Papst Leo XIV. hat in einer Rede in Bamenda, Kamerun, scharfe Kritik an Staatsführern geäußert, die Milliarden in militärische Konflikte investieren. Die Äußerungen vom 16. April verschärfen den laufenden öffentlichen Konflikt zwischen dem Vatikan und dem Weißen Haus bezüglich des Nahost-Konflikts.
Scharfe Papst-Kritik
Papst Leo XIV. prangert Tyrannen und hohe Kriegsausgaben in einer Rede in Kamerun an.
Konflikt mit Washington
Die Äußerungen verschärfen die Spannungen mit der Trump-Regierung und Vizepräsident JD Vance.
Reaktion der US-Bischöfe
Die US-Bischofskonferenz weist die Kritik von JD Vance an der Friedensethik des Papstes zurück.
Lage in Kamerun
Der Papst fordert in Bamenda ein Ende der Gewalt und mahnt soziale Reformen sowie Menschenrechte an.
Papst Leo XIV. hat erklärt, dass die Welt von einer „Handvoll Tyrannen“ verwüstet werde, die Milliardenbeträge für Kriege ausgeben. Diese bislang schärfste öffentliche Kritik äußerte er am Donnerstag, den 16. April, während einer Rede in der St. Joseph's Cathedral in Bamenda, Kamerun. Die Worte fielen inmitten eines seit fast einer Woche andauernden Streits mit dem Weißen Haus über den von den USA und Israel geführten Krieg gegen den Iran. Der erste aus den USA stammende Pontifex nannte Präsident Donald Trump nicht namentlich, doch angesichts der eskalierenden persönlichen Spannungen zwischen dem Vatikan und Washington besaßen seine Ausführungen erhebliches Gewicht. Leo XIV., der sich auf einer 11 (Tage) — Dauer der aktuellen Afrika-Reise von Papst Leo XIV. elf Tage dauernden Afrika-Reise befindet, sprach vor einer Versammlung von Katholiken, Protestanten, Evangelikalen, Muslimen und traditionellen Stammesführern in Bamenda, dem Epizentrum des langjährigen anglophonen Konflikts in Kamerun. Seine Bemerkungen wurden von den Versammelten in der Kathedrale mit anhaltendem Applaus aufgenommen. Der Erzbischof von Bamenda, Andrew Nkea, erklärte, die Präsenz des Papstes verleihe der Bevölkerung, deren Leben seit fast einem Jahrzehnt beeinträchtigt sei, „neue Hoffnung“.„„Die Herren des Krieges geben vor, nicht zu wissen, dass die Zerstörung nur einen Augenblick dauert, doch oft ein ganzes Leben nicht ausreicht, um wiederaufzubauen.“” — Pope Leo XIV via NPR„„Wehe jenen, die die Religion und den Namen Gottes für ihren eigenen militärischen, wirtschaftlichen und politischen Gewinn manipulieren und das Heilige in Dunkelheit und Schmutz ziehen.“” — Pope Leo XIV via The Guardian„„Die Welt wird von einer Handvoll Tyrannen verwüstet, doch sie wird von einer Vielzahl stützender Brüder und Schwestern zusammengehalten.“” — Pope Leo XIV via The GuardianBamenda ist die Hauptstadt der Nordwest-Region Kameruns und steht im Zentrum der sogenannten anglophonen Krise, eines seit fast zehn Jahren andauernden Konflikts zwischen der Zentralregierung und englischsprachigen Separatisten, der tausende Todesopfer forderte. Der Besuch markierte das vierte Mal, dass ein Papst Kamerun während der seit 1982 währenden Präsidentschaft von Paul Biya besuchte. Die Wahl des Flughafens von Bamenda für eine Freiluftmesse besaß besondere Symbolkraft: Der Ort war 2019 Schauplatz separatistischer Gewalt, als ein Flugzeug der Camair angegriffen wurde; der Flughafen war seit jenem Jahr geschlossen und wurde eigens für den Empfang des Papstes wiedereröffnet. Trump veröffentlicht KI-Bild von sich als Christus und löscht es späterDie Rede erfolgte wenige Tage nachdem Trump Leo XIV. in sozialen Medien angegriffen und ihn als „schwach gegenüber Kriminalität und nachgiebig in der Außenpolitik“ bezeichnet hatte. Zudem legte Trump dem Papst nahe, sich auf religiöse Angelegenheiten statt auf Geopolitik zu konzentrieren. Trump veröffentlichte auf seiner Plattform Truth Social zudem ein KI-generiertes Bild, das ihn in einer Umarmung mit Jesus vor der US-Flagge zeigte. Nach heftiger Kritik löschte er den Beitrag. Vizepräsident JD Vance, ein konvertierter Katholik, schaltete sich ebenfalls ein und forderte den Papst auf, sich „aus der Politik herauszuhalten“ und sich ausschließlich auf „Fragen der Moral“ zu konzentrieren. Am Dienstag stellte Vance die Haltung des Papstes zum Iran-Krieg unter Berufung auf die katholische Tradition der Lehre vom gerechten Krieg infrage. Bei einer Veranstaltung an der University of Georgia argumentierte er: „Wenn der Papst sagt, dass Gott niemals auf der Seite derer ist, die das Schwert führen, widerspricht dem eine über 1.000-jährige Tradition der Lehre vom gerechten Krieg.“ Leo XIV. erklärte gegenüber Reportern auf dem Flug nach Algerien zu Beginn seiner Reise, dass er Trump nicht fürchte und sich nicht als Politiker sehe.„„Ich sehe meine Rolle nicht als die eines Politikers. Ich bin kein Politiker und möchte keine Debatte mit ihm führen.“” — Pope Leo XIV via Irish Examiner„„Ich spreche mich weiterhin entschieden gegen den Krieg aus und bemühe mich, den Frieden, den Dialog und den Multilateralismus zwischen den Staaten zu fördern, um Lösungen für Probleme zu finden.“” — Pope Leo XIV via Irish Examiner US-Bischöfe kritisieren Vances Argumentation zum gerechten KriegDie US-Bischofskonferenz (USCCB) veröffentlichte am Mittwoch, den 15. April, eine ungewöhnlich deutliche Stellungnahme, in der sie den Papst verteidigte und Vances Interpretation der Lehre vom gerechten Krieg zurückwies. In der Erklärung, die James Massa, dem Vorsitzenden des Doktrinausschusses der Konferenz, zugeschrieben wird, hieß es, Vance habe die Position des Papstes falsch dargestellt. Ein fester Grundsatz der Tradition sei, dass eine Nation das Schwert nur „zur Selbstverteidigung ergreifen darf, wenn alle Friedensbemühungen gescheitert sind“ – genau dies habe der Papst betont. Zudem wurde klargestellt, dass Leo XIV., wenn er als oberster Hirte der Weltkirche spreche, „nicht bloß theologische Meinungen äußert, sondern das Evangelium verkündet und seinen Dienst als Stellvertreter Christi ausübt.“ Die Wortmeldung gilt als seltener Fall, in dem die US-Kirchenführung einem amtierenden Vizepräsidenten in Fragen der kirchlichen Lehre öffentlich widerspricht.„„Seit über tausend Jahren lehrt die katholische Kirche die Theorie des gerechten Krieges, und genau auf diese lange Tradition bezieht sich der Heilige Vater in seinen Kommentaren zum Krieg sehr sorgfältig.“” — James Massa via The Guardian Papst trifft Biya und mahnt Beteiligung von Frauen und Jugend anVor seiner Reise nach Bamenda traf Leo XIV. den kamerunischen Präsidenten Paul Biya im Palast in Jaunde sowie Vertreter der Zivilgesellschaft und des diplomatischen Korps. Dabei forderte er die Behörden auf, die Stimmen von Frauen, Jugendlichen und der Zivilgesellschaft stärker in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Er bezeichnete junge Menschen als „Hoffnung Kameruns und der Kirche“. Zudem verurteilte er Korruption und mahnte die Achtung der Menschenrechte an; Frieden dürfe „nicht zu einer bloßen Worthülse verkommen“. Biya, der seit 1982 amtiert und 2025 für eine achte Amtszeit wiedergewählt wurde, hatte laut BBC versprochen, Frauen und Jugendliche vorrangig zu berücksichtigen. Nach dem Treffen besuchte der Papst ein Waisenhaus und traf Bischöfe, bevor er nach Bamenda weiterreiste. Die Afrika-Tour, die mit Stationen in Algerien vom 13. bis 15. April begann, wird mit Besuchen in Angola (18. bis 21. April) und Äquatorialguinea (21. bis 23. April) fortgesetzt.Afrika-Reise von Papst Leo XIV.: — ; — ; — ; —
Mentioned People
- Leo XIV — Papież Kościoła katolickiego od maja 2025 roku
- Donald Trump — 47. prezydent Stanów Zjednoczonych
- JD Vance — 50. wiceprezydent Stanów Zjednoczonych
- Paul Biya — drugi prezydent Kamerunu, sprawujący urząd od 1982 roku
- James Massa — przewodniczący komisji ds. doktryny Konferencji Episkopatu USA
Sources: 33 articles
- The Debate - Leo and "the tyrants": Does new pope's defiant message resonate? (France 24)
- Papst gegen Kriegstreiber: Handvoll Tyrannen zerstört Welt (Blick.ch)
- Friedensappell: Papst Leo XIV. verurteilt jede Form der Kriegstreiberei (ZEIT ONLINE)
- Papst Leo XIV auf Afrika-Reise: "Welt wird von Handvoll Tyrannen zerstört (RP Online)
- Pope Leo decries 'handful of tyrants' ravaging the world (RTE.ie)
- Il monito del Papa: "Non piegare Dio ai propri obiettivi militari e politici" (Tgcom24)
- Pope says world 'is being ravaged by tyrants' as row with Trump continues (POLITICO)
- Au Cameroun, Léon XIV pourfend la (Courrier international)
- 'Le monde est en train d'être ravagé par une poignée de tyrans', fustige le Pape lors de sa visite au Cameroun - RTBF Actus (RTBF)
- Pope Leo takes aim at 'handful of tyrants' spending billions on war. (NPR)