Kurz gefasst
Am Mittwoch, 21. Oktober, ging der Daphne-Caruana-Galizia-Preis 2026 an Giacomo Zandonini und Maite Vermeulen für ihre De-Correspondent-Recherche zum Abkommen zwischen Italien und Albanien.
Die Recherche beziffert die italienischen Staatsausgaben in den ersten zwei Jahren des Programms auf 259 Millionen Euro, in denen nur 256 Menschen untergebracht waren.
Die Autoren geben an, während mehr als eines Jahres Arbeit nie eine Genehmigung für den Zutritt zu den Zentren erhalten zu haben; 70 Dokumente erhielten sie aus den Niederlanden.
- Oktober 2024Die Arbeit an der Recherche beginnt, kurz nachdem die ersten Menschen in die italienischen Zentren in Albanien gebracht wurden
- 4.05.Beginn der Einsendefrist für den Daphne-Caruana-Galizia-Preis 2026
- 31.07.Ende der Einsendefrist für den Preis 2026
- 21.10.Preisverleihung im Europäischen Parlament in Straßburg
Die Auszeichnung
Der Daphne-Caruana-Galizia-Preis für Journalismus des Europäischen Parlaments 2026 wurde am Mittwoch, 21. Oktober, an eine Recherche über das Abkommen vergeben, mit dem Italien auf albanischem Staatsgebiet ein Abschiebezentrum und ein Asylverfahrenszentrum errichtet hat. Die Autoren sind Giacomo Zandonini aus Italien und Maite Vermeulen aus den Niederlanden; der Beitrag erschien auf der niederländischen Plattform De Correspondent. Ein Vertreter einer unabhängigen Jury aus Journalistinnen und Journalisten aller EU-Mitgliedstaaten überreichte den Preis bei einer Zeremonie im Daphne-Caruana-Galizia-Pressesaal des Parlaments in Straßburg. An der Veranstaltung nahmen Parlamentspräsidentin Roberta Metsola und Vizepräsidentin Pina Picierno teil, die für den Preis zuständig ist.
Wie das Feld eingegrenzt wurde
Zwischen dem 4. Mai und dem 31. Juli 2026 reichten Hunderte Journalistinnen und Journalisten aus den 27 EU-Ländern ihre Arbeiten ein. Die Jury wählte aus 344 Einsendungen zehn Finalisten aus, bevor sie die Preisträger bestimmte.
- Eingegangene Einsendungen
- 344
- Ausgewählte Finalisten
- 10
Daten aus dem Artikeltext
Was die Recherche ergab
Die Autorinnen und Autoren untersuchten mehr als 18 Monate lang, wie das Abkommen darauf ausgelegt war, Menschen abzufangen, die irregular nach Italien einreisen wollten, und sie nach Albanien zu bringen, ein Land außerhalb der EU. Dort wurden ihre Asylanträge in beschleunigten Verfahren abgelehnt und die Menschen in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt. Die Recherche beziffert die italienischen Staatsausgaben in den ersten zwei Jahren des Programms auf 259 Millionen Euro, in denen nur 256 Menschen untergebracht waren. Die Belegung blieb niedrig, weil italienische Gerichte die Haft wiederholt nicht bestätigten, sodass die Migranten nach Italien zurückgebracht werden mussten. Das ursprüngliche Konzept betraf Männer, die auf See gerettet wurden und aus Ländern stammten, die Italien als sicher eingestuft hatte, vor allem Bangladesch und Ägypten; Richter stellten diese Einstufungen infrage.
Die wichtigsten Daten
Die Arbeit begann im Oktober 2024, kurz nachdem die ersten Menschen in die Zentren gebracht worden waren; der Bericht wurde später im Januar veröffentlicht. Die Einsendefrist für den Preis begann am 4. Mai 2026 und endete am 31. Juli 2026, vor der Preisverleihung am 21. Oktober 2026.
Zugang und Transparenz
Die Autoren geben an, während mehr als eines Jahres Arbeit nie eine Genehmigung für den Zutritt zu den Zentren erhalten zu haben. Anfragen an die italienische Regierung, das Innenministerium und die Präfekturen brachten kaum Antworten, und gegen einige abschlägige Bescheide wurde im Wege der Nachprüfung vorgegangen. Nützlicher erwiesen sich Dokumente aus den Niederlanden, darunter 70 Unterlagen wie E-Mails über Treffen, Einschätzungen und den Austausch zum Italien-Albanien-Abkommen. Zandonini beschrieb die größte Schwierigkeit in klaren Worten.
„Das größte Hindernis war der Zugang zu Informationen.“
Zandonini sagte, die italienische Seite sei bei den Finanzdaten sowie bei den Bedingungen und der Zahl der untergebrachten Menschen deutlich weniger transparent gewesen. Die italienische und die albanische Regierung lehnten eine Stellungnahme zu den von den Autoren erhobenen Daten ab.
Reaktionen
Vermeulen sagte gegenüber ANSA, solche Vereinbarungen mit Drittstaaten brächten Menschenrechtsrisiken, hohe Kosten und wenig Ergebnisse mit sich. Sie sagte, die Schaffung solcher Einrichtungen außerhalb der EU sei unter europäischen Regierungen nahezu gängige Praxis geworden, und wies darauf hin, dass die niederländische Regierung mit Ruanda verhandelt. Sie hofft, dass der Preis und die Recherche als Warnung für Regierungen dienen, die solche Deals beschleunigen. Die italienische Europaabgeordnete Cecilia Strada von der Partito Democratico, die die Zentren während siebentägiger Besuche über zwei Jahre hinweg besucht hat, nannte die Auszeichnung ein wichtiges Signal und sagte, die Recherche lege offen, was die Regierung lieber vor der Öffentlichkeit verberge.
Die Erklärung des Parlaments
Daphne Caruana Galizia, eine maltesische Journalistin, wurde 2017 bei einem Autobombenanschlag getötet, nachdem sie Korruption aufgedeckt hatte; der Preis ehrt ihr Werk. In der vom Parlament veröffentlichten Erklärung formulierte Metsola es direkt.
„Diejenigen, die sie zum Schweigen bringen wollten, sind gescheitert.“