CSU-Chef Markus Söder hat neun Monate vor der Wahl des Staatsoberhaupts Ilse Aigner als Nachfolgerin von Frank-Walter Steinmeier ins Spiel gebracht. Während die bayerische Landtagspräsidentin parteiübergreifend Lob erfährt, drängt Bundeskanzler Friedrich Merz auf den ursprünglich vereinbarten Zeitplan für den Herbst 2026. Der Vorstoß am Freitag löste innerhalb der Union und der Koalition eine Debatte über politische Motive und den Wahlprozess aus.
Vorstoß von Markus Söder
Der CSU-Vorsitzende unterstützt Ilse Aigner öffentlich für das Amt der Bundespräsidentin.
Widerstand beim Zeitplan
Bundeskanzler Friedrich Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil beharren auf einer Entscheidung im Herbst 2026.
Historische Chance
Aigner könnte das erste weibliche Staatsoberhaupt in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland werden.
Wahltermin 2027
Die Bundesversammlung wählt am 30. Januar 2027 den Nachfolger von Frank-Walter Steinmeier.
Die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Ilse Aigner, hat sich als profilierte Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten positioniert, nachdem CSU-Chef Markus Söder sie am Freitag öffentlich unterstützt hat. In Interviews mit dem „Münchner Merkur“ und der „tz“ erklärte Söder, er würde eine Kandidatur Aigners unterstützen. Bundeskanzler Friedrich Merz dämpfte jedoch die Erwartungen und betonte nach einem EU-Gipfel in Zypern, dass die Koalition erst im Herbst 2026 über eine Personalie entscheiden wolle. Der Vorstoß überraschte die CDU und löste Diskussionen über den Zeitpunkt und die taktischen Hintergründe der Ankündigung aus.
Merz und Klingbeil beharren auf Zeitplan im Herbst Bundeskanzler Friedrich Merz, der seit dem 6. Mai 2025 die Regierungsgeschäfte führt, reagierte zurückhaltend auf die Initiative. „Ich beabsichtige, dazu im Herbst eine Einigung mit den Parteivorsitzenden von SPD und CSU herbeizuführen. Und bis dahin nehme ich Vorschläge mit Interesse zur Kenntnis.” — Friedrich Merz via ZEIT ONLINE Merz wies darauf hin, dass die Mehrheit in der Bundesversammlung bei der Koalition aus Union und SPD liege – mit einem Vorsprung von etwa 50 Stimmen – unabhängig von den Ergebnissen der drei anstehenden Landtagswahlen im September. Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil schloss sich dem vorsichtigen Kurs an, äußerte jedoch persönliche Wertschätzung für Aigner. „Ich schätze Ilse Aigner sehr. Ich finde, es ist an der Zeit, dass es eine Frau wird. Aber ich werde heute nicht über Namen spekulieren.” — Lars Klingbeil via ZEIT ONLINE Laut Klingbeil sei vereinbart worden, einen gemeinsamen Vorschlag „zum richtigen Zeitpunkt“ zu erörtern. Der CDU-Politiker Philipp Amthor räumte gegenüber N-tv ein, dass Söder oft gute Vorschläge mache, gab jedoch zu bedenken, dass derzeit „mehrere gute Kandidaten in der Diskussion“ seien.
Aigner erfährt parteiübergreifend Zuspruch, CDU bleibt skeptisch Abseits der offiziellen Zurückhaltung der Regierungsspitze erhielt Aigner Lob aus verschiedenen politischen Lagern. Der Ehrenvorsitzende der CSU, Theo Waigel, nannte Aigner in der „Augsburger Allgemeinen“ eine „sehr gute Kandidatin“, der er zutraue, das Amt „mit Klugheit und Wärme“ auszufüllen. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) betonte im Deutschlandfunk das „sehr, sehr verbindende Wesen“ Aigners und deren hohe Anerkennung. Auch aus der SPD kamen positive Signale: Der ehemalige Bundesarbeitsminister Hubertus Heil bezeichnete Aigner im Berliner „Tagesspiegel“ als „kluge und verantwortungsbewusste Demokratin“ und geeignete Kandidatin. Sepp Müller, stellvertretender Unionsfraktionsvorsitzender, erklärte gegenüber „t-online“, Aigner vereine „genau die Qualitäten, die dieses Amt erfordert“. Intern wurde der Zeitpunkt des Vorstoßes in der CDU jedoch kritisch gesehen. Eine namentlich nicht genannte Abgeordnete bezeichnete Söders Unterstützung laut „Tagesspiegel“ als „nettes Wegloben“.
Söders Motive angesichts langjähriger Rivalität hinterfragt Der politische Hintergrund des Vorschlags ist durch eine über drei Jahrzehnte dauernde gemeinsame Geschichte geprägt. Söder und Aigner zogen zeitgleich in den bayerischen Landtag ein und konkurrierten jahrelang um die Nachfolge von Horst Seehofer als Bayerischer Ministerpräsident, wobei sich Söder letztlich durchsetzte. Aigner übernahm 2018 die repräsentative Rolle der Landtagspräsidentin. In der Union kursierten laut „Tagesspiegel“ zwei Theorien: Eine geht von echter Unterstützung aus, die andere vermutet den Versuch, eine Rivalin durch eine zu frühe Nominierung zu beschädigen – getreu der informellen Regel, dass frühzeitig genannte Kandidaten das Amt selten erreichen. Die „Frankfurter Allgemeine“ merkte an, dass Söders Umfeld früher Zweifel an Aigners rhetorischer Eignung geäußert hatte. Die Bundesversammlung wird am January 30 (2027) — Tag der Bundespräsidentenwahl zusammenkommen, um die Nachfolge von Steinmeier zu regeln, der nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten darf. Als weitere mögliche Kandidatinnen nennt RP Online Bundesbildungsministerin Karin Prien, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Annegret Kramp-Karrenbauer sowie Monika Grütters und Altkanzlerin Angela Merkel.
Das Amt des Bundespräsidenten wurde seit Gründung der Bundesrepublik im Jahr 1949 ausschließlich von Männern bekleidet. Der Sozialdemokrat Frank-Walter Steinmeier absolviert derzeit seine zweite Amtszeit und darf verfassungsgemäß nicht für eine dritte kandidieren. Die Bundesversammlung, die ausschließlich zur Wahl des Staatsoberhaupts tagt, setzt sich aus den Abgeordneten des Bundestages und einer identischen Anzahl von Wahlleuten der Landesparlamente zusammen. Die Wahl am 30. Januar 2027 bestimmt das nächste deutsche Staatsoberhaupt, eine Rolle mit vornehmlich repräsentativer und symbolischer Bedeutung.
Weg zur Bundespräsidentenwahl 2027: — ; — ; —
Mentioned People
- Ilse Aigner — Przewodnicząca Bawarskiego Parlamentu Krajowego od listopada 2018 roku
- Markus Söder — Premier Bawarii i przewodniczący CSU
- Friedrich Merz — 10. Kanclerz Republiki Federalnej Niemiec od maja 2025 roku
- Lars Klingbeil — Wicekanclerz i federalny minister finansów od maja 2025 roku
- Hubertus Heil — Poseł do Bundestagu i były federalny minister pracy
- Dorothee Bär — Federalna minister ds. badań, technologii i przestrzeni kosmicznej od maja 2025 roku
- Karin Prien — Federalna minister ds. edukacji, rodziny, seniorów, kobiet i młodzieży od maja 2025 roku
- Julia Klöckner — Przewodnicząca niemieckiego Bundestagu od marca 2025 roku
Sources: 8 articles
- Bundespräsidentin Aigner? Das steckt hinter Söders Move (Bayerischer Rundfunk)
- "Wird im Herbst entschieden": Bundespräsidentin Ilse Aigner? Merz bremst Söder-Vorstoß aus (N-tv)
- Merz bremst Söder in Debatte um Steinmeier-Nachfolge aus (Süddeutsche Zeitung)
- Merz bremst Söder in Debatte um Steinmeier-Nachfolge aus - WELT (DIE WELT)
- Erste Bundespräsidentin: Söder bringt Ilse Aigner ins Spiel - und plötzlich wackelt eine alte Regel (RP Online)
- Bundespräsidenten-Nachfolge: Merz bremst Söder in Debatte um Steinmeier-Nachfolge aus (ZEIT ONLINE)
- Viel Lob für Aigner als mögliche Bundespräsidentenkandidatin (stern.de)
- Bundespräsidenten-Nachfolge: Viel Lob für Aigner als mögliche Bundespräsidentenkandidatin (ZEIT ONLINE)
- Aigner als Bundespräsidentin?: Vielleicht will Söder sie wegloben - oder sichergehen, dass sie es nicht wird (Der Tagesspiegel)
- Markus Söder ist für Ilse Aigner als Bundespräsidentin (Frankfurter Allgemeine)