Nach einem vereitelten Bombenanschlag auf das Pariser Hauptquartier der Bank of America haben Goldman Sachs und die Citigroup ihre Mitarbeiter am Donnerstag angewiesen, mobil zu arbeiten. Die französischen Behörden untersuchen derzeit Verbindungen zu einer pro-iranischen Gruppierung. Gleichzeitig wurden die Sicherheitsvorkehrungen an Finanzinstituten in Paris und Frankfurt massiv verstärkt.
Präventives Homeoffice
Goldman Sachs und die Citigroup lassen Mitarbeiter in Paris und Frankfurt nach Drohungen per Fernarbeit tätig sein.
Vereitelter Anschlag
Ein 17-Jähriger wurde festgenommen, als er einen leistungsstarken Benzinkanister-Sprengsatz vor der Bank of America zünden wollte.
Verdacht gegen HAYI
Behörden vermuten die pro-iranische Gruppe Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiyya hinter der Tat und weiteren Drohungen.
Ermittlungsstand
Vier Verdächtige befinden sich in Haft; ihnen wird die Bildung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen.
Goldman Sachs und die Citigroup haben ihre Mitarbeiter in Paris am Donnerstag angewiesen, von zu Hause aus zu arbeiten. Hintergrund ist ein am vorangegangenen Samstag vereitelter Bombenanschlag auf das Pariser Hauptquartier der Bank of America, während die französischen Behörden mögliche Verbindungen zu einer pro-iranischen Gruppe untersuchen. Einem Insider zufolge genehmigte Goldman Sachs seinem Pariser Personal die Arbeit im Homeoffice, während die Citigroup diese Vorsichtsmaßnahme auf Mitarbeiter in Paris und Frankfurt ausweitete. Das Pariser Hauptquartier von Goldman Sachs wurde nach Berichten von BFMTV und Le Parisien unter Polizeibeobachtung gestellt, nachdem Drohungen über Sprengstoffanschläge durch eine iranische Gruppe eingegangen waren. Die Pariser Staatsanwaltschaft bestätigte am Donnerstag, dass am Standort von Goldman Sachs keine verdächtigen Gegenstände gefunden wurden.
Vereitelter Anschlag auf Bank of America: Stärkster improvisierter Sprengsatz in Frankreich Der Vorfall, der die Sicherheitsmaßnahmen auslöste, ereignete sich in der Nacht von Freitag auf Samstag, den 28. März 2026. Ein 17-Jähriger platzierte einen selbstgebauten Sprengsatz vor den Büros der Bank of America in der Rue de la Boétie in Paris. Er war im Begriff, diesen mit einem Feuerzeug zu entzünden, als er von einer Polizeistreife gestellt wurde. Die nationale Antiterror-Staatsanwaltschaft bezeichnete den Sprengsatz als den stärksten seiner Art, der bisher in Frankreich identifiziert wurde. Er bestand aus einem Fünf-Liter-Benzinkanister, der an einer pyrotechnischen Ladung befestigt war. Diese enthielt einen 650 (Gramm) — Zylinder mit aktivem Material im Sprengsatz, der laut Staatsanwaltschaft einen Feuerball von mehreren Metern Durchmesser hätte erzeugen können. Vier Verdächtige – drei Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren sowie ein Erwachsener – wurden förmlich unter Untersuchung gestellt. Die Vorwürfe lauten unter anderem auf Bildung einer kriminellen terroristischen Vereinigung sowie Herstellung und Transport eines Sprengsatzes im Zusammenhang mit einem terroristischen Vorhaben. Alle vier bestritten laut Staatsanwaltschaft eine terroristische Absicht.
Frankreich sah sich in den letzten Jahren einer Reihe von Vorfällen mit terroristischem Bezug gegenüber, die mit ausländischen staatlichen Akteuren und deren Stellvertretern in Verbindung gebracht werden. Der vereitelte Anschlag auf die Bank of America folgt einem Muster von Plänen mit improvisierten Sprengsätzen, die laut französischen Behörden auch in den Niederlanden und Belgien auftraten. Dabei wurden ähnliche handwerkliche Vorrichtungen verwendet sowie die Praxis des Filmes und des Bekennens der Taten gepflegt. Die aktuelle Untersuchung wird von der PNAT geleitet, die speziell zur Zentralisierung von Antiterror-Verfahren in Frankreich eingerichtet wurde.
Anwerber zahlte Jugendlichen Honorare zwischen 500 und 1.000 Euro Ermittler stellten fest, dass der erwachsene Verdächtige die drei Jugendlichen angeworben hatte, um den Sprengsatz zu platzieren und die Tat zu filmen. Laut Staatsanwaltschaft erhielt jeder von ihnen dafür zwischen 500 und 1.000 Euro. Französische Behörden, darunter Innenminister Laurent Nuñez, äußerten öffentlich den Verdacht einer Beteiligung der pro-iranischen Gruppe Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiyya, bekannt unter dem Akronym HAYI. Die Gruppe hatte am 23. März 2026, fünf Tage vor dem Anschlag, ein Video veröffentlicht, in dem das Pariser Hauptquartier der Bank of America explizit genannt wurde. Die Staatsanwaltschaft wies jedoch darauf hin, dass eine formale Verbindung zwischen HAYI und dem Anschlag noch nicht gesichert sei. Goldman Sachs erhielt laut Le Parisien eine E-Mail von US-Behörden, in der zu erhöhter Wachsamkeit geraten wurde, da eine iranische Gruppe plane, Gebäude mit Sprengstoff anzugreifen.
„„Ich stelle diese Verbindung her, weil die in der Nacht von Freitag auf Samstag vereitelte gewaltsame Aktion terroristischer Natur in jeder Hinsicht jenen glich, die sich in den Niederlanden und in Belgien ereignet haben – mit einem improvisierten, handwerklichen Sprengsatz und dem Bestreben, die Tat zu filmen und sich dazu zu bekennen.“” — Laurent Nuñez via Franceinfo
Citigroup nennt Sicherheit der Mitarbeiter als oberste Priorität Die Citigroup begründete die Entscheidung zum Homeoffice als reine Vorsichtsmaßnahme. Ein Sprecher erklärte, die Sicherheit der Angestellten habe oberste Priorität, und man leite die notwendigen Schritte zu deren Schutz ein. Die Maßnahmen bei der Citigroup erstreckten sich sowohl auf das Pariser als auch auf das Frankfurter Büro, was die bislang umfassendste geografische Reaktion unter den betroffenen Banken darstellt. Die französische Polizei verstärkte laut Le Parisien zudem die Überwachung von US-Finanzinstituten und Einrichtungen der jüdischen Gemeinde im gesamten Land. Dies spiegele eine allgemein erhöhte Sicherheitslage wider und sei nicht nur die Reaktion auf eine einzelne Bedrohung. Die Pariser Staatsanwaltschaft lehnte eine Stellungnahme zu den laufenden Ermittlungen ab. Die von der PNAT eingeleitete gerichtliche Untersuchung wegen des Verdachts der terroristischen Verschwörung und versuchter Zerstörung wurde den zuständigen Ermittlungsrichtern zur weiteren Bearbeitung übergeben.
Mentioned People
- Laurent Nuñez — Prefekt policji w Paryżu
Sources: 12 articles
- Après des menaces sur deux banques américaines à Paris, Citi met ses salariés en télétravail (Le Parisien)
- Paris: US-Banken schicken Mitarbeiter nach vereiteltem Anschlag ins Homeoffice (Handelsblatt)
- Goldman, Citi staff to work remotely after foiled bomb attack on another bank in Paris (Reuters)
- Elle doit "garantir la protection des salariés": après les menaces à la bombe de Bank of America, la banque américaine Citi met ses salariés en télétravail à Paris et Francfort (BFMTV)
- Quelques jours après Bank of America, le siège parisien de Goldman Sachs placé sous surveillance policière (LesEchos.fr)
- Goldman Paris Is Warned of Iran Group Bomb Threat: Parisien (Bloomberg Business)
- La banque américaine Goldman Sachs menacée, le Parquet de Paris enquête (Le Figaro.fr)
- Le siège de la banque Goldman Sachs à Paris a été placé sous vigilance policière après des signalements de menaces provenant d'un groupe pro iranien (Franceinfo)
- Le siège parisien de la banque Goldman Sachs placé sous surveillance policière après des menaces d'un groupe iranien (Ouest France)
- Goldman Sachs menacée par un groupe iranien à Paris, vigilance policière renforcée (BFMTV)