Die europäische Luftfahrtgruppe Air France-KLM hat am Donnerstag ein unverbindliches Angebot für den Erwerb einer Minderheitsbeteiligung an der staatlichen portugiesischen Fluggesellschaft TAP eingereicht. Mit diesem Schritt ist das Unternehmen die erste der drei großen europäischen Airline-Gruppen, die offiziell in das Privatisierungsverfahren einsteigt. Die portugiesische Regierung unter Premierminister Luís Montenegro plant die Veräußerung von bis zu 49,9 Prozent der Anteile.

Erstes offizielles Gebot

Air France-KLM hat als erster Bieter ein unverbindliches Angebot für eine Minderheitsbeteiligung von bis zu 49,9 Prozent an TAP Air Portugal abgegeben.

Strategisches Ziel Lissabon

Die Gruppe plant, Lissabon als künftiges südeuropäisches Drehkreuz zu nutzen, insbesondere um die starke Marktposition der TAP in Brasilien und Afrika zu übernehmen.

Wettbewerber unter Zugzwang

Es wird erwartet, dass die Lufthansa Group und die IAG (British Airways/Iberia) ihre vorläufigen Gebote ebenfalls fristgerecht bis Ende des Tages einreichen.

Politischer Kontext

Nach einer staatlichen Rettung in Höhe von 3,2 Milliarden Euro fordert die portugiesische Regierung vom Käufer Garantien für den Erhalt der Marke und den Ausbau des Standorts.

Air France-KLM hat am Donnerstag ein offizielles Interesse an einer Minderheitsbeteiligung an TAP Air Portugal bekundet und damit den Wettbewerb um den portugiesischen Carrier eröffnet. Das unverbindliche Angebot wurde am 2. April bei der staatlichen Holdinggesellschaft Parpública eingereicht, pünktlich zum Ablauf der von der Regierung gesetzten Frist für Vorabvorschläge. Über die genaue Höhe des Angebots wurde Stillschweigen vereinbart. Die Regierung beabsichtigt, bis zu 49,9 Prozent der TAP-Anteile zu privatisieren, wobei eine Tranche von 5 Prozent für die Belegschaft reserviert ist. Der Vorstoß von Air France-KLM markiert den Beginn der entscheidenden Phase in einem der am genauesten beobachteten Privatisierungsprojekte der europäischen Luftfahrtbranche.

Drehkreuz Lissabon als Tor nach Brasilien und Afrika Der strategische Wert der TAP liegt insbesondere in ihrem Drehkreuz in Lissabon und dem Streckennetz Richtung Amerika und Afrika. TAP kontrolliert etwa 25 (% der Kapazität nach Brasilien) — den Anteil der TAP an der europäischen Flugkapazität nach Brasilien, was die Airline zu einem begehrten Objekt für Konzerne macht, die in diesen Märkten expandieren wollen. Benjamin Smith, CEO von Air France-KLM, begründete das Gebot explizit mit dieser geografischen Lage und bezeichnete Lissabon als künftiges südeuropäisches Drehkreuz für die Gruppe. „Unser Ziel ist es, den Betrieb in Lissabon zu stärken und gleichzeitig die Verbindungen in anderen Städten des Landes, einschließlich Porto, auszubauen. Wir blicken den nächsten Schritten des Privatisierungsprozesses erwartungsvoll entgegen.” — Benjamin Smith via RTE.ie Smith hatte bereits zuvor betont, dass die Verbindungen der TAP nach Lateinamerika ein wesentlicher Anreiz seien. Lissabon würde laut Unternehmensangaben das einzige südeuropäische Drehkreuz der Gruppe werden und die bestehenden Hubs Paris-Charles de Gaulle, Paris-Orly und Amsterdam-Schiphol ergänzen. Die portugiesische Regierung knüpft den Verkauf an Bedingungen: Der Käufer muss die Marke TAP erhalten, das Streckennetz sowie die Flotte ausbauen und die Präsenz an den Flughäfen Lissabon, Porto und Faro stärken. TAP beförderte im Jahr 2024 insgesamt 16 (Millionen Passagiere) — Anzahl der TAP-Passagiere im Jahr 2024 und wies für das dritte Quartal 2025 einen Nettogewinn von 125,9 Millionen Euro aus, womit Verluste aus dem ersten Halbjahr ausgeglichen werden konnten.

Lufthansa und IAG werden als weitere Bieter erwartet Air France-KLM ist seinen zwei Hauptkonkurrenten zuvorgekommen, doch es wird erwartet, dass sowohl die deutsche Lufthansa als auch die IAG – die Muttergesellschaft von British Airways und Iberia – bis zum Ende des 2. April eigene Vorabangebote einreichen. Alle drei Konzerne waren im vergangenen Jahr von den portugiesischen Behörden eingeladen worden, sich an der Vorrunde zu beteiligen. Die Regierung rechnete insgesamt mit drei Vorschlägen. Nach Abschluss der ersten Prüfung haben die ausgewählten Bieter 90 Tage Zeit, verbindliche Angebote abzugeben. Anschließend können Verhandlungen mit einzelnen Parteien aufgenommen werden. Portugal hat öffentlich klargestellt, dass TAP die Anbindung an eine größere Gruppe benötigt, um die für die langfristige Tragfähigkeit erforderliche Größe zu erreichen.

Hintergrund: Staatshilfe in Höhe von 3,2 Milliarden Euro Die Privatisierung erfolgt nach einer turbulenten Phase staatlicher Führung und finanzieller Sanierung. TAP Air Portugal wurde 1945 gegründet und ist seit 2005 Mitglied der Star Alliance. Die Fluggesellschaft bedient 90 Ziele in 34 Ländern. Im Jahr 2020 wurde die Airline als Notmaßnahme infolge der wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie verstaatlicht. Im Gegenzug für einen Umstrukturierungsplan erhielt das Unternehmen staatliche Mittel in Höhe von 3,2 Milliarden Euro. Die Regierung strebt nun den Verkauf von bis zu 49,9 Prozent des Kapitals an, wobei der Prozess im Jahr 2026 abgeschlossen sein soll. Die Rettung mit Steuergeldern macht den Verkauf politisch sensibel. Offizielle Stellen betonen, dass ein Käufer einen glaubwürdigen Entwicklungsplan vorlegen muss, statt die Fluggesellschaft lediglich einzugliedern oder zu verkleinern. Air France-KLM integriert derzeit zudem die skandinavische SAS. Sollte der TAP-Zuschlag erfolgen, würde die Gruppe über vier Hauptdrehkreuze verfügen: Amsterdam, Paris, Kopenhagen und Lissabon. Die TAP-Flotte umfasst laut Daten von Planespotters.net aktuell 102 Flugzeuge, überwiegend von Airbus, wovon 92 im aktiven Dienst stehen. Der Ausgang des Bieterverfahrens wird die Wettbewerbslandschaft der europäischen Luftfahrtkonsolidierung maßgeblich beeinflussen.

Privatisierung der TAP Air Portugal — Wichtige Meilensteine: — ; — ; — ; — ; —

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