UniCredit-Chef Andrea Orcel hat am Montag seinen Transformationsplan für die Commerzbank vorgestellt, der bei einer erfolgreichen Fusion einen Konzerngewinn von 21 Milliarden Euro bis 2030 in Aussicht stellt. Trotz massiver Kritik aus Berlin rechnet der Plan mit deutlichen Umsatzsteigerungen und strikten Kostensenkungen. Die Bundesregierung lehnt die feindliche Übernahme des für Deutschland systemrelevanten Instituts weiterhin entschieden ab.

21 Milliarden Euro Gewinnprognose

Die UniCredit verspricht für die fusionierte Gruppe bis 2030 einen Nettogewinn von 21 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 45 Milliarden Euro.

Kritik am Management der Commerzbank

Orcel wirft der Commerzbank eine Historie operativer Schwäche vor und fordert eine Fokussierung auf das Kerngeschäft in Deutschland und Polen.

Widerstand aus Berlin

Das Bundesfinanzministerium lehnt eine feindliche Übernahme der systemrelevanten Bank weiterhin strikt ab.

Entscheidende Hauptversammlung

Am 4. Mai 2026 soll eine außerordentliche Hauptversammlung der UniCredit den Weg für die Übernahme mittels Kapitalerhöhung ebnen.

UniCredit-Vorstandschef Andrea Orcel hat am Montag einen detaillierten Transformationsplan für die Commerzbank vorgelegt. Für den Fall einer erfolgreichen feindlichen Übernahme durch das italienische Geldhaus prognostiziert er für das kombinierte Institut bis zum Jahr 2030 einen Nettogewinn von rund 21 Milliarden Euro. Der Plan mit dem Titel „Commerzbank Unlocked“ sieht zudem Erträge von etwa 45 Milliarden Euro und Gesamtkosten von unter 14,5 Milliarden Euro für die fusionierte Gruppe vor. Orcel stellte die Strategie im Rahmen einer Telefonkonferenz vor und argumentierte, die Commerzbank sei derzeit unzureichend auf künftige Herausforderungen vorbereitet und richte ihren Fokus zu stark auf kurzfristige Ergebnisse. Die Bundesregierung reagierte umgehend und betonte erneut, dass eine feindliche Übernahme einer systemrelevanten Bank nicht akzeptabel sei.

Orcel strebt 5,1 Milliarden Euro Gewinn für Commerzbank im Alleingang an Die Strategie „Commerzbank Unlocked“ setzt für die Commerzbank als eigenständiges Unternehmen ein Gewinnziel von 5.1 (Milliarden Euro) — Nettogewinnziel der Commerzbank (Standalone) bis 2028 bis zum Jahr 2028 fest. Dieser Wert liegt um 600 Millionen Euro über der bisherigen Schätzung der UniCredit von 4,5 Milliarden Euro. In der Analyse der UniCredit wird der Commerzbank eine „Historie operativer Underperformance“ mit strukturellen Schwächen bescheinigt. Zudem wird das Auslandsgeschäft als überdimensioniert, fragmentiert, risikoreich, operativ komplex und ineffizient charakterisiert. Die italienische Bank vertritt die Ansicht, dass die Commerzbank ihre internationalen Aktivitäten reduzieren und sich stattdessen auf das Kerngeschäft in Deutschland und Polen konzentrieren sollte. Kosteneinsparungen will die UniCredit durch erhebliche Kürzungen im Management und einen Abbau von Bürokratie erreichen. Dabei sollen 60 Prozent der Einsparungen aus Sachkosten und dem Auslandsgeschäft stammen, wodurch das deutsche Inlandsgeschäft weitgehend unberührt bliebe. Die verbleibenden 40 Prozent der Einsparungen sollen primär durch den Wegfall von Führungspositionen und die Verringerung einer aus Sicht der UniCredit exzessiven Bürokratie erzielt werden.

Gewinnprognosen der UniCredit für die Commerzbank: Nettogewinnziel Commerzbank Standalone (2028) (before: 4,5 Milliarden Euro (vorherige Schätzung), after: 5,1 Milliarden Euro (revidierte Schätzung))

Nettogewinn: 21, Erträge: 45, Kosten: 14,5

Berlin nennt Vorgehen inakzeptabel und unterstützt Eigenständigkeit Das Bundesministerium der Finanzen bekräftigte gegenüber der Nachrichtenagentur ANSA seinen Widerstand gegen die Übernahme und erklärte, die Position der Regierung sei unverändert. „„Die Haltung der Bundesregierung ist bekannt und hat sich nicht geändert. Wir unterstützen die Eigenständigkeitsstrategie der Commerzbank. Eine feindliche Übernahme – insbesondere mit Blick auf eine systemrelevante Bank wie die Commerzbank – wäre inakzeptabel.“” — Sprecher des Bundesfinanzministeriums gegenüber ANSA Der Sprecher des Ministeriums lehnte eine direkte Kommentierung der spezifischen Aussagen der UniCredit ab und betonte, man kommentiere die Worte des Instituts nicht. Die Commerzbank selbst bezeichnete das Vorgehen der UniCredit bereits zuvor als feindlich und leistet seit Beginn der Annäherungsversuche Ende 2024 Widerstand. Die Ablehnung durch die Bundesregierung und das Management der Commerzbank haben Orcel bislang nicht abgeschreckt; er sieht seinen jüngsten Vorstoß als Versuch, den Stillstand zu beenden und beide Seiten an den Verhandlungstisch zu bringen.

Aktionärsabstimmung für den 4. Mai angesetzt Die UniCredit tauchte erstmals im September 2024 im Aktionärsregister der Commerzbank auf und weitete ihre Beteiligung in den Folgemonaten sukzessive aus. Mitte März 2026 startete das Institut ein formelles Gebot, um den Anteil über die Schwelle von 30 Prozent zu heben – ein Schritt, der nach deutschem Recht ein Pflichtangebot für die gesamte Übernahme auslöst. Die Commerzbank gilt nach deutscher Finanzregulierung als systemrelevante Bank, weshalb jeder Kontrollwechsel unter hoher politischer und regulatorischer Beobachtung steht. Die UniCredit beabsichtigt, auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 4. Mai 2026 die Zustimmung der Aktionäre für die erforderliche Kapitalerhöhung einzuholen – nur wenige Tage vor der regulären Hauptversammlung der Commerzbank am 20. Mai. Sollte die UniCredit die Kontrolle übernehmen, würde die Commerzbank laut Berichten der Tagesschau zunächst für 18 Monate als eigenständiges Unternehmen weitergeführt. Die italienische Bank hält derzeit einen Anteil von knapp 30 Prozent an der Commerzbank und ist damit größte Einzelaktionärin. Orcel betonte, dass der Ansatz der UniCredit auf öffentlich verfügbaren Informationen basiere und auf den Erfahrungen des eigenen internen Transformationsprogramms fuße, das seiner Aussage nach starke und nachhaltige Ergebnisse erzielt habe.

Mentioned People

  • Andrea Orcel — Włoski bankier inwestycyjny, pełniący funkcję dyrektora generalnego UniCredit

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