Nur wenige Stunden nach Inkrafttreten einer zehntägigen Waffenruhe haben sich Israel und die Schiitenmiliz Libanon gegenseitig der Verletzung des Abkommens beschuldigt. Die von US-Präsident Donald Trump vermittelte Pause in den Kämpfen begann am Freitag, den 17. April 2026, um Mitternacht Ortszeit. Zuvor war es rund eineinhalb Monate lang zu einem intensiven militärischen Konflikt zwischen der israelischen Armee und der pro-iranischen Bewegung gekommen.

Brüchiger Start

Schon kurz nach Mitternacht meldeten beide Seiten Angriffe und Verstöße gegen die zehntägige Waffenruhe.

Innenpolitischer Druck

In Israel wird Ministerpräsident Netanjahu kritisiert, das Kabinett umgangen und die Hisbollah nicht vollständig besiegt zu haben.

Rückkehrbewegungen

Trotz Warnungen der Armee versuchen zahlreiche Libanesen, in ihre Heimatdörfer südlich des Litani zurückzukehren.

In der Nacht zum Freitag, den 17. April 2026, ist eine zehntägige Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon in Kraft getreten, deren Bestand jedoch bereits nach wenigen Stunden durch gegenseitige Vorwürfe gefährdet wurde. Das Abkommen, das US-Präsident Donald Trump am Donnerstag angekündigt hatte, sollte die rund eineinhalb Monate anhaltenden Kämpfe zwischen Israel und der pro-iranischen libanesischen Miliz Hisbollah unterbrechen. Die libanesische Armee teilte über den Kurznachrichtendienst X mit, sie habe eine Reihe von Verletzungen der Vereinbarung sowie israelische Aggressionen und sporadischen Beschuss mehrerer Dörfer registriert. Die Hisbollah wiederum gab bekannt, sie habe eine Gruppe israelischer Soldaten nahe der Stadt Chiam im Südlibanon angegriffen. Dies sei eine Reaktion auf israelische Verstöße. In den südlichen Vororten von Beirut, einer Hochburg der Hisbollah, war feierliches Gewehrfeuer zu hören. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten von Menschen, die in die Gebiete zurückkehrten und teils Porträts des 2024 von Israel getöteten Hisbollah-Führers Hassan Nasrallah bei sich trugen. Die libanesische Nationale Nachrichtenagentur (NNA) meldete zudem Beschuss auf Chiam und das Nachbardorf Debbine sowie eine intensive Aktivität von Drohnen in der Region. Raketensirenen in Israel zwei Stunden nach Beginn der WaffenruheWie die Times of Israel berichtete, heulten etwa zwei Stunden nach Inkrafttreten der Waffenruhe in Netu'a, einer landwirtschaftlichen Gemeinde nahe der Grenze, die Raketensirenen. Die israelische Armee erklärte, sie halte ihre Bodenpräsenz im Südlibanon aufrecht, und warnte die Bevölkerung davor, in Gebiete südlich des Litani-Flusses zurückzukehren. Trotz dieser Warnungen bildeten sich laut AFP lange Staus nördlich des Litani, da Autofahrer stundenlang darauf warteten, die einzige verbliebene Brücke in den Süden zu überqueren. Die libanesische Regierung hatte kurz vor Beginn der Ruhephase zugesagt, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um Angriffe der Hisbollah auf Israel zu unterbinden. Das US-Außenministerium betonte in einer Mitteilung parallel dazu, dass Israel sich das Recht vorbehalte, jederzeit notwendige Maßnahmen zur Selbstverteidigung zu ergreifen. Jamal Chehab, eine 61-jährige Anwohnerin in Beirut, sagte gegenüber der AFP: „Wir sind des Krieges müde und wünschen uns Sicherheit und Frieden.” — Jamal Chehab via AFPNetanjahu präsentiert Kabinett vollendete TatsachenDie Bekanntgabe der Waffenruhe durch den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu sorgte innenpolitisch umgehend für Spannungen. Einem Bericht der Tageszeitung Haaretz zufolge habe Netanjahu die Minister kurz nach Trumps Ankündigung per Telefonkonferenz informiert, ohne dabei – wie bei vergleichbaren Entscheidungen üblich – deren formelle Zustimmung einzuholen. „Die Entscheidung, die Kämpfe im Südlibanon vor einer Niederlage der Hisbollah zu beenden, wurde als vollendete Tatsache präsentiert.” — Ha'aretz via Courrier International Laut BBC sei die Ankündigung Trumps für Israel, einschließlich Teilen des Sicherheitskabinetts, überraschend gekommen. Oppositionsführer Avigdor Liberman bezeichnete die Waffenruhe als Verrat an den Bewohnern Nordisraels. Auch innerhalb von Netanjahus Likud-Partei gab es verdeckte Kritik an der Verlässlichkeit der libanesischen Regierung gegenüber der Hisbollah. Netanjahu selbst bezeichnete die Truhe als Chance auf ein historisches Friedensabkommen, betonte jedoch, vor Ort kaum Zugeständnisse machen zu wollen.Trump plant Gipfeltreffen im Weißen HausDonald Trump kündigte zudem an, ein historisches Treffen zwischen dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun und Netanjahu im Weißen Haus organisieren zu wollen. In einer Nachricht richtete er sich direkt an die Miliz: „Ich hoffe, dass sich die Hisbollah in dieser wichtigen Zeit gut verhält. Es wäre ein großer Moment für sie.” — Donald Trump via AFP Beobachter merken an, dass der zehntägige Zeitraum das Abkommen sehr fragil mache. Ob die Ruhephase für einen diplomatischen Prozess ausreicht, blieb angesichts der Vorfälle am Freitagmorgen ungewiss.

Mentioned People

  • Donald Trump — 47. prezydent Stanów Zjednoczonych
  • Benjamin Netanyahu — Premier Izraela od 2022 roku
  • Hassan Nasrallah — Zmarły lider Hezbollahu, zabity we wrześniu 2024 roku

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