Der Kreistag Siegen-Wittgenstein hat am Freitagabend, 27. März 2026, mit knapper Mehrheit beschlossen, die Möglichkeit eines Nationalparks im Rothaargebirge erneut prüfen zu lassen. Damit macht das Gremium einen Schritt zurück von seiner Ablehnung aus dem Jahr 2024. Eine endgültige Entscheidung über einen möglichen Antrag soll frühestens ab September 2026 fallen.

Kreistag kippt frühere Ablehnung

Siegen-Wittgenstein will die Prüfung eines Nationalparks im Rothaargebirge nach dem Nein von 2024 erneut aufnehmen.

Abstimmung fällt knapp aus

In geheimer Abstimmung gab es 28 Ja-Stimmen und 26 Gegenstimmen. Schon die Wiederaufnahme der Debatte war umstritten.

Wirtschaft warnt vor Folgen

IHK und Arbeitgeberverbände sehen Risiken durch zusätzliche Auflagen für Flächen und Verkehrswege.

Der Kreistag Siegen-Wittgenstein hat am Freitagabend, 27. März 2026, mit knapper Mehrheit beschlossen, die Möglichkeit eines Nationalparks im Rothaargebirge erneut prüfen zu lassen und damit seine Entscheidung aus dem Jahr 2024 korrigiert. Der Beschluss fiel in geheimer Abstimmung mit 28 (Ja-Stimmen) — 28 Stimmen dafür bei 26 Gegenstimmen. Eingebracht worden war der Antrag von Landrat Andreas Müller von der Sozialdemokratischen Partei zusammen mit der Kreisverwaltung. Nun sollen Fachleute aus zuständigen Behörden, Institutionen und Verbänden gemeinsam mit politischen Vertretern klären, welche Rahmenbedingungen und Voraussetzungen für eine mögliche Ausweisung als Nationalpark geschaffen werden müssten.

Vorentscheidung im Ausschuss machte die Abstimmung knapp Der Weg zur Abstimmung am Freitag war nicht geradlinig. Der Antrag war bereits im Umweltausschuss des Kreises gescheitert, bevor er dem Kreistag vorgelegt wurde, was die spätere Zustimmung umso knapper machte. Nach dem Inhalt des Antrags könnte der Kreistag dann ab September — also in der zweiten Jahreshälfte 2026 — darüber entscheiden, ob er den Nationalpark-Plänen formell zustimmt oder nicht. Das Verfahren ist bewusst offen angelegt, ein feststehendes Ergebnis gibt es nicht. Schon die Entscheidung, die Debatte überhaupt wieder zu eröffnen, ohne sich auf ein späteres Ja festzulegen, war umstritten und zeigt, wie tief der Dissens im Kreistag ist. Abstimmung über den Nationalpark Siegen-Wittgenstein: Position des Kreistags zum Nationalpark (before: 2024 gegen Antrag gestimmt, after: Im März 2026 mit 28 zu 26 für erneute Prüfung gestimmt)

Das Rothaargebirge gehörte zu sechs vom Land vorgeschlagenen Gebieten Das Rothaargebirge war von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen als eines von sechs möglichen Gebieten für einen zweiten Nationalpark im Land benannt worden. Die Suche des Landes ging auf die schwarz-grüne Koalition zurück, wobei Umweltminister Oliver Krischer von den Grünen die Initiative unterstützte. Als der Kreistag Siegen-Wittgenstein wie alle anderen Kandidatenregionen 2024 gegen einen Nationalpark-Antrag stimmte, erklärte Krischer, jede Region, die sich künftig für einen Nationalpark entscheiden wolle, werde bei der Landesregierung eine offene Tür vorfinden. Derzeit ist der Nationalpark Eifel weiterhin der einzige Nationalpark in Nordrhein-Westfalen. Die Abstimmung am Freitag eröffnet dem Rothaargebirge nun erneut die Chance, das zweite Schutzgebiet dieser Art im Land zu werden.

Wirtschaftliche Sorgen prallen auf Tourismus- und Klimaanliegen Die Debatte über den Nationalpark hat in der Region einen deutlichen Gegensatz zwischen wirtschaftlichen und ökologischen Interessen sichtbar gemacht. Andreas Müller wirbt für das Vorhaben als Standortvorteil. Er verweist darauf, dass es das nationale und internationale Profil der Region schärfen, hochwertige Angebote für Naherholung und Tourismus mit neuen Arbeitsplätzen schaffen und die Klima- und Umweltresilienz des Gebiets stärken könne. Kritiker äußern dagegen Sorgen über Folgen für örtliche Unternehmen und die Industrie.

„Es könnte die bundes- und internationale Sichtbarkeit der Region erhöhen, hochwertige lokale Erholungs- und Tourismusangebote mit neuen Arbeitsplätzen schaffen und einen wichtigen Beitrag zur Klima- und Umweltresilienz der Region leisten” — Andreas Müller via ZEIT ONLINE

Die Industrie- und Handelskammer sowie Arbeitgeberverbände aus der Region hatten vor der Abstimmung Einwände erhoben und gewarnt, das Gebiet könne zusätzliche Flächennutzungsbeschränkungen oder einen Stopp beim Ausbau von Verkehrswegen nicht verkraften. Die endgültige Entscheidung darüber, ob das Rothaargebirge offiziell einen Antrag auf Nationalpark-Status stellen wird, liegt nun beim Kreistag. Mit einer Abstimmung ist nach derzeitiger Planung nicht vor September 2026 zu rechnen.

Nordrhein-Westfalen hat seit der Einrichtung des Nationalparks Eifel nur einen Nationalpark und damit deutlich weniger geschützte Wildnis als einige andere deutsche Bundesländer. Die Suche der Landesregierung nach einem zweiten Nationalpark umfasste die Prüfung von sechs Kandidatengebieten, darunter das Rothaargebirge. 2024 stimmte der Kreistag Siegen-Wittgenstein wie die übrigen Kandidatenregionen damals gegen einen Antrag auf Nationalpark-Status. Umweltminister Oliver Krischer machte anschließend deutlich, dass die Landesregierung auch künftig offen für Anträge aus Regionen bleiben werde, die ihre Position änderten.

Mentioned People

  • Andreas Müller — Starosta (Landrat) powiatu Siegen-Wittgenstein
  • Oliver Krischer — Minister środowiska, ochrony przyrody i transportu Nadrenii Północnej-Westfalii

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