Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat am Montag die Festnahme einer 57-jährigen Deutschen in der südrussischen Stadt Pjatigorsk bekannt gegeben. Ihr wird vorgeworfen, einen Sprengstoffanschlag auf eine Einrichtung der Sicherheitsbehörden geplant zu haben. Die russischen Behörden beschuldigen den ukrainischen Geheimdienst, die Tat unter Einbeziehung eines weiteren Verdächtigen koordiniert zu haben.

Festnahme einer Deutschen

Eine 57-jährige deutsche Staatsbürgerin wurde in Pjatigorsk mit einer 1,5-kg-TNT-Bombe festgenommen.

Vorwurf der Fernsteuerung

Der FSB behauptet, die Frau sei eine unfreiwillige Attentäterin gewesen, die von ukrainischen Agenten instrumentalisiert wurde.

Polizeiskandal in Kiew

Nach einer Schießerei mit sechs Toten tritt der Chef der ukrainischen Streifenpolizei wegen Fehlverhaltens seiner Beamten zurück.

Automatisierung der Front

Die Ukraine plant, bis Mitte des Jahres die gesamte Frontlogistik auf Robotersysteme umzustellen.

Der russische FSB teilte am Montag mit, eine 57-jährige deutsche Staatsbürgerin festgenommen zu haben, die einen Rucksack mit einer selbstgebastelten Bombe nahe einer Einrichtung der Sicherheitsbehörden in Pjatigorsk mit sich geführt habe. Der FSB wirft dem ukrainischen Geheimdienst vor, den mutmaßlichen Anschlagsplan organisiert zu haben. Laut Geheimdienstberichten verfügte der Sprengsatz über eine Sprengkraft von 1.5 (kg TNT) — Sprengkraft der bei der deutschen Frau gefundenen Rucksackbombe und war mit Nägeln als Splitterladung präpariert. Die 1969 geborene Frau, deren Identität nicht veröffentlicht wurde, sei auf einem Parkplatz nahe eines Gebäudes der Sicherheitskräfte in der Region Stawropol festgesetzt worden. Ein zweiter Verdächtiger, ein 1997 geborener Staatsbürger eines nicht näher genannten zentralasiatischen Landes, wurde ebenfalls am Tatort festgenommen. Er soll beauftragt gewesen sein, den Sprengsatz per Fernzündung zu detonieren. Der FSB gab an, die Explosion durch den Einsatz elektronischer Störsender verhindert zu haben; beide Verdächtigen hätten die Tat gestanden. Reuters konnte die Angaben des FSB zunächst nicht unabhängig prüfen, während die Ukraine die Vorwürfe nicht kommentierte.

FSB behauptet, Frau sei unfreiwillige Selbstmordattentäterin gewesen Nach Darstellung des FSB sollte die deutsche Frau bei der Explosion sterben, ohne zu wissen, dass sie als unfreiwillige Selbstmordattentäterin instrumentalisiert wurde. Der zentralasiatische Verdächtige, den die russischen Behörden als Anhänger „radikaler Ideologien“ beschreiben, sei von ukrainischen Geheimdienstlern angeworben worden. Diese hätten sich dabei als Mitglieder einer in Russland verbotenen internationalen Terrororganisation ausgegeben.

„„Die Handlungen des Mannes wurden von Mitarbeitern ukrainischer Spezialdienste unter dem Deckmantel von Mitgliedern einer der in Russland verbotenen internationalen Terrororganisationen koordiniert.“” — FSB via Reuters

Der FSB behauptete zudem, die deutsche Frau sei zuvor als Finanzvermittlerin in nicht näher spezifizierten „Betrugssystemen“ tätig gewesen, bei denen es um Geldtransfers gegangen sei. Weitere Details zu diesem Vorwurf wurden nicht genannt. Das Staatsmedium TASS veröffentlichte Videoaufnahmen, die die Festnahme der Verdächtigen, eine kontrollierte Sprengung des Rucksacks und mutmaßliche Geständnisse zeigen sollen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin bestätigte, die Berichte zur Kenntnis genommen zu haben, lehnte jedoch weitere Kommentare ab. Die Vorwürfe konnten nicht unabhängig verifiziert werden, und bis zum Zeitpunkt der Bekanntgabe wurden keine Beweise vorgelegt.

Muster ukrainebezogener Terrorvorwürfe in Russland Seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022 hat der FSB wiederholt die Vereitelung angeblicher Sabotageakte und Attentate auf russischem Boden gemeldet und diese dem ukrainischen Geheimdienst zugeschrieben. Russland warf der Ukraine in der Vergangenheit bereits ohne Beweise die Zusammenarbeit mit islamistischen Gruppen vor. Nach dem Anschlag auf eine Konzerthalle nahe Moskau im Jahr 2024 mit 150 Toten behaupteten russische Offizielle zunächst, die Täter hätten im Auftrag der Ukraine gehandelt – eine Darstellung, die Kiew zurückwies und der das Bekennerschreiben des IS widersprach. Zahlreiche Personen wurden seit Kriegsbeginn unter dem Vorwurf der Sabotage für die Ukraine festgenommen.

Die jüngste Festnahme folgt einem etablierten Muster, bei dem russische Sicherheitsdienste die Vereitelung ukrainisch gesteuerter Pläne verkünden, oft begleitet von staatlichem Videomaterial ohne unabhängige Belege. Al Jazeera merkte an, dass Russland bereits in der Vergangenheit ähnliche Verbindungen zwischen der Ukraine und islamistischen Gruppen zog, ohne Dokumente vorzulegen. Laut der Agentur Interfax beschrieb der FSB den mutmaßlichen Anschlag als „gezielt für die Morgenstunden geplant, um eine möglichst hohe Opferzahl unter den Sicherheitskräften zu erreichen“. Der Zeitpunkt der Bekanntgabe – inmitten laufender Verhandlungen – erregte internationale Aufmerksamkeit, wenngleich offizielle Reaktionen westlicher Regierungen über die kurze Stellungnahme Berlins hinaus ausblieben.

Sechs Tote bei Schüssen in Kiew, Chef der Streifenpolizei tritt zurück Unabhängig davon trat der Chef der ukrainischen Streifenpolizei, Jewhen Schukow, nach einer Schießerei in Kiew zurück. Laut Bürgermeister Vitali Klitschko wurden dabei sechs Menschen getötet und acht weitere verletzt, darunter ein Kind. Videoaufnahmen zeigten Polizeibeamte, die sich vom Tatort entfernten, anstatt Zivilisten zu schützen. Schukow räumte das Fehlverhalten seiner Beamten öffentlich ein.

„„Die Polizeibeamten haben sich unprofessionell und beschämend verhalten. Als Polizisten hätten sie unseren Bürgern helfen und sie retten müssen. Aber sie haben die Situation falsch eingeschätzt und Zivilisten in Gefahr zurückgelassen.“” — Jewhen Schukow via The Independent

6 (Todesopfer) — Todesopfer bei der Schießerei in Kiew, die zum Rücktritt des Polizeichefs führte Der Rücktritt erhöht den Druck auf die ukrainischen Strafverfolgungsbehörden. Zeitgleich gab das ukrainische Verteidigungsministerium am Montag bekannt, in der ersten Jahreshälfte verstärkt Robotersysteme an der Front einsetzen zu wollen. Minister Mychajlo Fedorow formulierte dazu ein ehrgeiziges logistisches Ziel.

„„Unser Ziel ist es, dass 100 Prozent der Logistik an der Frontlinie durch Robotersysteme abgewickelt werden.“” — Mychajlo Fedorow via The Independent

Mentioned People

  • Yevhen Zhukov — Były szef Policji Patrolowej Ukrainy
  • Vitali Klitschko — Mer Kijowa od 2014 roku

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