Sudan Tribune, es seien etwa 200 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden, und rund 15.000 Bergleute seien anschließend in die Berge geflohen. Diese Angaben sind nicht miteinander abgeglichen, und die Zahl von 200 beruht auf der Darstellung der Bergleute selbst.
Ägyptens Schweigen und die Vorwürfe
Emergency Lawyers schrieb den Angriff der ägyptischen Luftwaffe zu, und sudanesische Medien sowie mehrere Menschenrechtsgruppen machten Ägypten dafür verantwortlich. Das ägyptische Militär äußerte sich nicht, und das ägyptische Außenministerium reagierte nicht auf eine Anfrage nach einer Stellungnahme. Abdul Kareem Al-Almin Ahmed, ein Spezialist für die Grenzangelegenheiten zwischen Ägypten und dem Sudan, sagte gegenüber Al Jazeera, die Lage setze die sudanesischen Bürger ägyptischen Übergriffen aus.
Die Präsenz der ägyptischen Grenzschutzkräfte in der Nähe der Region bei völligem Fehlen einer sudanesischen militärischen oder administrativen Präsenz hat die Sudanesen äußerst anfällig für ägyptische Verstöße und Übergriffe gemacht.
Er forderte den sudanesischen Staat auf, die Angelegenheit vor die Vereinten Nationen zu bringen. Ahmed drängte zudem auf eine sofortige physische Markierung der Grenzpunkte entlang des gesamten Grenzstreifens.
Gold, Grenze und frühere Angriffe
Gold ist zur wichtigsten Geldquelle für beide Kriegsparteien geworden, und Experten und Branchenkenner sagen, ein Großteil davon werde nach Ägypten geschmuggelt. Die Grenze wurde 1899 auf Karten entlang des 22. Breitengrads festgelegt, doch das Fehlen einer physischen Markierung hat sie zusammen mit dem Goldreichtum der Region anfällig für Streitigkeiten gemacht. Im Juni beschuldigten Bergleute ägyptische Streitkräfte eines Drohnenangriffs auf eine weitere Goldmine im Gebiet Jabal al-Uqaydat; die gemeldete Zahl der Toten lag laut Volkskrant bei 15 und laut La Libre bei 23. Die ägyptische Armee erklärte damals, sie habe eine Operation "innerhalb ägyptischen Territoriums" durchgeführt und 223 Menschen festgenommen. Guido Lanfranchi, ein Experte für das Horn von Afrika am Institut Clingendael, sagte gegenüber Volkskrant, Ägypten könne auch versuchen, illegale Bergleute zu vertreiben, damit Investoren sich offiziellen ägyptischen Minen zuwenden.
Untersuchung und wie es weitergeht
Am Montag, dem 12. Oktober, setzte der Armeechef des Sudan, Abdel Fattah al-Burhane, nach Angaben eines Kommuniqués des von ihm geleiteten Souveränitätsrats eine Kommission ein, um die Umstände des Vorfalls zu untersuchen. Der Kommission gehören Staatsanwälte, Justizbeamte und Vertreter der Sicherheitsdienste an. Das Grenzgebiet wird von den Sudanesischen Streitkräften gehalten, die Ägypten unterstützt, und die Führung des Sudan hat die tödlichen Angriffe nicht offen verurteilt. Der Krieg zwischen der Armee und den paramilitärischen Rapid Support Forces begann im April 2023, und die RSF erhalten Unterstützung aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Reuters weist darauf hin, dass der Konflikt weitere Ereignisse mit vielen Opfern erlebt hat, seit die Drohnenkriegsführung zur wichtigsten Kampfform geworden ist.


