Eine interne E-Mail des US-Verteidigungsministeriums offenbart Überlegungen, Nato-Verbündete für mangelnde Unterstützung im Iran-Konflikt zu sanktionieren. Insbesondere Spanien droht laut dem Dokument die Suspendierung, da Madrid die Nutzung strategischer Militärbasis verweigert hat. Zudem wird eine Neubewertung des Falkland-Konflikts in Aussicht gestellt.

Leak enthüllt Sanktionspläne

Eine Pentagon-E-Mail schlägt vor, Nato-Partner wie Spanien für mangelnde Unterstützung im Iran-Krieg abzustrafen.

Keine rechtliche Handhabe

Die Nato stellt klar, dass der Gründungsvertrag von 1949 keinerlei Mechanismen für einen Ausschluss von Mitgliedern vorsieht.

Europäische Solidarität

Deutschland, Italien und Großbritannien unterstützen Madrid und warnen vor einer Spaltung des transatlantischen Bündnisses.

Falkland-Konflikt als Druckmittel

Das Dokument deutet an, die US-Position im Souveränitätsstreit zwischen London und Buenos Aires zugunsten Argentiniens zu überdenken.

In einer internen E-Mail des Pentagons, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, werden Maßnahmen zur Bestrafung jener Nato-Verbündeten vorgeschlagen, die aus Sicht Washingtons den US-geführten Militäreinsatz gegen den Iran unzureichend unterstützen. Die Vorschläge umfassen unter anderem eine mögliche Suspendierung der spanischen Mitgliedschaft im Bündnis, was am Freitag umgehende Dementis und Solidaritätsbekundungen europäischer Regierungen auslöste. Ein US-Beamter erläuterte gegenüber Reuters, dass die E-Mail gezielt Spanien ins Visier nehme, da das Land sich weigerte, den US-Streitkräften die Nutzung zweier Militärstützpunkte auf spanischem Staatsgebiet für Operationen gegen den Iran zu gestatten. Das Dokument schlägt zudem vor, die Haltung der USA im langjährigen Souveränitätsstreit um die Falklandinseln, ein Territorium im Südatlantik, neu zu bewerten. Die Veröffentlichungen führten zu sofortigen Reaktionen der Nato, Spaniens, Deutschlands und Italiens, die die Geschlossenheit des Bündnisses und den Status Spaniens bekräftigten. Die Situation spitzte sich zu, während europäische Staats- und Regierungschefs zu einem informellen Gipfel in Nikosia auf Zypern zusammenkamen, was den alliierten Regierungen eine Bühne für eine koordinierte Kommunikation bot.

Nato-Vertrag sieht keinen Mechanismus für den Ausschluss von Mitgliedern vor Ein Nato-Beamter erklärte gegenüber der BBC, dass der Gründungsvertrag des Bündnisses kein Verfahren für die Suspendierung oder den Ausschluss von Mitgliedstaaten vorsehe. Dies entzieht den Vorschlägen aus der Pentagon-E-Mail die rechtliche Grundlage. Der im Jahr 1949 unterzeichnete Nordatlantikvertrag beinhaltet keine entsprechende Klausel. Spanien hatte den USA untersagt, die Marinebasis Rota sowie den Luftwaffenstützpunkt Morón – beide befinden sich auf spanischem Boden – für Angriffe gegen den Iran zu nutzen. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez reagierte zu Beginn des Gipfels auf Zypern direkt auf den Reuters-Bericht. „Spanien ist ein verlässlicher Partner innerhalb der Nato und wir erfüllen unsere Verpflichtungen gegenüber dem Bündnis. Daher besteht kein Grund zur Besorgnis.” — Pedro Sánchez via NewsIT Sánchez betonte zudem den Unterschied zwischen inoffiziellen Leaks und formaler Politik. Spanien gestalte seine Positionen nicht auf Grundlage interner E-Mails, sondern basierend auf offiziellen Dokumenten der US-Regierung. „Die Position der spanischen Regierung ist klar: absolute Kooperation mit unseren Verbündeten, aber immer im Rahmen der internationalen Rechtmäßigkeit.” — Pedro Sánchez via ΣΚΑΪ

Berlin und Rom stützen die Rolle Madrids im Bündnis Deutschland und Italien sicherten Spanien umgehend öffentliche Unterstützung zu. Beide Regierungen betonten, dass das Bündnis geeint bleiben müsse und die Mitgliedschaft Spaniens außer Frage stehe. Ein Sprecher der Bundesregierung wies in Berlin jegliche Überlegungen, der Status Spaniens in der Nato könne angefochten werden, unmissverständlich zurück. „Spanien ist ein Nato-Mitgliedstaat. Und ich sehe keinen Grund, warum sich das ändern sollte.” — Sprecher der Bundesregierung via NEWS 24/7 Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bezeichnete den Vorfall in Nikosia als Belastungsprobe für die grundlegenden Werte der Allianz. „Ich glaube, dass die Nato vereint bleiben muss. Ich denke, das ist ein Kapital, das wir besitzen.” — Giorgia Meloni via NewsIT Die koordinierten Reaktionen aus Berlin und Rom spiegeln die Sorge wider, dass die Enttäuschung Washingtons über die Haltung zum Iran-Feldzug das transatlantische Verhältnis in einer Phase geopolitischer Spannungen beschädigen könnte. Die britische Regierung bekräftigte unterdessen separat, dass ihre Position zur Souveränität der Falklandinseln unverändert bleibe, und trat damit den Andeutungen der E-Mail über einen Kurswechsel der USA entgegen.

Iran-Krieg belastet Bündnisbeziehungen nach Störungen im Seeverkehr Die diplomatischen Spannungen sind eine direkte Folge des militärischen Vorgehens der USA und Israels gegen den Iran, das Ende Februar 2026 begann und den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus massiv beeinträchtigte. US-Präsident Donald Trump hatte die Nato-Partner wiederholt für ihre unzureichende Unterstützung kritisiert; die Pentagon-E-Mail wird als konkreter Ausdruck dieser Frustration gewertet. Der britische Premierminister Keir Starmer erklärte, eine stärkere Beteiligung am Krieg oder an der Blockade iranischer Häfen liege nicht im Interesse des Vereinigten Königreichs. London räumte jedoch ein, den USA die Nutzung britischer Stützpunkte für Angriffe in der Straße von Hormus gestattet zu haben. Zudem waren Flugzeuge der Royal Air Force an Abfangeinsätzen gegen iranische Drohnen beteiligt. Das Vereinigte Königreich, Frankreich und andere europäische Nationen signalisierten Bereitschaft, die Straße von Hormus nach einem Waffenstillstand dauerhaft offen zu halten. Der Vorfall verdeutlicht die Kluft zwischen den Erwartungen Washingtons an die Bündnissolidarität und dem Beharren der Europäer auf völkerrechtliche Rahmenbedingungen und innenpolitische Erfordernisse.

Die Nato wurde 1949 mit der Unterzeichnung des Nordatlantikvertrags gegründet, der in Artikel 5 das Prinzip der kollektiven Verteidigung festlegte. Das Bündnis ist von ursprünglich 12 Mitgliedern auf nunmehr 32 Staaten in Europa und Nordamerika angewachsen. Der Vertrag sieht keine Bestimmungen für eine Suspendierung oder den Ausschluss von Mitgliedstaaten vor – ein strukturelles Merkmal, das seit Gründung unverändert blieb. Die Vereinigten Staaten betreiben zwei Militärbasen in Spanien: den Marinestützpunkt Rota und die Luftwaffenbasis Morón, die beide auf bilateralen Verteidigungsabkommen basieren. Der Souveränitätsstreit um die Falklandinseln zwischen dem Vereinigten Königreich und Argentinien ist seit dem Konflikt von 1982 ein beständiges diplomatisches Thema.

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