Eine Expertenkommission hat am Montag Vorschläge vorgelegt, mit denen die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung stabilisiert werden soll. Ohne Eingriffe könnte das Defizit zwischen Einnahmen und Ausgaben der Krankenkassen bis 2030 auf 40,4 Milliarden Euro steigen. Gesundheitsministerin Nina Warken erhielt den 480-seitigen Bericht in Berlin.

Kommission warnt vor wachsender Finanzierungslücke

Ohne Eingriffe könnte das Defizit der gesetzlichen Krankenversicherung bis 2030 auf 40,4 Milliarden Euro steigen.

Leistungserbringer und Versicherte sollen beitragen

Die größten Sparbeiträge sieht die Kommission bei Ärzten, Kliniken und Pharmaherstellern, aber auch bei Zuzahlungen und der Mitversicherung von Ehepartnern.

Reform soll im Juli ins Kabinett

Nina Warken kündigte an, dass die Vorschläge als Grundlage für einen Gesetzentwurf dienen sollen.

Eine zehnköpfige Expertenkommission hat am Montag einen 66-Punkte-Plan vorgelegt, mit dem das System der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland reformiert werden soll. Die Kommission warnte, dass die Finanzierungslücke zwischen den Einnahmen und Ausgaben der staatlichen Kassen ohne Eingriffe bis 2030 auf 40.4 (billion euros) — prognostiziertes GKV-Defizit bis 2030 anwachsen könnte. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken von der CDU nahm den 480-seitigen Bericht der Kommission bei einer Pressekonferenz in Berlin entgegen. Die Vorschläge haben für das kommende Jahr allein ein mögliches Finanzvolumen von bis zu 42 Milliarden Euro und liegen damit über dem bereits für 2027 veranschlagten Defizit von 15 Milliarden Euro. Die Kommission steht unter dem Vorsitz des Gesundheitsökonomen Wolfgang Greiner von der Universität Bielefeld. Sie hatte sich zunächst mit rund 1.700 Vorschlägen von Verbänden und Organisationen aus dem Gesundheitswesen befasst und daraus 66 Empfehlungen destilliert.

„Ich bin dankbar, dass die Kommission uns eine gut gefüllte Werkzeugkiste vorgelegt hat, aus der wir uns nun die besten Werkzeuge nehmen werden.” — Nina Warken via Deutsche Welle

Warken fügte hinzu, es werde keine einseitigen Reformen geben, die die Versicherten belasteten, und die Grundpfeiler eines solidarischen Gesundheitssystems würden nicht erschüttert. Nach einem Suchergebnis im Netz sagte Warken, die Vorschläge der Kommission sollten die Grundlage für einen Gesetzentwurf bilden, der im Juli vom Kabinett beschlossen werden solle.

Ärzte und Kliniken sollen den größten Sparbeitrag leisten

Die Kommission sieht die größten Einsparpotenziale bei den Leistungserbringern, also bei Arztpraxen, Krankenhäusern und Pharmaherstellern, mit 19 (billion euros) — Sparziel für Leistungserbringer und Hersteller. Leitgedanke ist, dass die Vergütung der Anbieter nicht schneller steigen soll als die Einnahmen der Kassen. Weitere 12 Milliarden Euro könnten erzielt werden, wenn der Bund die Versicherungskosten für Empfänger von Bürgergeld vollständig übernimmt. Die Kommission ordnet diese Leistung als nicht versicherungsfremd ein und damit als Kosten, die nicht den gesetzlichen Kassen aufgebürdet werden sollten. Die Versicherten selbst sollen bis zu 4,1 Milliarden Euro beitragen, vor allem über eine an die Inflation angepasste Anhebung der Zuzahlungen für Arzneimittel. Die Kommission empfiehlt, die Obergrenze auf bis zu 15 Euro anzuheben und weist darauf hin, dass die Zuzahlungen seit 2004 weitgehend unverändert geblieben seien. Weitere 4,8 Milliarden Euro auf der Einnahmeseite könnten durch die Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung von nicht erwerbstätigen Ehepartnern entstehen. Das würde rund 1,6 Millionen Menschen betreffen, möglich wären Ausnahmen für Eltern kleiner Kinder.

Leistungserbringer und Hersteller: 19, Bund (Bürgergeld und versicherungsfremde Leistungen): 12, Zuzahlungen der Patienten und Einnahmemaßnahmen: 4,1, Abschaffung der Mitversicherung von Ehepartnern: 4,8

Zuckersteuer und höhere Abgaben auf Tabak ergänzen das Paket

Über strukturelle Änderungen bei Beiträgen und Vergütungen hinaus empfiehlt die Kommission die Einführung einer gestaffelten Steuer auf zuckerhaltige Erfrischungsgetränke sowie höhere bestehende Abgaben auf Tabak und Alkohol. Die zusätzlichen Einnahmen sollen an die GKV fließen. Die Kommission betont zudem die Bedeutung einer wissenschaftlich fundierten Versorgung und eines Ausbaus der Prävention. Wolfgang Greiner bezeichnete das Paket als Instrument, um zu verhindern, dass das Solidarprinzip des gesetzlichen Systems unter dem Druck steigender Kosten ausgehöhlt werde.

„Die Vorschläge eröffnen für die weitere Ausgestaltung einen großen politischen Handlungsspielraum. Vor allem tragen sie dazu bei, dass die Krankenkassen nicht mehr ausgeben, als sie einnehmen, und damit steigende Beiträge und folglich zusätzliche Belastungen für Versicherte und Arbeitgeber vermieden werden.” — Wolfgang Greiner via Berliner Zeitung

Ohne Reformen würde ein Durchschnittsverdiener nach Berechnung der Kommission 2027 mit zusätzlichen jährlichen Beitragskosten von rund 260 Euro rechnen müssen, bis 2030 stiege dieser Betrag auf rund 680 Euro. Für 2030 errechnete die Kommission eine maximale Zusatzbelastung von 1.440 Euro pro Jahr.

System gehört schon jetzt zu den teuersten der Welt

Das deutsche Gesundheitswesen gehört laut Berliner Zeitung zu den teuersten der Welt und ist innerhalb der Europäischen Union das teuerste. Die täglichen Gesamtausgaben über alle Kostenträger hinweg liegen bei knapp 1,4 Milliarden Euro. Auf die GKV entfällt dabei der größte Anteil; sie gibt rund 1 Milliarde Euro pro Tag aus. Vorläufige Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums zeigen, dass die GKV 2025 Ausgaben von 352,4 Milliarden Euro bei Einnahmen von 355,9 Milliarden Euro verbuchte, also einen technischen Überschuss. Die Ausgaben stiegen jedoch um 7,8 Prozent, während die Beitragseinnahmen nur um 5,3 Prozent zulegten. Dadurch vergrößerte sich die strukturelle Lücke. Auf die Krankenhausbehandlung entfiel rund ein Drittel der gesamten GKV-Ausgaben. Das Ministerium sieht darin den entscheidenden Kostentreiber. Danach folgten Arzneimittel mit 17 Prozent und Arztbesuche mit 16 Prozent. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, sagte vor der Präsentation, er halte das geplante Sparziel für unrealistisch. Versorgungsfremde Leistungen sollten zunächst aus dem Leistungskatalog der GKV herausgenommen werden.

Deutschland hat ein duales System der Krankenversicherung. Die gesetzlichen Kassen, also die GKV, versichern rund 90 Prozent der Bevölkerung und dürfen gesetzlich niemanden ablehnen. Etwa 10 Prozent der Bevölkerung sind privat versichert. Die Beiträge werden zu gleichen Teilen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern getragen und als Prozentsatz des Bruttoeinkommens berechnet. Der allgemeine Satz liegt bei 14,6 Prozent und wird durch einen durchschnittlichen Zusatzbeitrag ergänzt, der zu Beginn des Jahres 2026 auf 2,9 Prozent gestiegen ist. Das System steht immer wieder in der Kritik, weil finanzielle Anreize Krankenhäuser und Ärzte zu teuren oder unnötigen Behandlungen drängen und die Kosten steigen lassen, ohne dass sich der gesundheitliche Nutzen entsprechend erhöht.

Wichtige Meilensteine im Reformprozess der GKV: — ; — ; —

Mentioned People

  • Nina Warken — Federalna minister zdrowia w rządzie kanclerza Friedricha Merza od maja 2025 roku
  • Wolfgang Greiner — Ekonomista zdrowia i przewodniczący komisji ds. finansowania ochrony zdrowia

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