Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den US-israelischen Krieg gegen Iran ungewöhnlich deutlich kritisiert. Bei einem Festakt zum 75. Jahrestag der Wiedererrichtung des Auswärtigen Amts in Berlin sprach er von einem Verstoß gegen das Völkerrecht und einem politisch folgenreichen Fehler. Zugleich warnte er vor einem dauerhaften Bruch im Verhältnis zu Washington.

Steinmeier nennt Krieg völkerrechtswidrig

Der Bundespräsident bezeichnete den US-israelischen Krieg gegen Iran als Völkerrechtsbruch und als politisch schweren Fehler.

Offene Differenz zu Friedrich Merz

Während Steinmeier die Rechtswidrigkeit klar benannte, vermied Kanzler Merz eine entsprechende Einstufung bislang.

Warnung vor tiefem Bruch mit den USA

Steinmeier sieht die transatlantischen Beziehungen an einem Punkt, hinter den es aus seiner Sicht kein Zurück mehr gibt.

Europa soll Abhängigkeiten verringern

Deutschland und Europa müssten aus früheren Abhängigkeiten lernen und bei Verteidigung, Technologie und Infrastruktur eigenständiger werden.

China liegt 2025 im Handel vor den USA

In den ersten acht Monaten 2025 war China wieder Deutschlands größter Handelspartner, während Zölle die Exporte in die USA belasteten.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den US-israelischen Krieg gegen Iran am Dienstag als „Völkerrechtsbruch“ und als „politisch desaströsen Fehler“ bezeichnet. Die ungewöhnlich scharfe Kritik an der Militärkampagne äußerte er bei einem Festakt in Berlin zum 75. Jahrestag der Wiedererrichtung des Auswärtigen Amts. Steinmeier, dessen Amt als Bundespräsident weitgehend repräsentativ ist, sagte, es handele sich um „einen vermeidbaren und unnötigen Krieg, wenn sein Ziel gewesen sein sollte, Iran auf dem Weg zur Atombombe zu stoppen“. Die Begründung der USA, ein unmittelbar bevorstehender iranischer Angriff auf die Vereinigten Staaten habe gedroht, trage aus seiner Sicht nicht. Mit dieser Rede setzte sich Steinmeier deutlich von Bundeskanzler Friedrich Merz ab. Dieser hat die iranische Führung kritisiert und gesagt, Deutschland hätte von dem Krieg abgeraten, vermied es bislang aber, die Militärkampagne ausdrücklich als völkerrechtswidrig zu bezeichnen. Steinmeier, früherer Außenminister und Mitglied der Mitte-links-Partei SPD, sprach vor Diplomaten und Regierungsvertretern. Das verlieh seinen Äußerungen im deutschen politischen Kontext zusätzliches Gewicht.

Steinmeier warnt vor dauerhaftem Bruch mit Washington Steinmeier erklärte, die transatlantischen Beziehungen hätten eine Schwelle überschritten, hinter die es kein Zurück mehr gebe. Er zog dabei einen direkten Vergleich zum russischen Großangriff auf die Ukraine. „So wie ich glaube, dass es in den Beziehungen zu Russland keine Rückkehr mehr geben wird zu der Zeit vor dem 24. Februar 2022, so glaube ich auch, dass es in den transatlantischen Beziehungen keine Rückkehr mehr geben wird zu der Zeit vor dem 20. Januar 2025.” — Frank-Walter Steinmeier via Deutsche Welle Der Bruch mit den Vereinigten Staaten sei „zu tief“, sagte er. Das Vertrauen in die amerikanische Machtpolitik sei verloren gegangen, nicht nur bei Verbündeten, sondern weltweit. Steinmeier argumentierte, Deutschland müsse aus seiner übermäßigen Abhängigkeit von Russland dieselben Lehren ziehen und diese nun auch auf die Vereinigten Staaten übertragen, besonders in den Bereichen Verteidigung und Technologie. Im Umgang mit der gegenwärtigen US-Regierung warb er für Pragmatismus. Zugleich dürfe Deutschland bei den eigenen Grundsätzen keine Abstriche machen und das Völkerrecht nicht preisgeben. „Der Bruch ist zu tief und das Vertrauen in die amerikanische Machtpolitik ist verloren gegangen, nicht nur unter unseren Verbündeten, sondern... weltweit.” — Frank-Walter Steinmeier via ANSA Die Europäische Union, die auf Recht und Regeln gegründet sei, werde auseinanderfallen, wenn sie sich das Weltbild des blanken Rechts des Stärkeren zu eigen mache, fügte er hinzu.

Schweigen der Regierung Merz zur Rechtslage ruft Widerspruch hervor Steinmeiers Rede machte die erkennbare Differenz zwischen dem Staatsoberhaupt und dem Regierungschef in der Frage des rechtlichen Status des Krieges sichtbar. Bundeskanzler Friedrich Merz hat die iranische Führung öffentlich kritisiert und für mehrere Ziele der US-israelischen Kampagne Verständnis erkennen lassen. Er lehnte es jedoch wiederholt ab, auf die Frage zu antworten, ob der Krieg einen Verstoß gegen das Völkerrecht darstellt. Steinmeier griff dieses Schweigen direkt auf. „Unsere Außenpolitik wird nicht dadurch überzeugender, dass wir einen Völkerrechtsbruch nicht Völkerrechtsbruch nennen.” — Frank-Walter Steinmeier via Deutsche Welle Er verwies darauf, dass Deutschland schon während des Gaza-Kriegs vor dieser Frage gestanden habe und sich ihr nun auch im Zusammenhang mit Iran erneut stellen müsse. Steinmeier erinnerte daran, dass er persönlich an den Verhandlungen über das internationale Atomabkommen von 2015 mit Iran beteiligt gewesen sei. Damals sei Iran so weit wie nie zuvor vom Erwerb einer Atomwaffe entfernt gewesen. Trump sei in seiner ersten Amtszeit aus dem Abkommen ausgestiegen und führe nun in seiner zweiten Amtszeit Krieg, obwohl sich nach Steinmeiers Einschätzung keine konkrete Bedrohung der Vereinigten Staaten durch Iran verwirklicht habe. Außenminister Johann Wadephul räumte bei derselben Veranstaltung ein, dass sich die transatlantischen Beziehungen tiefgreifend veränderten. Die europäische Sicherheit, die er als der schwersten Bedrohung seit 75 Jahren ausgesetzt beschrieb, habe oberste Priorität. Zugleich mahnte er, die historische Rolle der Vereinigten Staaten bei der Befreiung Deutschlands und der Ermöglichung der Wiedervereinigung nicht zu vergessen.

China verdrängt die USA 2025 als wichtigsten Handelspartner Deutschlands Steinmeiers Forderung nach geringerer technologischer und wirtschaftlicher Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten fiel in eine Phase veränderter Handelsmuster. China löste die Vereinigten Staaten in den ersten acht Monaten des Jahres 2025 als größten Handelspartner Deutschlands ab, nachdem höhere Zölle die deutschen Exporte in die USA belastet hatten. 163 (billion euros) — Deutsch-amerikanisches Handelsvolumen in den ersten acht Monaten des Jahres 2025 Steinmeier verwies zudem auf den jüngsten Streit zwischen dem Pentagon und Anthropic über Sicherheitsleitplanken für künstliche Intelligenz. Das könne für Europa ein Warnsignal und womöglich auch eine Gelegenheit sein. Europa verfüge über das Talent, die Marktgröße und die ethischen Standards, um eine eigene technologische Basis aufzubauen, sagte er. Darauf solle der Kontinent aufbauen, statt bei Plattformen und digitaler Infrastruktur von den Vereinigten Staaten abhängig zu bleiben. Im diplomatischen Publikum löste es Beifall aus, als Steinmeier erklärte, das „Völkerrecht ist kein alter Handschuh, den wir abstreifen sollten, wenn andere das tun“. Er stellte Rechtsnormen damit als zentral für das Überleben mittlerer Mächte dar, die sich nicht allein auf rohe militärische oder wirtschaftliche Stärke stützen könnten.

Das Auswärtige Amt wurde am 15. März 1951 neu errichtet, als die Bundesrepublik Deutschland in der Nachkriegsordnung schrittweise wieder Souveränität gewann. Frank-Walter Steinmeier war zweimal Bundesaußenminister — zunächst unter Bundeskanzler Gerhard Schröder, später unter Bundeskanzlerin Angela Merkel —, bevor er im März 2017 Bundespräsident wurde. Im Februar 2022 wurde er für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Als einer der Architekten der deutschen Iran-Politik war Steinmeier persönlich an den Verhandlungen über das Atomabkommen von 2015 beteiligt. Der US-israelische Krieg gegen Iran, bekannt als Operation Epic Fury, begann am 28. Februar 2026 mit Angriffen, bei denen der Oberste Führer Ali Khamenei getötet wurde. Sein Sohn Mojtaba Khamenei wurde am 9. März 2026 zum Obersten Führer ernannt.

Mentioned People

  • Frank-Walter Steinmeier — 12. prezydent federalny Republiki Federalnej Niemiec
  • Donald Trump — 47. prezydent Stanów Zjednoczonych
  • Friedrich Merz — 10. kanclerz federalny Republiki Federalnej Niemiec
  • Johann Wadephul — federalny minister spraw zagranicznych Niemiec

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