
Polens ABW nimmt elf Personen wegen russisch finanzierter Anwerbung ukrainischer Flüchtlinge für bezahlte Proteste fest
Die polnische Inlandsgeheimdienstbehörde ABW hat gemeinsam mit dem Grenzschutz in fünf Städten neun ukrainische und zwei belarussische Staatsangehörige festgenommen. Sie werden beschuldigt, ukrainische Flüchtlinge angeworben und bezahlt zu haben, um an Demonstrationen teilzunehmen, die von Russland inspiriert und finanziert wurden.
Die Festnahmen und die sofortigen Ausweisungen
Am 29. Juni 2026 gab der polnische Koordinationsminister der Geheimdienste, Tomasz Siemoniak, bekannt, dass Beamte des Inlandsgeheimdienstes (ABW) und des Grenzschutzes in Warschau, Breslau, Krakau, Zakopane und Bromberg elf ausländische Staatsangehörige festgenommen haben. Neun von ihnen sind ukrainische Staatsbürger (fünf Männer und vier Frauen), zwei sind belarussische Männer. Alle werden umgehend von polnischem Hoheitsgebiet ausgewiesen. Alter oder Identität wurden nicht veröffentlicht, und der Minister machte keine Angaben dazu, ob Strafanzeige erstattet wurde.
Seit Herbst 2025 haben diese Personen Teilnehmer für Demonstrationen angeworben und bezahlt, die unter ukrainischen Flüchtlingen in Polen organisiert wurden.
Russische Inspiration und Finanzierung
Nach Angaben der ABW hatten die Festgenommenen Verbindungen nach Russland und Belarus. Die zur Bezahlung der Demonstranten verwendeten Gelder stammten aus der Russischen Föderation. Die Operation wird als Versuch beschrieben, ukrainische Migranten in Polen zu beeinflussen. Die Stellungnahme des Dienstes nannte es «ein Beispiel für Handlungen unterhalb der Schwelle klassischer Aggression, deren Ziel es ist, das gesellschaftliche Vertrauen zu untergraben, Spannungen anzuheizen und Menschen, die vor dem Krieg fliehen, als Werkzeuge einer russischen Einflussnahme-Operation zu missbrauchen.»
Mechanismus der Einflusskampagne
Die Gruppe war mindestens seit Herbst 2025 aktiv und rekrutierte Teilnehmer aus der ukrainischen Flüchtlingsgemeinschaft. Die Demonstranten wurden dafür bezahlt, an Kundgebungen teilzunehmen, die so gestaltet waren, dass sie wie von Ukrainern selbst organisiert aussahen. Diese richteten sich vor allem gegen die ukrainischen Behörden und die ukrainische Korruption. Einige Versammlungen beinhalteten auch Unterstützungsbekundungen für Donald Trump. Die ABW betonte, dass die Organisatoren emotional aufgeladene Themen – darunter Korruptionsskandale und aktuelle Ereignisse in der Innenpolitik der Ukraine – nutzten, um Teilnehmer anzuziehen und die politische Botschaft der Gemeinschaft allmählich zu formen.
Die Protestteilnehmer erhielten eine Bezahlung für ihre Beteiligung, und die Gelder – nach Kenntnis der ABW – stammten aus der Russischen Föderation.
Warnung des ukrainischen Konsulats
Der prominenteste Protest fand im April 2026 in Breslau statt. Vor dessen Durchführung veröffentlichte das Generalkonsulat der Ukraine in Breslau auf Facebook eine Warnung vor einer möglichen Provokation. Es wies darauf hin, dass eine als Initiative der ukrainischen Gemeinschaft präsentierte Veranstaltung ein ganz anderes Ziel verfolgen könnte: Spannungen in der polnischen Gesellschaft gegenüber Ukrainern zu erzeugen. Die ABW hat nicht bestätigt, ob einer der Festgenommenen diese spezielle Versammlung organisiert hat, sondern lediglich, dass mehrere der Festgenommenen in Breslau wohnten.
Weiterer Kontext
Der polnische Spionageabwehrdienst bewertete die Operation als Teil eines Musters hybrider Aktionen unterhalb der Schwelle klassischer militärischer Aggression, bei der Flüchtlinge ausgenutzt werden, um Spaltung zu säen. Die sofortige Ausweisung aller elf Personen signalisiert die Bereitschaft Warschaus, solchen verdeckten Operationen ohne langes Gerichtsverfahren entgegenzutreten, auch wenn die Behörden keine Details über die Rekrutierungskette oder die genauen gezahlten Beträge preisgaben.

