Die italienische Wettbewerbsbehörde AGCM hat gegen mehrere Gesellschaften der Revolut-Gruppe Bußgelder in Höhe von insgesamt 11,5 Millionen Euro verhängt. Grund dafür sind unlautere Geschäftspraktiken, die von irreführender Anlage-Werbung bis hin zu aggressiven Kontosperrungen reichen. Die Behörde kritisiert zudem mangelnde Transparenz bei der Vergabe italienischer Kontonummern.
Gesamtstrafe von 11,5 Millionen Euro
Die italienische AGCM sanktioniert die Revolut-Gruppe für irreführende Werbung und aggressive Kontosperrungen.
Kritik an Investitions-Werbung
Versprechen von „0 % Provision“ verschwiegen zusätzliche Kosten und die starken Einschränkungen bei Aktienbruchteilen.
Dauerhafte Kontosperrungen
Untersuchungen ergaben, dass Konten oft ohne Vorwarnung zwischen 51 und 100 Tagen blockiert waren.
IBAN-Problematik
Revolut lieferte unzureichende Informationen zur Umstellung von litauischen auf italienische Kontonummern.
Die italienische AGCM hat am 2. April 2026 Bußgelder in Höhe von insgesamt 11,5 Millionen Euro gegen mehrere Unternehmen der Revolut-Gruppe verhängt. Hintergrund sind unlautere Geschäftspraktiken gegenüber italienischen Verbrauchern, darunter irreführende Werbung für Anlageprodukte, aggressive Kontosperrungen und unzureichende Informationen über die Übertragung von Bankkonten. Die Aufsichtsbehörde teilte die Sanktionen in drei separate Bußgelder auf, die sich jeweils gegen unterschiedliche Verhaltensweisen verschiedener Revolut-Tochtergesellschaften richten. Die Behörde kam zu dem Schluss, dass Revolut es systematisch versäumt habe, italienischen Kunden beim ersten Kontakt – auch in Werbematerialien – klare und umfassende Informationen zur Verfügung zu stellen. Revolut kündigte an, gegen die Entscheidung Berufung einzulegen, und betonte, dass die eigene Kommunikation klar und transparent sei und man im Einklang mit den italienischen Bankenstandards agiere.
Werbung für Null-Prozent-Provision verschwieg Zusatzkosten Der größte Teil der Strafe betrifft die Werbung für Anlageprodukte. Die Revolut Securities Europe UAB und die Revolut Group Holdings Ltd wurden mit jeweils fünf Millionen Euro sanktioniert, da sie zusätzliche Kosten und Einschränkungen ihrer provisionsfreien Anlageprodukte nicht offenlegten. Die AGCM stellte fest, dass Werbebotschaften, die Investitionen „mit 0 % Provision“ versprachen, die Realität verschleierten: Kunden im Standard-Tarif – der Mehrheit der Nutzer – steht lediglich eine kostenlose Transaktion pro Monat zu, danach fallen Gebühren an. Besonders kritisch bewertete die Behörde das Angebot von Aktienbruchteilen, die Revolut bereits ab einem Euro anbot. Laut AGCM unterscheiden sich diese Bruchteile erheblich von ganzen Aktien in Bezug auf Anlagerisiko, Eigentumsrechte und Übertragbarkeit. Sie werden nicht an regulierten Märkten gehandelt, gewähren kein Stimmrecht und können nicht auf andere Plattformen übertragen werden. Bei einer Kontoschließung müssen diese Fragmente zum jeweils aktuellen Marktpreis veräußert werden. Die Behörde befand, dass Informationen dieser Tragweite bereits in der ersten Werbebotschaft hätten kommuniziert werden müssen und nicht in schwer zugängliche Sekundärdokumente ausgelagert werden durften.
11.5 (Millionen Euro) — Gesamtbußgeld der AGCM gegen die Revolut-Gruppe
Irreführende Anlage-Werbung (Revolut Securities Europe UAB + Revolut Group Holdings Ltd): 5, Aggressive Kontosperrungen (Revolut Group Holdings Ltd + Revolut Bank UAB): 5, Intransparente Informationen zu italienischen IBANs (Revolut Group Holdings Ltd + Revolut Bank UAB): 1.5
Kontosperrungen dauerten laut internen Protokollen bis zu 100 Tage Ein zweites Bußgeld in Höhe von fünf Millionen Euro wurde gegen die Revolut Group Holdings Ltd und die Revolut Bank UAB wegen aggressiver Praktiken bei der Aussetzung, Einschränkung und Sperrung von Zahlungskonten verhängt. Die AGCM-Untersuchung, die im vorangegangenen Sommer begann und Durchsuchungen in der italienischen Niederlassung von Revolut umfasste, ergab, dass Kontosperrungen im Durchschnitt zwischen 51 und 100 Tagen dauerten; fast die Hälfte der Sperrungen hielt länger als einen Monat an. In über 10.000 Fällen hielt Revolut die eigenen internen Zeitpläne zur Klärung von Kontobeschränkungen nicht ein. Interne Mitteilungen, die während der Inspektionen sichergestellt wurden, enthielten Eingeständnisse wie die Notiz eines Analysten über ein „wegen hohem Risiko gesperrtes Konto mit niedrigem Risiko“ oder den Kommentar zu einem schlecht bearbeiteten Fall: „Ich denke, wir brauchen eine gründliche Überprüfung dessen, was an dem Verfahren falsch ist.“ Kunden kannten oft den Grund für eine Sperrung nicht, erhielten pauschale Antworten vom Kundenservice und erfuhren häufig erst durch eine fehlgeschlagene Zahlung von der Einschränkung. Die AGCM erklärte, dass der über lange Zeiträume verwehrte Zugriff auf Guthaben die Nutzer daran gehindert habe, vertragliche Rechte auszuüben und tägliche Bedarfe zu decken. Zudem stellte die Behörde fest, dass Revolut unzureichende vorvertragliche Informationen lieferte, keine Vorankündigungen vor Sperrungen machte und im Anschluss unzureichende Unterstützung bot.
Revolut wurde im Juli 2015 von Nik Storonski und Vlad Yatsenko gegründet und hat seinen Hauptsitz in London. Das Unternehmen verfügt über eine litauische Banklizenz, die es ihm ermöglicht, Finanzprodukte in der gesamten Europäischen Union anzubieten. Die Untersuchung der italienischen Aktivitäten durch die AGCM begann im vergangenen Sommer mit Durchsuchungen vor Ort. Bereits zuvor hatte die litauische Zentralbank gegen Revolut ein Bußgeld in Höhe von 3,5 Millionen Euro verhängt – das damals höchste Bußgeld jener Aufsichtsbehörde – aufgrund von Versäumnissen bei der Geldwäscheprävention.
Britische Banklizenz erhalten während italienischer Rechtsstreit beginnt Das dritte und geringste Bußgeld in Höhe von 1,5 Millionen Euro wurde gegen die Revolut Group Holdings Ltd und die Revolut Bank UAB verhängt. Es bezieht sich auf mangelnde Informationen über die Voraussetzungen und den Zeitrahmen für den Erhalt einer italienischen IBAN anstelle einer litauischen. Da Revolut seine europäische Lizenz in Litauen hält, wurden Kunden in der EU zunächst litauische Kontonummern zugewiesen. Dies führte für italienische Nutzer zu praktischen Schwierigkeiten bei Mietzahlungen, Gehaltseingängen oder dem Zugang zu öffentlichen Diensten. Die AGCM kritisierte, dass Revolut die Kriterien und den Zeitplan für den Wechsel zu einer inländischen IBAN nicht ausreichend erläutert habe. Revolut widersprach den Feststellungen entschieden und wird vor italienischen Gerichten gegen den Bescheid vorgehen. „Wir sind überzeugt, dass unsere Mitteilungen klar und transparent sind. Der Schutz unserer Millionen von Kunden hat für uns oberste Priorität. Wir arbeiten in Übereinstimmung mit den strengen italienischen Bankenstandards.” — Revolut via ANSA Das Unternehmen gab zum Zeitpunkt des Urteils eine Nutzerzahl von etwa 70 Millionen an und erhielt im März 2026 nach einem dreijährigen Verfahren eine vollständige britische Banklizenz. Die Financial Times hatte zuvor berichtet, dass sich dieser Antrag aufgrund von Bedenken über Risikokontrollen verzögert hatte.
Mentioned People
- Nik Storonskiy — Współzałożyciel Revolut
- Vlad Yatsenko — Współzałożyciel Revolut
Sources: 10 articles
- Italy fines Revolut over misleading fees and terms details (Financial Times News)
- Revolut com coimas de 11,5 milhões em Itália por práticas desleais (Notícias ao Minuto)
- Autoridade da concorrência italiana aplica coimas de 11,5 milhões à Revolut (SAPO)
- Italian Antitrust Authority fines Revolut 11 million euros - Business - Ansa.it (ANSA.it)
- Revolut, multa di 11 milioni dall'Antitrust: "Messaggi ingannevoli su investimenti e servizi (lastampa.it)
- Antitrust sanziona Revolut per 11 milioni di euro per messaggi e modalità ingannevoli (Rai news)
- Italy regulator fines Revolut $13 million for alleged unfair commercial practices (Reuters)
- *** Revolut: Antitrust, sanzione di oltre 11 mln per pratiche commerciali scorrette - Il Sole 24 ORE (Il Sole 24 ORE)
- Antitrust sanziona Revolut per 11 milioni di euro - Notizie - Ansa.it (ANSA.it)
- Revolut, 'non concordiamo con Antitrust, presenteremo ricorso' - Ultima ora - Ansa.it (ANSA.it)