Dänemarks Regierungskoalition hat bei der Parlamentswahl einen deutlichen Rückschlag erlitten. Nach Nachwahlbefragungen fielen die Sozialdemokraten von Ministerpräsidentin Mette Frederiksen auf 19,2 Prozent und damit auf ihr schwächstes Ergebnis seit 1901. Weder das linke noch das rechte Lager kommt demnach im 179 Sitze umfassenden Folketing aus eigener Kraft auf eine absolute Mehrheit, sodass dem Land schwierige Koalitionsverhandlungen bevorstehen.

Sozialdemokraten brechen deutlich ein

Die Partei von Mette Frederiksen kommt laut Nachwahlbefragungen auf 19,2 Prozent nach 27,5 Prozent im Jahr 2022 und verzeichnet damit ihr schwächstes Ergebnis seit 1901.

Keine absolute Mehrheit für eines der Lager

Weder der rote noch der blaue Block erreicht im 179 Sitze umfassenden Folketing die Schwelle von 90 Sitzen. Damit dürfte eine komplizierte Regierungsbildung bevorstehen.

Moderaten werden zum möglichen Mehrheitsbeschaffer

Die Moderaten von Lars Løkke Rasmussen werden bei 8,2 Prozent und 14 Sitzen gesehen. Da auch ein links-grünes Bündnis keine eigene Mehrheit hätte, könnte die Partei eine Schlüsselrolle spielen.

Venstre historisch schwach, SF und Liberal Alliance legen zu

Venstre bleibt unter 10 Prozent und erzielt ihr schlechtestes Ergebnis. SF kommt auf etwa 12 Prozent, die Liberal Alliance auf 10,5 Prozent.

Grönland-Frage prägt den Wahlkampf mit

Äußerungen von Donald Trump zu Grönland verliehen der Wahl eine außenpolitische Note. Zugleich spielten Inflation, Wohlfahrtsstaat und Umweltfragen eine zentrale Rolle.

Dänemarks Regierungskoalition hat bei der Parlamentswahl am Dienstag einen deutlichen Rückschlag erlitten. Nach Nachwahlbefragungen verzeichneten die Sozialdemokraten von Ministerpräsidentin Mette Frederiksen ihr schwächstes Ergebnis seit 1901, und weder das linke noch das rechte Lager erreichte im 179 Sitze umfassenden Folketing eine absolute Mehrheit. Nach den bei Schließung der Wahllokale von den dänischen öffentlich-rechtlichen Sendern DR und TV2 veröffentlichten Nachwahlbefragungen kamen die Sozialdemokraten auf rund 19,2 Prozent der Stimmen. 2022 hatten sie noch 27,5 Prozent erreicht. Alle drei Parteien der scheidenden Koalition — die Sozialdemokraten, die rechtsliberale Venstre und die zentristischen Moderaten — verloren im Vergleich zur vorigen Wahl. Rund 4,3 Millionen Dänen waren wahlberechtigt. Ein vorläufiges Endergebnis wurde in der Wahlnacht erwartet. Das Ergebnis stellt das Land vor eine komplizierte und möglicherweise längere Regierungsbildung.

Seit 2022 wird Dänemark von einer breiten, lagerübergreifenden Koalition regiert, in der die Sozialdemokraten, die rechtsliberale Venstre und die zentristischen Moderaten zusammenarbeiten — eine ungewöhnliche Konstellation, die die traditionelle Trennlinie zwischen dem „roten“ linken Lager und dem „blauen“ rechten Lager überbrückte. Mette Frederiksen führt die dänische Regierung seit 2019 und die Sozialdemokraten seit 2015. Lars Løkke Rasmussen, Vorsitzender der Moderaten, war zuvor in zwei nicht aufeinanderfolgenden Amtszeiten Ministerpräsident Dänemarks und außerdem Vorsitzender von Venstre. Das Folketing vergibt vier Sitze an die autonomen Gebiete Grönland und die Färöer-Inseln — jeweils zwei. Diese spielten historisch meist nur eine Nebenrolle, können bei knappen Wahlen aber ausschlaggebend werden.

Keines der Lager erreicht die Schwelle von 90 Sitzen für eine Mehrheit Die Nachwahlbefragungen von DR und TV2 sahen den linken „roten Block“ bei 83 bis 86 Sitzen, während der rechte „blaue Block“ auf 75 bis 78 Sitze kam. Damit blieb die Marke von 90 (seats) — Sitzen, die für eine absolute Mehrheit im Folketing erforderlich sind, für beide Seiten außer Reichweite. Den Moderaten unter Außenminister Lars Løkke Rasmussen wurden rund 8,2 Prozent der Stimmen und damit 14 Sitze prognostiziert. Die Partei steht damit außerhalb der beiden formalen Lager. Weil auch ein klassisches links-grünes Bündnis allein keine Mehrheit erreichen würde, gelten die Moderaten als wahrscheinlicher Mehrheitsbeschaffer bei jeder Regierungsbildung. Frederiksen hielt die Frage ihrer Koalitionspräferenzen im Wahlkampf bewusst offen. Sie sagte, sie könne sich sowohl eine linke Minderheitsregierung als auch eine erneute breite Koalition der Mitte vorstellen. Angesichts der knappen Abstände könnten auch die vier Sitze aus Grönland und den Färöer-Inseln entscheidend werden.

Venstre mit historisch schlechtem Ergebnis, SF rückt auf Platz zwei vor Venstre unter Vize-Ministerpräsident und Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen blieb den Nachwahlbefragungen zufolge unter 10 Prozent und erzielte damit das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte. Die Sozialistische Volkspartei, kurz SF, wurde mit rund 12 Prozent zur zweitstärksten Kraft. Der Zugewinn verschiebt das Kräfteverhältnis innerhalb des linken Lagers deutlich. Im rechten Lager legte die Liberal Alliance unter Alex Vanopslagh auf 10,5 Prozent zu und gehörte damit auf der blauen Seite zu den auffälligsten Gewinnern des Abends. Auch die Dänische Volkspartei, eine rechtspopulistische Partei, stand im Wahlkampf mit Forderungen nach einer schärferen Migrationspolitik im Mittelpunkt und soll nach ersten Zahlen stärker abgeschnitten haben, genaue Angaben lagen zunächst aber noch nicht vor. Insgesamt zeigte sich der blaue Block zersplittert. Analysten verwiesen darauf, wie schwierig es wäre, eine rechte Regierung zu bilden, die Parteien von der äußersten Rechten bis zu zentristischen Kräften zusammenführen müsste.

„Es ist schwer, sich eine rechte Regierung vorzustellen, weil sie ein sehr breites Spektrum von der äußersten Rechten bis zu eher zentristischen Parteien zusammenbringen müsste, die mit der extremen Rechten nicht besonders gut auskommen.” — Ole Waever via Courrier international

Spannungen um Grönland und innenpolitische Sorgen prägten den Wahlkampf Die Wahl fand vor dem Hintergrund wiederholter Äußerungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, zu Grönland statt. Damit erhielt eine Abstimmung, die in der Regel vor allem von innenpolitischen Themen geprägt ist, eine ungewöhnliche außenpolitische Dimension. Frederiksen, die einen Teil des Wahltags im nordjütländischen Aalborg mit in Dänemark lebenden Grönländern verbrachte, wurde von der Politikanalystin Elisabet Svane von der Zeitung Politiken als eine Figur beschrieben, die Menschen in einem Klima der Unsicherheit zusammenführe. In Nuuk, der Hauptstadt Grönlands, bildeten sich bereits mit Öffnung der Wahllokale Warteschlangen. Grönlands Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen bezeichnete die Abstimmung gegenüber AFP als „die wichtigste Wahl für das dänische Parlament und für Grönland in der Geschichte“. Im Wahlkampf dominierten daneben auch innenpolitische Themen, darunter die Inflation, der Wohlfahrtsstaat sowie hohe Nitratwerte im Wasser und in der Landwirtschaft. Die Sozialdemokraten rückten im Wahlkampf nach links und forderten die Wiedereinführung einer Vermögensteuer für die reichsten 0,5 Prozent der Dänen sowie die Rückkehr des gesetzlichen Feiertags „Großer Gebetstag“. Frederiksens eigene Regierung hatte diesen Feiertag abgeschafft, um zusätzliche Steuereinnahmen für die Wiederaufrüstung zu erzielen — ein Schritt, der sich als ausgesprochen unpopulär erwies.

„Sie ist eine Figur, die Menschen in einer Welt voller Unsicherheit zusammenbringt, und die Dänen sind besorgt, da sind Grönland, die Ukraine, die Drohnen.” — Elisabet Svane via Courrier international

Mentioned People

  • Mette Frederiksen — premier Danii od 2019 roku i liderka socjaldemokratów od 2015 roku
  • Lars Løkke Rasmussen — minister spraw zagranicznych i lider Moderatów od 2022 roku
  • Troels Lund Poulsen — wicepremier Danii i lider Venstre, pełni także funkcję ministra obrony
  • Alex Vanopslagh — poseł do Folketingu i lider partii Liberal Alliance
  • Donald Trump — 47. prezydent Stanów Zjednoczonych

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