US-Präsident Donald Trump hat am Montag damit gedroht, Irans Stromerzeugung, Ölquellen, Kharg Island und womöglich auch alle Entsalzungsanlagen zu zerstören, falls Teheran die Straße von Hormus nicht wieder öffnet und einer Vereinbarung zur Beendigung des Krieges zustimmt. Die Warnung kam vor dem Hintergrund weiterer Spannungen an den Märkten, während aus Teheran hieß, direkte Verhandlungen mit Washington gebe es nicht.
Trump verschärft den Ton gegenüber Teheran
Der US-Präsident drohte mit Angriffen auf Stromanlagen, Ölquellen, Kharg Island und möglicherweise Entsalzungsanlagen, falls Iran nicht einlenke.
Marktreaktion fällt deutlich aus
Brent-Öl sprang kurzfristig über 116 US-Dollar je Barrel, der S&P 500 schloss rund 0,4 Prozent tiefer.
IWF und Banken warnen vor Folgeschäden
Der IWF sieht einen globalen, aber ungleich verteilten Schock, Morgan Stanley verweist auf mögliche starke Verluste bei Aktienbewertungen.
Wasserknappheit erhöht das Risiko
Die Region ist stark von Entsalzung abhängig, während Iran und mehrere Golfstaaten unter knappen Wasserressourcen leiden.
Präsident Donald Trump drohte am Montag damit, Irans Stromerzeugungsanlagen, Ölquellen, Kharg Island und möglicherweise alle Entsalzungsanlagen zu zerstören, falls Teheran die Straße von Hormus nicht wieder öffne und einer Vereinbarung zur Beendigung des Krieges zustimme, den die Vereinigten Staaten und Israel am 28. Februar 2026 begonnen hätten. Trump veröffentlichte die Warnung auf Truth Social und schrieb, wenn nicht „bald“ eine Einigung erzielt werde, würden die USA „unseren schönen ‚Aufenthalt‘ im Iran damit beenden, dass wir alle ihre Stromerzeugungsanlagen, Ölquellen und Kharg Island (und möglicherweise alle Entsalzungsanlagen!) in die Luft jagen und völlig auslöschen werden, die wir absichtlich bisher noch nicht ‚angerührt‘ haben.“ Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Baghaei, sagte daraufhin, Teheran habe über Vermittler, darunter Pakistan, Vorschläge erhalten, es habe jedoch keine direkten Verhandlungen gegeben, und es werde auch keine geben, solange die Militärkampagne andauere. Die Drohung trieb die Futures für Brent-Öl kurzzeitig über 116 (USD pro Barrel) — den am 30. März erreichten Brent-Höchstpreis, bevor sie sich bei rund 114 Dollar je Barrel einpendelten, während der S&P 500 an dem Tag um etwa 0,4 Prozent nachgab. Die widersprüchlichen Signale aus Washington — Trump sprach zugleich von „großen Fortschritten“ in den diplomatischen Gesprächen und stellte neue Zerstörungsdrohungen in den Raum — ließen Energie- und Finanzmärkte eine zweite Woche in Folge unter erhöhter Volatilität stehen.
Warnungen vor Kriegsverbrechen nach Trumps Drohung gegen Infrastruktur Rechtsexperten und Menschenrechtsforscher warnten, dass ein gezielter Angriff auf zivile Wasser- und Strominfrastruktur nach dem humanitären Völkerrecht als Kriegsverbrechen gelten könnte. Niku Jafarnia, Forscherin bei Human Rights Watch, sagte, Entsalzungsanlagen seien „oft für das Überleben der Zivilbevölkerung notwendig, und die vorsätzliche Zerstörung solcher Anlagen ist ein Kriegsverbrechen“. Robert Goldman, Jura-Professor und Fakultätsdirektor des War Crimes Research Office an der American University, bezeichnete einen solchen Befehl als „rücksichtslose Zerstörung, die klare und vorhersehbare katastrophale Folgen für die Zivilbevölkerung hätte“. Die Drohung wiegt besonders schwer angesichts der Wasserknappheit in der Region: Iranische Medien berichten, dass die Stauseen zur Versorgung Teherans nach dem fünften Jahr extremer Dürre in Folge unter 10 Prozent Kapazität liegen, und Satellitenbilder, die die Associated Press ausgewertet hat, zeigen deutlich gefüllte Reservoirs. Die israelischen Luftangriffe am 7. März auf Öllager rund um Teheran hatten bereits dichten Rauch und sauren Regen verursacht; Experten warnten, die Folgen könnten Böden und Teile der Wasserversorgung der Stadt kontaminieren. Analysten warnten zudem, die größere Gefahr liege möglicherweise nicht darin, was die USA dem Iran antun könnten, sondern darin, wie Teheran reagieren könnte — entlang der Küste des Persischen Golfs stehen Hunderte Entsalzungsanlagen, die Millionen Menschen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Katar, Kuwait, Oman und Saudi-Arabien mit Wasser versorgen.
Die arabischen Staaten am Golf gehören zu den wasserärmsten Ländern der Erde und decken den weitaus größten Teil ihrer Frischwasserversorgung über Entsalzung. Die Technik, bei der Salz durch Umkehrosmose aus Meerwasser entfernt wird, hält Städte, Industrie und Landwirtschaft in der gesamten Region am Laufen. Iran hatte seine Entsalzungskapazitäten an der Südküste bereits vor Beginn des Krieges am 28. Februar 2026 ausgebaut, doch internationale Sanktionen und Beschränkungen bei der Infrastruktur hatten das Tempo dieses Ausbaus deutlich begrenzt.
Kuwait: 90, Oman: 86, Saudi-Arabien: 70
IWF warnt vor historischem Öl-Schock, der die ärmsten Länder am härtesten trifft Der Internationale Währungsfonds warnte am Montag, der Konflikt löse einen globalen, aber asymmetrischen wirtschaftlichen Schock aus, wobei Länder mit niedrigem Einkommen wegen stark steigender Preise für Lebensmittel und Düngemittel den größten Risiken ausgesetzt seien. In einem Blogbeitrag der Chefökonomen der Institution hieß es, die Schließung der Straße von Hormus durch Iran und die Schäden an regionaler Infrastruktur hätten zu dem geführt, was die Internationale Energieagentur als die größte Störung des globalen Ölmarkts in der Geschichte bezeichnet habe. „Auch wenn der Krieg die Weltwirtschaft auf unterschiedliche Weise prägen könnte, führen alle Wege zu höheren Preisen und schwächerem Wachstum“, schrieben die IWF-Ökonomen. Der Fonds kündigte an, eine ausführlichere Bewertung in seinem World Economic Outlook zu veröffentlichen, der am 14. April während der Frühjahrestagung des IWF und der Weltbank in Washington erscheinen soll. Morgan Stanley stufte zudem globale Aktien von „übergewichten“ auf „marktnah gewichten“ herab und hob US-Staatsanleihen und Bargeld hervor. Die Bank warnte, dass die globalen Aktienbewertungen um fast 25 Prozent sinken könnten, wenn sich der Ölpreis zwischen 150 und 180 Dollar je Barrel einpendle. Die Bank teilte mit, Brent-Öl sei allein im März um 59 Prozent gestiegen, so stark wie nie in einem Monatsvergleich und stärker als während des Golfkriegs 1990.
Asiatische Währungen geraten unter Druck, weil die Region den Großteil des Hormus-Öls aufnimmt Die Volkswirtschaften im asiatisch-pazifischen Raum tragen nach Einschätzung von Rohstoffanalysten bei J.P. Morgan einen unverhältnismäßig großen Teil des Energieschocks, weil die Region etwa 80 Prozent des Öls abnimmt, das durch die Straße von Hormus verschifft wird. Die Analysten warnten, dass sich die Engpässe bis April und Mai verschärfen würden. Die Rupie in Indien, die Rupiah in Indonesien und der Peso auf den Philippinen fielen in diesem Monat allesamt auf Rekordtiefs gegenüber dem US-Dollar, auch der japanische Yen und der südkoreanische Won erreichten markante Tiefstände. Auf den Philippinen haben sich die Dieselpreise für Fahrer von Jeepneys — den dort allgegenwärtigen Minibussen — verdreifacht, in Vietnam zeichnet sich ein Mangel an Flugzeugtreibstoff ab, und südkoreanische Kosmetikunternehmen suchen fieberhaft nach Kunststoffharz für Verpackungen. US-Außenminister Marco Rubio mahnte, Washington müsse auf die „Wahrscheinlichkeit“ vorbereitet sein, dass Iran die amerikanischen diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Krieges ablehne. Der ägyptische Präsident Abdel Fattah el-Sisi wandte sich direkt an Trump und sagte, der US-Präsident sei die einzige Person, die den Konflikt stoppen könne. „Die in den Verhandlungen vorgelegten Vorschläge sind unlogisch, der amerikanischen Position in der Diplomatie kann man nicht trauen” — Esmail Baghaei via The Irish Times Die Wall Street Journal berichtete am Montagabend zudem, Trump habe seinen Beratern gesagt, er sei bereit, den Krieg gegen Iran zu beenden, ohne die sofortige Wiedereröffnung der Straße von Hormus zu verlangen. Damit kam am Ende des Handelstages eine weitere Ebene der Unsicherheit in die diplomatische Lage.
Mentioned People
- Donald Trump — 47. prezydent Stanów Zjednoczonych
- Marco Rubio — 72. sekretarz stanu Stanów Zjednoczonych i pełniący obowiązki doradcy do spraw bezpieczeństwa narodowego
- Niku Jafarnia — Badaczka w Human Rights Watch
- Esmail Baghaei — Rzecznik irańskiego Ministerstwa Spraw Zagranicznych
Sources: 48 articles
- Donald Trump issues new threat to obliterate Iran after his peace plan rejected (Irish Independent)
- Iran-US war latest: Kuwaiti oil tanker off Dubai port hit after Trump issues warning (The Independent)
- Here's What Happened in the War in the Middle East on Monday (The New York Times)
- Reopening Hormuz Is 'Easier Said Than Done,' Starmer Says (Bloomberg Business)
- New US LNG facility to gear up for exports as Iran war limits global supplies (Financial Times News)
- Iran war: How countries are responding to oil price surge (The Independent)
- Iran's allies could close second crucial sea route, with 'clear and significant' impact on UK (Sky News)
- Reeves is 'oblivious' to the Iran war cost of living crisis, blasts Kemi Badenoch (The Independent)
- UK ministers explore 'targeted' energy bill relief for those most in need (Financial Times News)
- UK's Reeves to warn G7 against unilateral trade moves during Iran war (Reuters)