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Konflikte·vor 2 Std.

Tausende marschieren in Tirana: ‚Flamingo-Revolution‘ gegen Kushners albanisches Resort geht in den elften Tag

Die bislang größte Demonstration gegen Jared Kushners Luxusresort-Projekt füllte am Mittwoch eine zentrale Prachtstraße in Tirana, während die sogenannte ‚Flamingo-Revolution‘ in ihren elften Tag ging.

Der elfte Tag der Proteste

Tausende Demonstranten versammelten sich am Mittwochabend in der albanischen Hauptstadt Tirana zur bislang größten Protestkundgebung gegen ein Luxusresort-Projekt von Jared Kushner, dem Schwiegersohn des US-Präsidenten Donald Trump. Die Menschenmenge erstreckte sich über eine halbe Meile entlang einer Hauptstraße vor dem Büro von Premierminister Edi Rama – der elfte Tag in Folge dessen, was die Teilnehmer als ‚Flamingo-Revolution‘ bezeichnen. Dies ist eine Anspielung auf das geschützte Feuchtgebiet nahe dem Baugebiet, das Flamingos, Robben und Meeresschildkröten-Nistplätze beheimatet.

Das Projekt in Zvernec ist ein Projekt ohne Transparenz. Und das ist der Höhepunkt dessen, was in Albanien in den letzten 35 Jahren passiert ist. Also heute: Genug ist genug.

Die Demonstranten hielten Schilder mit der Aufschrift ‚Albanien ist nicht zu verkaufen‘ und skandierten ‚Neues Albanien‘, während die Organisatoren die politischen Parteien warnten, sich fernzuhalten. Bei den Versammlungen waren nur Nationalflaggen und -symbole zu sehen.

Das Projekt und seine Unterstützer

Die Entwicklung ist die Idee von Kushner und seiner Frau Ivanka Trump, die sich Berichten zufolge vor einigen Jahren bei einem Besuch mit einer Yacht in Albanien verliebten. Das Projekt umfasst den Bau auf der Insel Sazan in der Adria und dem angrenzenden Küstengebiet nahe dem Dorf Zvernec, etwa 150 Kilometer südlich von Tirana. Die gemeldeten Investitionszahlen variieren je nach Quelle: Reuters nennt erwartete Kosten von rund 5 Milliarden Euro, italienische Medien berichten von 4 Milliarden Euro, während The Guardian und La Repubblica eine Summe von 1,6 Milliarden US-Dollar für den Teil auf der Insel Sazan nennen. Die katarischen Milliardärsbrüder Moutaz und Ramez Al-Khayyat sind ebenfalls an dem Vorhaben beteiligt.

Umwelt- und Transparenzbedenken

Der Widerstand konzentriert sich auf die Lage des Projekts in der Nähe eines geschützten Feuchtgebiets und auf einer ehemaligen Militärinsel sowie auf eine wahrgenommene mangelnde Transparenz im Genehmigungsverfahren. Die Spannungen eskalierten im letzten Monat, als die Entwickler einen Zaun um einen Teil des Landes nahe Zvernec errichteten; der Zaun wurde inzwischen wieder abgebaut. La Repubblica berichtet, dass die Proteste nach einem viralen Video zunahmen, das einen privaten Sicherheitsbeamten zeigt, der einen Aktivisten gewaltsam aus dem Küstengebiet zieht, wo Bagger und Zäune aufgetaucht waren.

Ramas Reaktion

Premierminister Rama, seit 2013 im Amt, weigert sich, nachzugeben. In einem Facebook-Post am Mittwoch verwies er auf jüngste Investitionen auf der griechischen Insel Mykonos als Beispiel und argumentierte, Albanien könne sich nicht gegen ausländische Investitionen stellen, während der Rest der Welt seine Tourismuswirtschaft entwickle. Er sagte Reuters Anfang dieser Woche, das Projekt werde durchgeführt und verantwortungsvoll abgeschlossen. Rama wies auch auf die Schaffung einer speziellen Staatsanwaltschaft, SPAK, als Beleg für Fortschritte gegen Korruption hin, obwohl viele Demonstranten ihm vorwerfen, die grassierende Korruption nicht auszurotten oder grundlegende Dienstleistungen wie das Gesundheitswesen zu verbessern.

Während die ganze Welt den Tourismus und die Wirtschaft entwickelt, indem sie sich an ausländischen Investitionen misst, können wir uns nicht messen, indem wir uns ihnen widersetzen. Das wäre eine Einladung zu einer kollektiven Rückwärtsbewegung, die Albanien nicht kann, nicht darf und nicht akzeptieren wird.

Breitere politische Unzufriedenheit

Obwohl der Fall Zvernec der Auslöser war, haben die Proteste tiefere Frustration über die gesamte politische Klasse Albaniens angezapft. Die Demonstranten äußerten Erschöpfung über die beiden Parteien, die die Politik des Landes dominieren. Anfang des Jahres kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen, als Demonstranten den Rücktritt von Ramas Stellvertreterin Belinda Balluku wegen angeblicher Korruption forderten. Rama entließ Balluku, aber das Misstrauen bleibt bestehen.

Ich bin hier, um zu protestieren, um diese Saga der albanischen Regierung zu beenden. Es sind immer die gleichen zwei Parteien. Wir wollen eine neue Ära, wir wollen ein besseres Land.

Schlüsselmomente in der Kontroverse um das Zvernec-Resort
  1. Entwickler errichten einen Zaun um einen Teil des Landes nahe Zvernec, was erste Proteste auslöst.
  2. Der Zaun wird nach öffentlichem Druck abgebaut.
  3. Elfter Protesttag in Folge beginnt; die Demonstrationen wachsen zur bislang größten an.
  4. Tausende marschieren in Tirana; Rama bekräftigt, dass das Projekt fortgesetzt wird.
Tirana · Zvernec

5 Quellen

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