Forscher des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums Frankfurt haben in Stuttgart die erste etablierte Kolonie der Asiatischen Nadenameise in Deutschland bestätigt. Gefunden wurde sie im Rosensteinpark, veröffentlicht wurden die Ergebnisse im März 2026. Fachleute warnen, dass sich die Art weiter ausbreiten könnte und wegen ihrer Stiche auch für Menschen relevant ist.
Erster etablierter Nachweis in Deutschland
Im Stuttgarter Rosensteinpark wurde eine Kolonie mit Nachwuchs bestätigt, was auf eine bereits etablierte Population hindeutet.
Gesundheitsrisiko durch Stiche
Die Stiche der Asiatischen Nadenameise können schwere allergische Reaktionen bis zum anaphylaktischen Schock auslösen.
Eintragsweg über Pflanzenhandel vermutet
Forscher halten Topfpflanzen und den internationalen Pflanzenhandel für wahrscheinliche Wege der Einschleppung.
Nördlichster etablierter Fund in Europa
Nach Einschätzung der Forschenden ist der Stuttgarter Fund der bislang nördlichste bestätigte Nachweis einer etablierten Population in Europa.
Forscher des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums Frankfurt haben die erste etablierte Kolonie der Asiatischen Nadenameise in Deutschland bestätigt. Entdeckt wurde sie im Juni 2025 im Stuttgarter Rosensteinpark. Der Fund unter Leitung des Forschers Brendon Boudinot wurde im März 2026 in der Fachzeitschrift Zootaxa veröffentlicht. Zur Kolonie gehörten auch Nachkommen. Nach Einschätzung der Forschenden ist das ein entscheidendes Detail, weil es zeigt, dass die Population überwintern kann und sich damit wahrscheinlich bereits etabliert hat, statt nur aus wenigen zufällig eingeschleppten Tieren zu bestehen. Die Art Brachyponera chinensis wird von der Union list of invasive alien species der Europäischen Union als besonders problematisch eingestuft, weil sie heimische Ökosysteme schädigt und ihre Stiche lebensgefährlich sein können. Der Fund hat unter Wissenschaftlern Warnungen vor einer weiteren Ausbreitung in Deutschland ausgelöst.
Ein Zoobesuch brachte die Spur in Gang Die Ereignisse, die zu dem bestätigten Nachweis führten, begannen mit einer Zufallsbeobachtung. Ein Biologiestudent aus Stuttgart und seine Mutter bemerkten bei einem Besuch im Zoologisch-Botanischen Garten Wilhelma, der knapp zwei Kilometer vom Rosensteinpark entfernt liegt, ungewöhnliche Ameisen. Der Student erinnerte sich daran, dass die beiden Arbeiterinnen etwas schlanker und dunkler wirkten als heimische Arten und zudem ein anderes Verhalten zeigten, wie die Universität Hohenheim mitteilte. Dieser erste Hinweis lenkte die Forschenden in den Park, wo Boudinots Team anschließend eine vollständige Kolonie fand. Wissenschaftler vermuten, dass die Ameise als blinder Passagier in Topfpflanzen nach Stuttgart gelangte, einem häufigen Weg für invasive Insektenarten. Maura Haas-Renninger vom Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart, Mitautorin der veröffentlichten Studie, wies darauf hin, dass im Rosensteinpark auch geflügelte Königinnen gefunden wurden. Das deute darauf hin, dass sich die Ameisen bereits eigenständig ausbreiten könnten.
„Dass wir im Rosensteinpark geflügelte Königinnen gefunden haben, zeigt, dass sich die Ameisen hier womöglich schon selbst ausbreiten” — Maura Haas-Renninger via ZEIT ONLINE
Stiche können bei Menschen anaphylaktischen Schock auslösen Die Asiatische Nadenameise stellt ein direktes Risiko für die menschliche Gesundheit dar. Ihre Stiche können schwere allergische Reaktionen bis hin zu lebensgefährlichem anaphylaktischem Schock auslösen, teilten Fachleute der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung mit. Die Europäische Union stufte die Art 2025 in ihre höchste Gefahrenkategorie ein. Das spiegelt die Sorge vor den ökologischen und medizinischen Folgen wider. Neben dem Risiko für Menschen ist bekannt, dass die Ameise Parks, Bauwerke und Gärten beschädigt, Nutztiere angreift und heimische Ameisenarten sowie andere Tiere verdrängt. Invasive Ameisen verursachen weltweit allgemein erhebliche Schäden, und die Nadenameise hat dieses Muster bereits in den Vereinigten Staaten gezeigt, wo sie seit ihrer Einschleppung heimische Arten in mehreren Bundesstaaten verdrängt hat.
„Wir konnten im Park eine vollständige Kolonie der Asiatischen Nadenameise mit Nachwuchs nachweisen. Das zeigt, dass es sich nicht nur um einzelne eingeschleppte Tiere handelt, sondern sehr wahrscheinlich um eine lokale Population, die überwintern kann.” — Brendon Boudinot via Spiegel Online
Die Art kam aus Ostasien in die USA und dann nach Europa Die Asiatische Nadenameise ist in Ostasien heimisch, einschließlich Japan. Außerhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets wurde sie 1932 erstmals im Südosten der Vereinigten Staaten registriert, vermutlich über Frachtschiffe mit Pflanzengütern eingeschleppt. Anschließend breitete sich die Art in mehreren US-Bundesstaaten aus. In Europa wurde sie 2020 erstmals in Neapel nachgewiesen, später wurden weitere Exemplare in Italien am Comer See gefunden. Die EU nahm die Art 2025 in ihre Liste invasiver gebietsfremder Arten auf. Zuvor war die Ameise unter dem wissenschaftlichen Namen Pachycondyla chinensis bekannt, bis sie 2014 umklassifiziert wurde.
Der Fund in Stuttgart ist nach Angaben der Forschenden der bislang nördlichste bestätigte Nachweis einer etablierten Population in Europa. Die Wissenschaftler verweisen darauf, dass der Klimawandel es invasiven Arten erleichtert, sich in zuvor ungeeigneten Regionen auszubreiten, und dass der internationale Pflanzenhandel weiterhin ein zentraler Eintragsweg für unbemerkte Einschleppungen bleibt. Die Ameisen können zudem in Containern oder im Gepäck von Reisenden transportiert werden, was ein frühzeitiges Abfangen erschwert. Fachleute fordern deshalb aktive Maßnahmen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, wie es die Vorgaben der EU-Verordnung zu invasiven Arten vorsehen. Der Rosensteinpark, der an einen botanischen Garten grenzt und das Stuttgarter Naturkundemuseum beherbergt, gilt wegen seiner ökologischen Bedeutung als besonders sensibler Ort für eine solche Einschleppung.
Ausbreitung der Asiatischen Nadenameise — wichtige Daten: — ; — ; — ; — ; —
Mentioned People
- Brendon Boudinot — Badacz z Frankfurckiego Instytutu Badawczego Senckenberg i Muzeum Historii Naturalnej specjalizujący się w taksonomii i ewolucji mrówek.
Sources: 5 articles
- Llega a Alemania la peligrosa hormiga aguja asiática (Deutsche Welle)
- Invasive Art: Asiatische Nadelameise breitet sich in Deutschland aus (Spiegel Online)
- Eingeschleppte Arten: Gefährliche Ameise breitet sich aus - warum Forscher warnen (Handelsblatt)
- Invasive Art: Nadelameise aus Asien erstmals in Deutschland entdeckt (ZEIT ONLINE)
- Der Tag: Gefährliche Ameisenart in Deutschland nachgewiesen (N-tv)
- Gefährliche Ameisenart erstmals in Deutschland entdeckt (stern.de)