Österreich will sozialen Netzwerken für Kinder unter 14 Jahren den Zugang verwehren. Die Regierung aus ÖVP, SPÖ und NEOS stellte den Plan am 27. März vor und verweist auf Schutz vor Abhängigkeit, Manipulation und schädlichen Inhalten. Ein Gesetzentwurf soll bis zum Sommer 2026 vorliegen, die genaue Altersprüfung ist jedoch noch offen.
Österreich plant Verbot für Unter-14-Jährige
Die Regierung will soziale Medien für Kinder unter 14 Jahren verbieten und verweist auf Abhängigkeit und Manipulation durch Plattformen.
Gesetzentwurf soll bis Juni 2026 vorliegen
Ein Entwurf ist bis Ende Juni 2026 geplant. Die konkrete Methode zur Altersprüfung ist weiter nicht entschieden.
Medienkunde als zweiter Baustein
Neben dem Verbot soll das Pflichtfach „Medien und Demokratie“ Schülerinnen und Schüler für Desinformation sensibilisieren.
FPÖ spricht von Zensur
Die Freiheitlichen kritisieren den Plan als Angriff auf die Meinungsfreiheit und weisen den Kinderschutz als Begründung zurück.
Österreich hat Pläne angekündigt, soziale Medien für Kinder unter 14 Jahren zu verbieten. Vizekanzler Andreas Babler und Bildungsminister Christoph Wiederkehr stellten die Maßnahme am 27. März auf einer Pressekonferenz vor. Die Dreiparteien-Koalitionsregierung erklärte, das Verbot richte sich gegen Plattformen, die algorithmische Mechanismen nutzten, um bei jungen Nutzerinnen und Nutzern Abhängigkeit zu fördern. Babler, der als Vizekanzler und Bundesminister für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport amtiert, beschrieb die Plattformen als gezielt so konstruiert, dass sie Kinder abhängig machten. Die Regierung sagte, sie wolle den Gesetzentwurf möglichst schon im Sommer 2026 vorlegen, mit dem Ziel, ihn danach so rasch wie möglich in Kraft zu setzen. Mit der Ankündigung reiht sich Österreich in mehrere andere europäische Staaten ein, die eine digitale Volljährigkeit für soziale Netzwerke einführen wollen.
„Es ist für Eltern fast unmöglich, die Nutzung ihrer Kinder auf diesen Plattformen zu kontrollieren, die darauf ausgelegt sind, sie gezielt abhängig zu machen.” — Andreas Babler via RTE
Gesetzentwurf bis Juni geplant, Altersprüfung weiter offen Alexander Pröll, der Staatssekretär für Digitalisierung im Büro von Bundeskanzler Christian Stocker, sagte, der Gesetzentwurf solle bis Ende Juni 2026 ausgearbeitet und anschließend dem Parlament vorgelegt werden. Pröll erklärte, zur Überprüfung des Alters der Nutzerinnen und Nutzer sollten „technisch moderne Methoden“ eingesetzt werden, die zugleich die Privatsphäre schützen. Einzelheiten zu dem Verfahren nannte er auf der Pressekonferenz nicht. Babler räumte ein, dass sich die drei Koalitionspartner — die ÖVP, die SPÖ und die NEOS — bislang nicht auf eine bestimmte Methode zur Altersverifikation verständigt hätten. Die Regierung stellte die Maßnahme als Reaktion auf aus ihrer Sicht unrealistische Schönheitsideale, die Verherrlichung von Gewalt, Desinformation und algorithmische Manipulation dar. Stockers Regierung, die im März 2025 ihr Amt antrat, hat den Schutz Minderjähriger im Netz zu einer erklärten Priorität der Gesetzgebung gemacht.
„Soziale Medien sind so gestaltet, dass sie Kinder gezielt abhängig machen, und für Eltern ist es fast unmöglich, die Nutzung dieser Plattformen durch ihre Kinder zu überwachen.” — Andreas Babler via Deutsche Welle
72.000 Schülerinnen und Schüler nahmen an dreiwöchigem Handyverzicht teil Die Ankündigung folgte dem Abschluss eines dreiwöchigen Experiments ohne Mobiltelefon, das vom Bildungsministerium organisiert worden war und an dem 72.000 Schülerinnen und Schüler sowie ihre Familien in ganz Österreich teilnahmen. Bildungsminister Christoph Wiederkehr sagte, die Rückmeldungen aus dem Experiment deuteten darauf hin, dass die Schülerinnen und Schüler eine Art Entzug erlebt hätten und die schädlichen Folgen ihres übermäßigen Konsums sozialer Medien erkannt hätten. Neben dem Verbot will die Regierung ein neues Pflichtfach mit dem Titel „Medien und Demokratie“ einführen. Es soll den Kindern helfen, sachliche Informationen von Falschmeldungen zu unterscheiden und antidemokratische Einflussversuche zu erkennen. Wiederkehr, der in der Regierung Stocker als Bundesminister für Bildung amtiert, stellte das neue Unterrichtsfach als ergänzende Maßnahme zum Verbot dar. Der doppelte Ansatz — rechtliche Einschränkung und Medienbildung — spiegele eine breitere Strategie wider, die sowohl den Zugang als auch das Bewusstsein junger Menschen betreffen solle.
„Die Rückmeldungen, die wir haben, sind, dass dies für die Schülerinnen und Schüler eine Art Entzugserfahrung war und dass ihnen die schädlichen Wirkungen ihres übermäßigen Konsums bewusst geworden sind.” — Christoph Wiederkehr via RTE
In den vergangenen Jahren haben mehrere Mitgliedstaaten der Europäischen Union den Zugang Minderjähriger zu sozialen Medien eingeschränkt. Frankreich, Spanien und Dänemark haben angekündigt, eine digitale Volljährigkeit für soziale Netzwerke einführen zu wollen, während Irland ähnliche Schritte ebenfalls prüft. Österreichs Vorstoß erfolgt inmitten zunehmenden juristischen Drucks auf Technologieunternehmen in den Vereinigten Staaten. Dort befand ein Zivilgericht in Los Angeles Meta und Google für mitverantwortlich dafür, dass ein junges Mädchen über Instagram und YouTube in eine Depression geraten sei. Das Gericht stellte fest, die Unternehmen hätten junge Nutzerinnen und Nutzer nicht ausreichend vor den Risiken übermäßiger Nutzung gewarnt. Eine separate Jury in Santa Fe befand Meta ebenfalls für haftbar, weil das Unternehmen minderjährige Nutzerinnen und Nutzer von Facebook und Instagram gefährdet habe.
Rechtspopulistische FPÖ nennt die Maßnahme Zensur Die rechtspopulistische FPÖ, die bei der österreichischen Parlamentswahl 2024 die meisten Stimmen erhielt, aber keine Regierung bilden konnte, kritisierte das geplante Verbot scharf. FPÖ-Abgeordnete Katayun Pracher-Hilander warf der Koalition vor, den Kinderschutz als Vorwand zu nutzen, um politischen Widerspruch im Netz zu unterdrücken. Die Partei stellte die Maßnahme als Versuch dar, kritische Stimmen, alternative Medien und patriotische Kräfte zum Schweigen zu bringen, die auf sozialen Netzwerken an Reichweite gewonnen hätten. Die FPÖ sprach von einem „Frontalangriff auf die Meinungsfreiheit“ und zog damit eine klare Trennlinie zwischen der Darstellung der Regierung als Frage der Sicherheit von Kindern und der Deutung der Opposition als Zensurvorhaben. Die Regierung hat sich zu dieser Darstellung der FPÖ bislang nicht öffentlich geäußert.
Mentioned People
- Andreas Babler — Wicekanclerz Republiki Austrii i federalny minister ds. mieszkalnictwa, sztuki, kultury, mediów oraz sportu
- Christian Stocker — Federalny kanclerz Republiki Austrii
- Christoph Wiederkehr — Federalny minister edukacji w rządzie Stockera
- Alexander Pröll — Sekretarz stanu w Federalnej Kancelarii w rządzie Stockera
Sources: 2 articles
- Die Altersgrenze im Internet - ein Verbot, das allen hilft (der Standard)
- Austria plans social media ban for children under 14 (Reuters)
- Social-Media-Verbot: Österreich plant Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige (ZEIT ONLINE)
- Austria to ban social media for children under 14 (RTE.ie)
- Avusturya: Bir ülke daha çocuklara sosyal medyayı yasaklıyor (Deutsche Welle)
- Austria Plans Social-Media Ban for Kids as It Awaits EU Rules (Bloomberg Business)
- Österreich plant Social-Media-Verbot unter 14 Jahren (stern.de)
- Österreich plant Social-Media-Verbot unter 14 Jahren - WELT (DIE WELT)
- Altersbeschränkung: Österreich plant Social-Media-Verbot unter 14 Jahren (Der Tagesspiegel)
- Debatte in EU: Österreich will Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige (N-tv)