Der spanische Senat hat eine formelle Untersuchung zum Bahnnetz des Landes eingeleitet. Im Mittelpunkt steht der Unfall vom 18. Januar in Adamuz bei Córdoba mit 46 Toten. Die Volkspartei will zudem mögliche systemische Fehler, mutmaßliche Korruption bei öffentlichen Aufträgen und den Einsatz europäischer Mittel prüfen.
Senat setzt Untersuchungskommission ein
Der Senat hat eine formelle Untersuchung zum Bahnnetz begonnen und mehrere frühere Verkehrsminister vorgeladen.
Adamuz und Gélida werden gemeinsam geprüft
Die Kommission untersucht neben dem Unfall von Adamuz auch den späteren Vorfall in Gélida bei Barcelona.
PP stellt Korruption und EU-Mittel in den Mittelpunkt
Geprüft werden sollen öffentliche Aufträge, Kostenüberschreitungen, Notvergaben und der Einsatz europäischer Mittel.
Bis zu 78 Zeugen sollen aussagen
Auf der Liste stehen unter anderem Óscar Puente, José Luis Ábalos, Raquel Sánchez, Koldo García und Isabel Pardo de Vera.
Möglicher Gang zur Staatsanwaltschaft
Sollte die Kommission strafbares Verhalten feststellen, will die PP den Fall direkt weitergeben.
Spanien's Senat hat am Freitag eine formelle Untersuchungskommission zum Bahnnetz des Landes eingesetzt und den amtierenden Verkehrsminister Óscar Puente sowie zwei seiner Vorgänger vorgeladen, um sich zum Unfall vom 18. Januar in Adamuz bei Córdoba zu äußern, bei dem 46 Menschen ums Leben kamen. Die Volkspartei, die den Senat mit absoluter Mehrheit kontrolliert, legte den Arbeitsplan der Kommission über ihre Senatssprecherin Alicia García vor. Sie stellte das Unglück nicht als Einzelfall dar, sondern als Ergebnis eines systemischen Versagens. Untersucht werden soll auch ein weiterer Unfall in Gélida bei Barcelona, der wenige Tage später im Januar 2026 geschah. García kündigte an, die PP wolle der von ihr so genannten „Spur des Geldes“ folgen und mutmaßliche Korruption bei öffentlichen Verträgen sowie den Einsatz europäischer Mittel in den Blick nehmen.
78 Zeugen, drei frühere Minister im Fokus Auf der Zeugenliste der Kommission stehen nach Angaben von El Mundo bereits 78 (Personen) — 78 Personen, ohne dass eine Erweiterung ausgeschlossen wäre; La Vanguardia berichtete allerdings von 73. Vorgeladen werden sollen Puente, der frühere Verkehrsminister José Luis Ábalos und die frühere Ministerin Raquel Sánchez, die das Ressort zwischen 2018 und heute nacheinander geführt haben. Ebenfalls auf der Liste stehen Koldo García, früher Mitglied des RENFE-Verwaltungsrats und früherer Berater von Ábalos, sowie Isabel Pardo de Vera, die als frühere Staatssekretärin für Verkehr und frühere Präsidentin von Adif fungierte. Ábalos und Koldo García kamen im November 2025 im Zusammenhang mit einem separaten Korruptionsverfahren in Untersuchungshaft. Auch Pardo de Vera wird im sogenannten Koldo-Fall als Beschuldigte geführt. „Was geschehen ist, war kein isoliertes Ereignis und keine Fehlerkette, sondern ein Versagen des Systems und der Regierung” — Alicia García via El Mundo
Ein Jahr, drei Phasen und möglicherweise ein Verweis an die Staatsanwaltschaft Die Arbeit der Kommission ist auf ein Jahr angelegt und in drei klar voneinander getrennte Phasen unterteilt: Sammlung von Unterlagen, Anhörungen und Ausarbeitung von Schlussfolgerungen. In der ersten Phase sollen umfangreiche Dokumente von nationalen und europäischen Stellen angefordert werden, darunter Berichte zu sämtlichen Arbeiten am Netz, der Schriftverkehr rund um den Zeitpunkt des Unfalls von Adamuz, Unterlagen der Europäischen Staatsanwaltschaft zum Einsatz europäischer Mittel sowie Akten zu mutmaßlich manipulierten Adif-Verträgen. In der zweiten Phase sollen Politiker, frühere Spitzenbeamte, technische Experten, Unternehmen der Branche sowie Vertreter von Beschäftigten und Nutzern angehört werden. Nach Vorlage des Abschlussberichts wird dieser dem Plenum des Senats zur Debatte und Abstimmung vorgelegt. Die PP hat ausdrücklich erklärt, sie werde die Sache direkt an die Staatsanwaltschaft weiterleiten, falls die Kommission Anhaltspunkte für strafbares Verhalten feststelle.
Das spanische Bahnnetz steht seit Jahren wegen Sicherheits- und Wartungsfragen in der Kritik. Der Unfall von Adamuz am 18. Januar 2026, bei dem die hinteren Wagen eines von dem privaten italienischen Betreiber Iryo eingesetzten Zuges mit hoher Geschwindigkeit auf einem geraden Streckenabschnitt entgleisten, gehörte zu den schwersten Eisenbahnunfällen in Europa seit längerer Zeit. Ein separater Unfall bei Gélida in der Nähe von Barcelona ereignete sich ungefähr zur selben Zeit im Januar 2026, als ein Rodalies-Pendlerzug gegen eine Stützmauer prallte, die auf die Strecke gestürzt war. Die Untersuchung der PP versteht sich als Abdeckung des gesamten Zeitraums der Bahnverwaltung seit dem Misstrauensvotum von 2018, das Mariano Rajoy als Ministerpräsident ablöste und Pedro Sánchez an die Macht brachte.
Korruptionsspur und europäische Mittel im Blick Über die unmittelbaren Sicherheitsmängel hinaus rückt die PP mutmaßliche finanzielle Unregelmäßigkeiten in den Mittelpunkt ihrer Untersuchung. Die Partei erklärte, sie werde Änderungen an öffentlichen Bauverträgen, Kostenüberschreitungen und Notvergaben prüfen, die nach ihrer Auffassung Mittel von der Instandhaltung des Netzes abgezogen haben könnten. Die Kommission soll außerdem den Einsatz europäischer Mittel untersuchen, die über das Verkehrsministerium und die ihm unterstellten öffentlichen Unternehmen Adif und RENFE flossen. Der Untersuchungsrahmen umfasst alle Kategorien des Bahnverkehrs — Fernverkehr, Hochgeschwindigkeit, Mittelstrecke, Cercanías und Rodalíes — mit Blick auf Investitionsniveau, Managemententscheidungen und Erneuerungsverträge. Alicia García verwies zudem auf die Sperrung der Hochgeschwindigkeitsstrecke Madrid-Málaga während der Karwoche als Beleg für den derzeitigen Zustand des Netzes und nannte die wirtschaftlichen Schäden sowie die Beeinträchtigungen für Reisende. Ziel der PP sei es, die politische Verantwortung für das festzustellen, was sie als „beschleunigten Verfall eines öffentlichen Vermögenswerts“ bezeichnete, das noch vor wenigen Jahren ein Grund nationalen Stolzes gewesen sei.
Wichtige Ereignisse in der spanischen Bahnkrise: — ; — ; — ; — ; —
Mentioned People
- Óscar Puente — Minister transportu w rządzie Hiszpanii od listopada 2023 roku
- Alicia García — Rzeczniczka parlamentarnej grupy Partii Ludowej w Senacie od listopada 2023 roku
- José Luis Ábalos — Były minister rozwoju (2018–2021) i były deputowany z Walencji
- Raquel Sánchez — Prezes Paradores i była minister transportu (2021–2023)
- Isabel Pardo de Vera — Była sekretarz stanu ds. transportu i była szefowa Adif
- Koldo García — Były doradca José Luisa Ábalosa zamieszany w dużą sprawę korupcyjną
- Pedro Sánchez — Premier Hiszpanii
Sources: 3 articles
- Vox quiere que Sánchez, Puente, Ábalos y Koldo comparezcan en la... (europa press)
- El PP llama a comparecer a Puente, Koldo y Ábalos en la comisión de investigación del Senado sobre el accidente de Adamuz (LaSexta)
- El PP plantea citar en el Senado a Puente, Ábalos, Koldo y Raquel Sánchez por el accidente de Adamuz (eldiario.es)
- El PP citará a Óscar Puente, Ábalos, Koldo y la exministra Raquel Sánchez en la comisión del Senado sobre Adamuz (20 minutos)
- El PP citará en el Senado a Puente, Ábalos y Koldo por los accidentes de Adamuz y Gelida (El Periódico)
- El Senado inicia la investigación por Adamuz: citará a Ábalos, Puente y Koldo y el PP ya mira a la Fiscalía (La Razón)
- El Senado citará a Ábalos y Puente en la investigación por Adamuz y Gélida (LaVanguardia)
- El PP citará en la comisión de investigación del accidente de Adamuz a Puente, Ábalos, Pardo de Vera, Koldo y Raquel Sánchez (EL MUNDO)