Die Feldhasenpopulation in Deutschland ist 2025 weiter gestiegen und hat im Schnitt 19 Tiere pro Quadratkilometer erreicht. Damit wurde nach Angaben des Deutschen Jagdverbands zum dritten Mal in Folge ein Höchststand verzeichnet. Besonders stark fällt das Plus in einzelnen Regionen aus, während Fachleute zugleich auf eine neue Tierseuche und langfristige Risiken durch intensive Landwirtschaft verweisen.
Bundesweit dritter Rekord in Folge
Der Deutsche Jagdverband meldet für 2025 im Schnitt 19 Feldhasen pro Quadratkilometer. Über 20 Jahre betrachtet ist der Bestand um mehr als ein Viertel gewachsen.
Hamburg mit höchster Dichte
Im Herbst 2025 wurden in Hamburg knapp 58 Feldhasen pro Quadratkilometer gezählt. Auch Teile des Nordwestens und Nordostens legten um rund 12 Prozent zu.
Myxomatose bleibt ein Risiko
Die seit 2023 bei Feldhasen nachgewiesene Krankheit hat sich auf mehrere Länder ausgebreitet. Die Auswirkungen auf den Gesamtbestand sind noch nicht abschließend geklärt.
Landwirtschaft und Wetter prägen den Bestand
Blühstreifen, Bracheflächen und trockenes Wetter fördern die Entwicklung. Intensive Landwirtschaft und der Verlust von Lebensräumen bleiben jedoch die zentralen Belastungen.
Deutschland's brown hare population reached a national average of 19 animals per square kilometer in 2025, marking the third consecutive record high, according to the Deutsche Jagdverband. Over the past 20 years, the hare count has grown by more than a quarter nationwide, the association said. Between spring and autumn 2025, the population rose by approximately seven percent across the country, a rate similar to the previous year. In some regions the increase was far steeper: in the western German low mountain ranges, the growth rate ran at roughly twice the national average, while Hamburg and parts of the northwest and northeast recorded gains of around 12 percent. The mild and dry winter of 2024/25, combined with an unusually dry spring, gave the species a significant boost, as the brown hare is considered an original steppe animal that thrives in open, dry conditions, the association noted.
58 (Hasen pro Quadratkilometer) — Hamburgs Höchstwert im Herbst 2025 bei Feldhasen
Hamburg: 58, Nordwestdeutsches Tiefland: 30, Baden-Württemberg: 18, Sachsen-Anhalt: 8, Brandenburg: 7
Hamburg liegt mit 58 Hasen pro Quadratkilometer vorn Regionale Daten zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Hamburg verzeichnete im Herbst 2025 mit knapp 58 Feldhasen pro Quadratkilometer die höchste Dichte in Deutschland, nach durchschnittlich 39 Tieren im vorangegangenen Frühjahr. Das entspricht einem Anstieg von 12 Prozent. Franziska Baudach, zuständig für Wildökologie und Wildtiermonitoring beim Deutschen Jagdverband, führte den Trend auf warmes, trockenes Wetter, das Vorhandensein von Blühstreifen und die Qualität der Nahrungsquellen zurück. Das verbessere auch die Milchleistung der weiblichen Tiere und helfe den Hasen, sich vor Feinden zu verbergen. „Je mehr Blühstreifen es zum Beispiel gibt, desto besser finden die Hasen Nahrung, die Milch der weiblichen Hasen verbessert sich und die Tiere können sich besser vor Feinden verstecken” — Franziska Baudach via ZEIT ONLINE In Baden-Württemberg lag der Bestand im Herbst 2025 bei 18 Tieren pro Quadratkilometer, also zwei weniger als im Rekordjahr zuvor, aber weiterhin auf einem der höchsten Werte in der Geschichte des Landes. Sachsen-Anhalt zählte im Frühjahr 2025 im Schnitt rund acht Feldhasen pro Quadratkilometer und damit weniger als im Bundesdurchschnitt. In den nördlichen Landesteilen und im nördlichen Harzvorland wurden jedoch Dichten von bis zu 24 pro Quadratkilometer erreicht, wie der Landesjagdverband Sachsen-Anhalt mitteilte. Brandenburg blieb stabil: Dort stieg der Wert von rund fünf Feldhasen pro Quadratkilometer im Frühjahr auf etwa sieben im Herbst. Der Landesjagdverband begrüßte diese Stabilisierung und verwies auf die Zusammenarbeit mit Landwirten bei der Gestaltung von Lebensräumen.
Myxomatose breitet sich seit 2023 bei Hasen aus Eine neue Krankheit sorgt unter Wildtierexperten für Sorge, obwohl die Bestandszahlen auf Rekordniveau liegen. Myxomatose, die 2023 erstmals bei deutschen Feldhasen nachgewiesen wurde, hat sich inzwischen auf mehrere Bundesländer ausgebreitet. Aus Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt wurden bislang jedoch keine bestätigten Fälle gemeldet. Der Deutsche Jagdverband sagte, die Gesamtwirkung der Krankheit auf den nationalen Bestand lasse sich derzeit noch nicht vollständig beurteilen. Bundesweite Daten zeigten bislang keine nennenswerten negativen Effekte. Studien aus Nordrhein-Westfalen deuteten aber darauf hin, dass stark betroffene lokale Bestände sich nicht erholt hätten, während weniger betroffene stabil geblieben seien. Die Krankheit verläuft bei Feldhasen und Kaninchen fast immer tödlich. Die Deutsche Wildtier Stiftung verwies darauf, dass ihre Referenzfläche in Mecklenburg-Vorpommern deutlich über dem Durchschnitt des nordostdeutschen Tieflands liege. Das zeige, was eine wildtierfreundliche Landnutzung mit Brachen und hasenfreundlicher Mahd bewirken könne.
Lebensraumverlust und intensive Landwirtschaft bleiben Risiken Trotz der positiven Entwicklung warnen Fachleute, dass strukturelle Probleme in der Agrarlandschaft die Zukunft des Feldhasen weiter belasten. Klaus Hackländer, Wildbiologe und Vorstandsmitglied der Deutschen Wildtier Stiftung, nannte die intensive Landwirtschaft das zentrale Strukturproblem für die Art. „Vor allem die intensive Landwirtschaft ist ein Problem für den Feldhasen, ebenso wie für Rebhuhn und Kiebitz” — Klaus Hackländer via Die Welt Anders als Kaninchen leben Feldhasen das ganze Jahr über über der Erde und sind auf abwechslungsreiche, strukturreiche Landschaften mit Brachen, Blühstreifen und kleinräumigen Feldstrukturen als Nahrung und Deckung angewiesen. Im Vergleich zu den 1970er Jahren steht in Deutschland deutlich weniger geeigneter Lebensraum zur Verfügung, teilte der Jagdverband mit. Hackländer forderte, dass jeder Landwirt mindestens sieben Prozent der Ackerfläche brachliegen lassen solle. Zugleich betonte er, dass dafür finanzielle Förderprogramme nötig seien, damit solche Maßnahmen wirtschaftlich tragfähig seien. Räuber wie Füchse, Dachse und Waschbären setzen den lokalen Beständen zusätzlich zu. Experten warnten zudem, dass häufigere extreme Wetterereignisse infolge des Klimawandels Jungtiere künftig gefährden könnten.
Der Feldhase galt in Deutschland früher als gefährdete Art. Seine Bestände gingen in den späteren Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wegen der Intensivierung der Landwirtschaft und des Verlusts von Lebensräumen stark zurück. In Baden-Württemberg wird die Wildtierpopulation seit 1997 vom dortigen Wildtierforschungszentrum in Zusammenarbeit mit dem Landesjagdverband systematisch erfasst. Dabei kommt eine Suchscheinwerfermethode zum Einsatz, bei der Jäger nachts festgelegte Strecken abfahren und die Hasen anhand der Augenreflexe zählen. Der Deutsche Jagdverband stützt seine bundesweiten Zahlen auf Auswertungen von Zählungen in mehr als 400 Referenzgebieten. Die Art bevorzugt offene, strukturreiche Landschaften und gilt als ursprüngliches Steppentier. Deshalb reagiert sie empfindlich auf Veränderungen der Landnutzung und auf Wetterextreme.
Mentioned People
- Kai Hamann — Dyrektor zarządzający krajowego związku łowieckiego Brandenburgii
- Franziska Baudach — Konsultantka ds. ekologii dzikich zwierząt i monitoringu populacji w Niemieckim Związku Łowieckim
Sources: 29 articles
- Jagdverband: Mehr Feldhasen in Schleswig-Holstein (stern.de)
- Zahl der Feldhasen in Sachsen-Anhalt leicht gestiegen - WELT (DIE WELT)
- Natur und Umwelt: Wie es den Feldhasen geht - und was ihnen jetzt droht (Handelsblatt)
- Trotz Rückgang: Hasen hoppeln weiter zahlreich durchs Land - WELT (DIE WELT)
- Zahl der Feldhasen stabil - Bedrohung durch Virus - WELT (DIE WELT)
- Zahl der Feldhasen in Thüringen wächst - WELT (DIE WELT)
- Das hat es mit dem Feldhasen-Boom im Südwesten auf sich - WELT (DIE WELT)
- Wie es den Feldhasen geht - und was ihnen jetzt droht - WELT (DIE WELT)
- Feldhasen in Brandenburg: Bestand bleibt stabil - WELT (DIE WELT)
- Feldhasen fühlen sich in NRW wohl - WELT (DIE WELT)