Die iranische Menschenrechtsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi befindet sich nach Angaben ihrer Familie in einem kritischen Gesundheitszustand. Nach einem Herzinfarkt Ende März im Gefängnis von Sandschan wird vor einer unmittelbaren Lebensgefahr für die 53-Jährige gewarnt.
Akute Lebensgefahr
Nach einem Herzinfarkt Ende März verschlechtert sich der Zustand von Narges Mohammadi im Gefängnis massiv; die Familie warnt vor irreparablen Schäden.
Mangelnde Versorgung
Mohammadis Bruder berichtet von verweigerten Medikamenten und der Unterbringung mit Gewaltverbrechern, von denen sie Todesdrohungen erhält.
Verschärfte Haftstrafen
Zusätzlich zu ihrer jahrelangen Haft wurde sie im Februar 2026 wegen Gefährdung der nationalen Sicherheit zu weiteren sechs Jahren Gefängnis verurteilt.
Narges Mohammadi, die iranische Menschenrechtsaktivistin, die 2023 den Friedensnobelpreis erhielt, befindet sich nach einem Herzinfarkt Ende März 2026 im Gefängnis von Sandschan im Norden Irans in einem kritischen Zustand. Dies gaben ihre Familie und ihre Stiftung am Mittwoch bekannt. Familienangehörigen und ihrem Anwaltsteam wurde am Samstag ein zweiter persönlicher Besuch gestattet, bei dem deutliche Anzeichen einer Verschlechterung ihres Allgemeinzustands festgestellt wurden. Die Mohammadi-Stiftung bezeichnete ihre körperliche Verfassung als kritisch und warnte davor, dass die Fortsetzung der aktuellen Situation eine unmittelbare und irreversible Bedrohung für ihr Leben darstelle. Die 53-jährige Mohammadi wird seit Februar 2026 in Sandschan festgehalten, nachdem sie nach ihrer Festnahme im Dezember 2025 in der östlichen Stadt Maschhad ohne vorherige Ankündigung dorthin verlegt worden war. Das Nobelkomitee würdigte mit der Preisverleihung ihren mehr als zwei Jahrzehnte währenden Einsatz gegen die Unterdrückung von Frauen und die Todesstrafe im Iran; ihre beiden Kinder nahmen die Auszeichnung in Oslo stellvertretend entgegen. Bruder berichtet von Todesdrohungen und verweigerter MedikationMohammadis in Norwegen lebender Bruder, Hamidreza Mohammadi, beschrieb den körperlichen Verfall detailliert und erklärte, sie sei extrem geschwächt und habe seit ihrem Herzinfarkt erheblich an Gewicht verloren. „Die Fortsetzung dieser Situation stellt eine unmittelbare und irreversible Bedrohung für das Leben von Narges Mohammadi dar.” — Mohammadi Foundation via RFI Hamidreza Mohammadi berichtete zudem, dass seine Schwester in einer Zelle mit wegen Mordes angeklagten Häftlingen untergebracht sei und wiederholt Todesdrohungen von einigen von ihnen erhalten habe. Er gab an, dass Mohammadi Medikamente und Behandlungen verweigert würden, was die ohnehin unzureichende medizinische Versorgung verschärfe, die bereits in der Vergangenheit von Unterstützern kritisiert worden war – einschließlich Forderungen nach dringender kardiologischer Betreuung. Ende März, nach einem ersten Besuch ihrer Anwälte und eines Familienmitglieds, meldete ihr Umfeld, dass der erlittene Herzinfarkt offenbar unzureichend behandelt worden sei. Mitgefangene sollen Mohammadi laut einer vom „Tagesspiegel“ zitierten Erklärung am 24. März bewusstlos in ihrer Zelle gefunden haben. Das Gefängnis in Sandschan war zudem während der am 28. Februar 2026 begonnenen militärischen Kampagne der USA und Israels gegen den Iran Bombardierungen ausgesetzt, was ihre Lage weiter erschwerte und die Kommunikation mit ihrer Familie einschränkte. Zusätzliche Haftstrafe während der Niederschlagung von ProtestenIm Februar 2026 verurteilte ein iranisches Gericht Mohammadi laut ihrem Anwalt zu weiteren sechs Jahren Haft wegen Gefährdung der nationalen Sicherheit sowie zu anderthalb Jahren wegen Propaganda gegen das islamische System Irans. Zudem wurde ein zweijähriges Ausreiseverbot verhängt. Auf ihre Haftbedingungen reagierte sie mit einem fast einwöchigen Hungerstreik, um das Recht auf Telefonate einzufordern. Mohammadi war am 12. Dezember 2025 in Maschhad festgenommen worden, nachdem sie die iranische Führung während einer Trauerfeier für einen zuvor tot aufgefundenen Anwalt kritisiert hatte. Ihre Festnahme erfolgte kurz vor dem Ausbruch landesweiter Proteste Ende Dezember 2025 – eine Bewegung, die ihren Höhepunkt im Januar 2026 erreichte, als die Behörden ein hartes Vorgehen einleiteten, das Aktivisten zufolge tausende Todesopfer forderte. Im Dezember 2024 war Mohammadi aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend aus dem Evin-Gefängnis in Teheran entlassen worden, wobei betont wurde, dass dies nur temporär sei und sie den Iran nicht verlassen dürfe. Fünfundzwanzig Jahre Haft, Kinder seit 2015 nicht gesehenMohammadi wurde in den vergangenen 25 Jahren aufgrund ihres Aktivismus gegen den Kopftuchzwang und die Todesstrafe im Iran wiederholt vor Gericht gestellt und inhaftiert; den Großteil des letzten Jahrzehnts verbrachte sie hinter Gittern. Ihre beiden in Paris lebenden Kinder hat sie seit 2015 nicht mehr gesehen. Die aktuelle Inhaftierung ist laut „Süddeutscher Zeitung“ ihre vierzehnte Festnahme. Ihr Fall hat international Aufmerksamkeit erregt und gilt als Symbol für den Umgang des iranischen Staates mit Menschenrechtsverteidigern, insbesondere mit Frauen, die sich gegen Kleidungsvorschriften und die Todesstrafe wenden.Narges Mohammadi ist seit mehr als zwei Jahrzehnten eine prominente Figur der iranischen Zivilgesellschaft und wurde für ihren Aktivismus wiederholt inhaftiert. Sie wurde am 21. April 1972 geboren. Der Friedensnobelpreis wurde ihr 2023 während ihrer Haft verliehen, ihre Kinder nahmen den Preis in Oslo entgegen. Zuvor war sie im Evin-Gefängnis in Teheran inhaftiert, einer der berüchtigtsten Haftanstalten Irans, bevor sie im Dezember 2024 aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend entlassen wurde. Ihr Fall ist regelmäßig Gegenstand internationaler Menschenrechtskampagnen, wobei Organisationen wiederholt ihre bedingungslose Freilassung forderten.Narges Mohammadi — Wichtige Ereignisse: — ; — ; — ; — ; —
Mentioned People
- Narges Mohammadi — Irańska aktywistka praw człowieka i laureatka Pokojowej Nagrody Nobla, obecnie uwięziona w Iranie
- Hamidreza Mohammadi — Brat Narges Mohammadi mieszkający w Norwegii
Sources: 16 articles
- Iran: Die Nobelpreisträgerin im Gefängnis der Mullahs (Süddeutsche Zeitung)
- Лауреат Нобелевской премии Наргиз Мохаммади находится в тяжелом состоянии в иранской тюрьме (RFI)
- Narges Mohammadi in Lebensgefahr (Frankfurter Allgemeine)
- Narges Mohammadi, Nobel de la Paz detenida en Irán, en estado crítico, denuncian sus allegados (France 24)
- Im Iran inhaftiert: Nobelpreisträgerin Mohammadi soll in Lebensgefahr schweben (Der Tagesspiegel)
- Laureata Premiului Nobel pentru Pace, Narges Mohammadi, se află în stare critică într-o închisoare din Iran (G4Media.ro)
- Laureata Premiului Nobel pentru Pace, Narges Mohammadi, în stare critică într-o închisoarea din Iran - Știrile ProTV (Stirile ProTV)
- Inhaftierte Nobelpreisträgerin Mohammadi laut Bruder in kritischem Zustand (watson.ch/)
- Iran-Krieg: Iran-Krieg macht USA fast zum Netto-Exporteur von Rohöl (Handelsblatt)
- Narges Mohammadi : Nobelpreisträgerin Mohammadi soll in kritischem Zustand sein (ZEIT ONLINE)