
Gillian Anderson und Billy Crudup in Londoner Neuinszenierung von Wer hat Angst vor Virginia Woolf?
Regisseurin Marianne Elliott bringt Edward Albees Ehedrama von 1962 am @sohoplace-Theater in London auf die Bühne und inszeniert eine drei Stunden und 20 Minuten lange Produktion mit Gillian Anderson und Billy Crudup in den Hauptrollen.
Inszenierung und Bühnenbild in London
Regisseurin Marianne Elliott hat Edward Albees Ehedrama Wer hat Angst vor Virginia Woolf? von 1962 in einer neuen West-End-Produktion am @sohoplace-Theater in London auf die Bühne gebracht. Die Inszenierung zeigt die amerikanischen Schauspieler Gillian Anderson und Billy Crudup, die beide ihre Karriere am Theater begannen, in den Hauptrollen von Martha und George. Ausstatterin Miriam Buether entwarf ein Wohnzimmer im Mid-Century-Modern-Stil der 1960er Jahre, das sich während der gesamten Vorstellung langsam auf der Rundbühne dreht. Die Produktion dauert drei Stunden und 20 Minuten und rückt das Publikum in unmittelbare körperliche Nähe zu dem Paar, während sich dessen ehelicher Konflikt entfaltet. Elliott hatte zuvor am National Theatre Les Liaisons Dangereuses inszeniert, bevor sie zurückkehrte, um Albees klassischen Text über den Ehekrieg zu inszenieren.
Späte Ankunft nach dem Fakultätsempfang
Die Handlung beginnt in den frühen Morgenstunden nach einem offiziellen Fakultätsempfang, den Marthas Vater ausgerichtet hat, der Präsident des Colleges ist. Als der Geschichtsprofessor George um zwei Uhr morgens nach Hause zurückkehrt, lässt er sich in seinen Sessel sinken, bevor Martha enthüllt, dass sie zwei Gäste zu einem Absacker nach der Feier eingeladen hat. Bei den Eingeladenen handelt es sich um Nick, einen ehrgeizigen jungen Wissenschaftler aus der Biologieabteilung, gespielt von Josh Dylan, und seine naive Ehefrau Honey, dargestellt von Phoebe Horn. Das Bühnenbild stützt sich stark auf einen auffälligen Getränkewagen, während beide Paare Runde um Runde Gin und Alkohol konsumieren, was die emotionale Schärfe der Begegnung erhöht. Was als heitere Komödie schlechter gesellschaftlicher Umgangsformen beginnt, verkommt allmählich zu einer kunstvollen Abfolge von Gedankenspielen, die darauf angelegt sind, die jüngeren Gäste zu demütigen.
- George und Martha kehren nach einer Fakultätsfeier beim Universitätspräsidenten nach Hause zurück
- Nick und Honey treffen im Haus auf dem Campus zu später Stunde zum Trinken ein
- George beginnt psychologische Spiele, die die privaten Illusionen der Gäste offenlegen
- Die Konfrontation endet, als George die private Fiktion zerstört, die die Ehe aufrechterhält
Wortgefechte und psychischer Konflikt
Anderson zeigt Martha als eine erbittert kämpferische Hausfrau, die mit derber Koketterie und lautem Lachen ihren Mann provoziert, während sie Nick im Blick behält. Crudup spielt George in staubgrauer Kleidung und begegnet den Sticheleien seiner Frau mit trockenem Sarkasmus, passiver Aggression und intellektueller Herablassung. In einer ausgedehnten Sequenz hält George eine wütende Abrechnung, die Nicks wissenschaftliche Arbeit in der Genetik mit steriler Autorität und der Auslöschung menschlicher Unordnung verbindet. Er wahrt eine sardonische Distanz und tut an einer Stelle so, als lese er ein Buch, während Martha im selben Raum eine ostentative Verführung ihres Gastes versucht.
Martha, würdest du ihr zeigen, wo wir das, äh, Euphemismus aufbewahren?
Zusammenbruch der Illusionen bis zum Morgengrauen
Als die Nacht dem Morgengrauen entgegengeht, verwandeln sich die anfänglichen Spiele in methodische psychologische Kriegsführung, die darauf zielt, die privaten Schutzmauern jeder Figur aufzureißen. Nicks glattes Selbstvertrauen bricht zusammen, als er sich gemeinsam mit Honey in der zerstörerischen Dynamik des älteren Paares gefangen sieht. Marthas aggressive Fassade bekommt allmählich Risse und legt die Verletzlichkeit, den Selbsthass und die Trauer einer Frau offen, die von einer frauenfeindlichen Gesellschaft eingeengt wird. George überlistet seine Frau schließlich, indem er die privaten Fiktionen und gemeinsamen Illusionen wegräumt, die ihre Ehe aufrechterhalten haben. Die anhaltende Konfrontation endet im Morgengrauen und wandelt sich von Feindseligkeit zu einer stillen Katharsis zwischen den Gastgebern.


