Die Mobilfunkanbieter Bouygues Telecom, Orange und Iliad sind am 17. April in exklusive Verhandlungen über die Übernahme des Konkurrenten SFR getreten. Das gemeinsame Angebot bewertet das Unternehmen, eine Tochtergesellschaft von Altice France, mit 20,35 Milliarden Euro. Damit könnte sich die Zahl der großen französischen Netzbetreiber von vier auf drei reduzieren.

Großübernahme in Frankreich

Bouygues, Orange und Iliad bieten gemeinsam 20,35 Milliarden Euro für SFR.

Marktkonsolidierung

Die Zahl der großen französischen Mobilfunkanbieter könnte von vier auf drei sinken.

Strategische Aufteilung

Bouygues Telecom soll mit 42 Prozent den größten Teil der SFR-Vermögenswerte übernehmen.

Bouygues Telecom, Orange und Iliad haben am Freitag, dem 17. April, exklusive Verhandlungen mit Altice France über den Erwerb von SFR aufgenommen. Patrick Drahi, der französisch-israelische Milliardär und Mehrheitseigentümer von Altice, hat das Gebot von insgesamt 20,35 Milliarden Euro angenommen. Sollte die Transaktion abgeschlossen werden, markiert dies eine Zäsur für den französischen Telekommunikationsmarkt. Die drei Käufer und Altice bestätigten in einer gemeinsamen Erklärung den Beginn der Exklusivitätsphase, die bis zum 15. Mai 2026 läuft. Altice France wies jedoch darauf hin, dass der Abschluss der Transaktion noch nicht gesichert sei.

SFR (Société française du radiotéléphone) wurde am 18. November 1987 gegründet und 2014 von Drahis Altice-Gruppe übernommen. Drahi baute sein Imperium durch eine Vielzahl fremdfinanzierter Akquisitionen in den USA, Europa und Israel auf. Europäische Telekomanbieter fordern seit Jahren eine Lockerung der Fusionsregeln. Sie argumentieren, dass große Technologie- und Streaming-Konzerne immense Bandbreiten nutzen, ohne sich an den Netzkosten zu beteiligen. Im Vergleich zu den USA oder China, wo jeweils drei große Akteure dominieren, gilt der europäische Markt als stark fragmentiert. Kartellbehörden standen Konsolidierungen bisher skeptisch gegenüber, da sie steigende Preise für Verbraucher befürchten.

Bouygues soll mit 42 Prozent den größten Anteil erhalten Die Erwerber haben bereits einen Plan zur Aufteilung der SFR-Vermögenswerte vorgelegt. Laut der Mitteilung würde Bouygues Telecom etwa 42 Prozent des Volumens übernehmen, Iliad rund 31 Prozent und Orange etwa 27 Prozent. Bouygues soll das B2B-Geschäft sowie das Mobilfunknetz in weniger dicht besiedelten Gebieten erhalten. Das Privatkundengeschäft für Mobilfunk und Breitband sowie der Kundenstamm würden unter allen drei Käufern aufgeteilt. Auch Mobilfunkfrequenzen und Infrastruktur sollen verteilt werden, wobei Anlagen in kleineren Städten und ländlichen Zonen primär an Bouygues fallen.

Bouygues Telecom: 42, Iliad (Free): 31, Orange: 27

Angebot über 17 Milliarden Euro im Oktober abgelehnt Das aktuelle Gebot liegt deutlich über einem früheren Vorstoß. Im Oktober hatten die drei Unternehmen bereits 17 Milliarden Euro geboten, was Altice France laut Berichten von Franceinfo umgehend ablehnte. Nach monatlichem Stillstand wurden die Gespräche im Januar 2026 wieder aufgenommen. Der nun akzeptierte Preis liegt um 3,35 Milliarden Euro höher als das ursprüngliche Gebot. Für Drahi ist der Verkauf von SFR ein weiterer Schritt beim Rückbau seines einst weit verzweigten Imperiums, um die hohe Verschuldung zu reduzieren, die wiederholt zu Konflikten mit Kreditgebern geführt hat.

Entwicklung des SFR-Übernahmeangebots: Angebotshöhe (before: 17 Milliarden Euro (Oktober, abgelehnt), after: 20,35 Milliarden Euro (17. April, Annahme für Exklusivgespräche)); Verhandlungsstatus (before: Sofortige Ablehnung durch Altice France, after: Exklusive Verhandlungen bis 15. Mai 2026)

Gewerkschaften warnen vor Stellenabbau Das Vorhaben stößt auf Widerstand und Besorgnis. Gewerkschaften bei SFR warnten laut Financial Times vor massivem Stellenabbau im Falle einer Fusion. Auch die französische Regierung kündigte an, den Prozess wachsam zu begleiten. Eine kartellrechtliche Genehmigung gilt als unsicher, da ein verringerter Wettbewerb oft zu höheren Preisen führt. Das Konsortium argumentiert hingegen, das Geschäft stärke die digitale Wirtschaft in Frankreich und ermögliche notwendige Investitionen in Netzstabilität, Cybersicherheit und Künstliche Intelligenz. Der Fall SFR gilt europaweit als Testlauf für die künftige Fusionspolitik der EU-Kommission.

20.35 (Milliarden Euro) — Unternehmenswert von SFR im neuen Konsortialangebot

Mentioned People

  • Patrick Drahi — Francusko-izraelski miliarder i założyciel grupy Altice

Sources: 13 articles