
Pariser Tierschutzorganisation rettet 75 Katzen und findet tote Kätzchen im Gefrierschrank bei Räumung einer Sozialwohnung
Die Tierschutzorganisation YouCare griff ein, nachdem die Polizei einen Mieter aus einer 50-Quadratmeter-Wohnung im 15. Arrondissement geräumt hatte und dabei 75 verwahrloste Katzen sowie gefrorene Kätzchen entdeckte.
Räumung und Entdeckung im 15. Arrondissement
Während einer gerichtlich angeordneten Räumung einer Sozialwohnung im 15. Arrondissement von Paris forderten die örtliche Polizei und ein Gerichtsvollzieher dringend die Intervention der Tierschutzorganisation YouCare an. Am Donnerstag betraten Freiwillige die 50-Quadratmeter-Wohnung und entdeckten 75 verwahrloste Katzen, die in extremer Enge lebten. Die Wohnung befand sich in einem stark heruntergekommenen Zustand und roch intensiv nach Urin, was seit langem zu Beschwerden der Nachbarn geführt hatte. Die Einsatzkräfte fanden zudem tote Kätzchen im Gefrierfach der Küche. Mehrere überlebende Katzen litten unter akuten Gesundheitsproblemen und mussten sofort in eine tierärztliche Notfallklinik gebracht werden.
Zuchtbedingungen und Grenzen der Unterbringungskapazitäten
Keine der Katzen in der Wohnung war kastriert oder sterilisiert, was zu ständiger Fortpflanzung in zahlreichen Würfen auf engstem Raum führte. YouCare schätzte, dass in der Wohnung jeden Monat Dutzende Kätzchen an unbehandelten Krankheiten und Vernachlässigung starben, und nur vier in der Wohnung geborene Kätzchen überlebten. Das Ausmaß des Fundes überforderte die regionalen Tierheimkapazitäten, sodass die Tierschutzorganisation nicht alle Tiere gleichzeitig evakuieren konnte. Die Retter evakuierten ab dem 10. September 45 Katzen, während etwa 30 Katzen vorübergehend in der Sozialwohnung blieben. Tägliche Freiwilligenteams besuchen die Wohnung, um Futter, Wasser und grundlegende Pflege zu gewährleisten, bis weitere Unterbringungsplätze verfügbar sind.
- Gerettet seit 10. September
- 45 Katzen
- Vorübergehend in der Wohnung verblieben
- 30 Katzen
Diagnose Tierhortung und rechtliche Schritte
YouCare-Präsident Thomas Moreau klassifizierte die Situation als Fall von Tierhortung, in Frankreich oft als Noah-Syndrom nach der biblischen Figur bezeichnet. Die psychische Störung treibt Menschen dazu, große Mengen von Haustieren in beengten Wohnräumen zu sammeln, ohne die notwendige Nahrung, Hygiene oder medizinische Versorgung zu gewährleisten. Während der biblische Noah ein Paar jeder Art auf sein Schiff nahm, sammeln Menschen mit dieser Störung Dutzende von Tieren in unkontrollierbarer Anzahl. Das Phänomen ist auch Gegenstand einer deutschen Studie unter der Leitung des Tierschutzbundes, die durch Interviews mit betroffenen Haltern die Ursachen von Tierhortung untersucht. YouCare dokumentierte die Wohnungszustände, veröffentlichte Aufnahmen des Einsatzes in den sozialen Medien und reichte eine Strafanzeige wegen Tierquälerei ein. Der geräumte Mieter bestritt alle Vorwürfe der Misshandlung und forderte die Rückgabe der Katzen.
Im Gefrierschrank wurden auch tote Kätzchen gefunden.
Finanzierung der Rehabilitation und frühere Pariser Hortungsfälle
Zur Unterstützung der medizinischen Behandlung, Impfung und Unterbringungskosten startete YouCare einen öffentlichen Spendenaufruf und schätzte die durchschnittlichen Kosten auf 500 Euro pro Katze. Die Spendenaktion erreichte ihr Ziel von 21.000 Euro nach breiter Berichterstattung in französischen und internationalen Nachrichtenmedien. Der Einsatz folgt auf einen früheren Hortungsfall, den YouCare im 20. Arrondissement von Paris bearbeitete, wo die Behörden mit 30 Tieren rechneten, aber 103 lebende Katzen und eine tote Katze aus einer mit Müll gefüllten Wohnung bargen. Das im Februar festgestellte Diogenes-Syndrom ist eine Erkrankung, die durch extreme Selbstvernachlässigung, Hortung von Hausmüll und starken sozialen Rückzug gekennzeichnet ist. Im Februar 2026 verurteilte ein Pariser Gericht die damalige Bewohnerin zu 4.530 Euro Geldstrafe und Schadensersatz sowie einem dreijährigen Tierhalteverbot. Nach diesem Urteil bezeichnete Moreau das gerichtliche Ergebnis als Sieg mit bitterem Beigeschmack und forderte lebenslange Tierhalteverbote in schweren Vernachlässigungsfällen.
- 20. Arrondissement (Februar 2026)
- 103 Katzen
- 15. Arrondissement (September 2026)
- 75 Katzen


