Der Bundestag hat am 27. März 2026 die private Altersvorsorge grundlegend neu geordnet. Die lange kritisierte Riester-Rente soll zum 1. Januar 2027 durch ein neues Altersvorsorgedepot ersetzt werden. Kern des Umbaus ist der Verzicht auf die starre Beitragsgarantie, die bislang renditestärkere Anlagen weitgehend verhindert hatte.

Riester-Rente wird ersetzt

Der Bundestag beschließt das Ende des alten Systems und den Start eines Altersvorsorgedepots ab 1. Januar 2027.

Beitragsgarantie fällt weg

Künftige Verträge sollen stärker auf Kapitalmarktanlagen setzen, statt Einzahlungen vollständig zu garantieren.

Kosten sollen sinken

Für das öffentliche Standard-Depot ist eine effektive Kostenobergrenze von 1,0 Prozent vorgesehen.

Auch Selbstständige werden einbezogen

Die Reform öffnet die staatlich geförderte private Vorsorge erstmals auch für Selbstständige.

Geteilte Reaktionen auf die Reform

Gewerkschaften, Arbeitgeber und Verbraucherverbände bewerten den Umbau teils sehr unterschiedlich.

Der Deutsche Bundestag hat am 27. März 2026 eine weitreichende Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen und die seit Langem kritisierte Riester-Rente durch ein neues System eines „Altersvorsorgedepots“ ersetzt, das zum 1. Januar 2027 an den Start gehen soll. Die Reform, getragen von der Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD unter Bundeskanzler Friedrich Merz, gibt die bisher verbindliche Beitragsgarantie auf, die die Renditechancen im alten System lange begrenzt hatte. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und der Unionsfraktionschef Jens Spahn äußerten sich beide zustimmend zu dem Umbau, auch wenn die Reaktionen aus der Opposition und von Branchenvertretern unterschiedlich ausfielen. Das Gesetz ist die tiefgreifendste Neuordnung der privaten Rentenlandschaft in Deutschland seit der Einführung des Riester-Systems vor mehr als zwei Jahrzehnten.

Neues Depot setzt statt Garantien auf Kapitalmarktrenditen Der zentrale Punkt der Reform ist der Wegfall der Vorgabe, dass Anbieter zu Beginn des Ruhestands alle eingezahlten Beiträge und Zulagen garantieren müssen. Diese Regel hatte im alten Riester-Rahmen eine nennenswerte Anlage am Kapitalmarkt faktisch unmöglich gemacht. Im neuen System sollen Sparer Geld in einem Altersvorsorgedepot anlegen können, das in Aktienfonds und ETFs investiert ist und dafür Marktrisiken in Kauf nimmt, um höhere mögliche Renditen zu erzielen. Wer stärker auf Sicherheit setzen will, soll nach Angaben der Tagesschau weiterhin Garantieprodukte wählen können, die 80 oder 100 Prozent der Beiträge und Zulagen absichern. Vorgesehen ist zudem ein öffentlich organisierter Standard-Depot, dessen jährliche effektive Kosten laut Tagesschau auf 1,0 Prozent gedeckelt werden sollen — nach dem bisherigen Höchstwert von 1,5 Prozent —, um den Wettbewerb mit privaten Finanzinstituten zu erhöhen. Abschlusskosten sollen über die Laufzeit des Vertrags verteilt werden, ein Wechsel des Anbieters soll erleichtert werden, und Auszahlungspläne bis mindestens zum 85. Lebensjahr sollen neben lebenslangen Renten möglich sein. Die Reform erweitert außerdem den Zugang zur staatlich geförderten privaten Vorsorge auf Selbstständige, die bisher vom Riester-System ausgeschlossen waren.

Reform der Kostenobergrenze bei der privaten Altersvorsorge: Effektive Kostenobergrenze (before: 1,5 Prozent pro Jahr, after: 1,0 Prozent pro Jahr); Neue Riester-Verträge (before: Verfügbar, after: Ab 1. Januar 2027 keine neuen Verträge); Beitragsgarantie (before: Verpflichtend (100 Prozent der Beiträge), after: Optional — Garantie- oder marktgebundene Produkte); Zugang für Selbstständige (before: Ausgeschlossen, after: Eingeschlossen)

Der Niedergang der Riester-Rente machte die Reform politisch unvermeidlich Die Riester-Rente wurde 2002 unter der rot-grünen Regierung von Kanzler Gerhard Schröder als Reaktion auf Kürzungen beim gesetzlichen Rentenniveau eingeführt. Ziel war es, Geringverdienern, jungen Beschäftigten und Familien mit staatlichen Zulagen und Steuervorteilen den Aufbau zusätzlicher Altersvorsorge zu ermöglichen. Die Zahl der Riester-Verträge stieg nach dem Start schnell an und erreichte Ende 2017 mit mehr als 16,6 Millionen Verträgen ihren Höchststand, wie aus in den Quellenartikeln zitierten Regierungszahlen hervorgeht. Seit 2018 geht die Zahl stetig zurück und lag Ende 2024 bei knapp unter 15 Millionen Verträgen. Bis zu ein Viertel der bestehenden Verträge wird nach Angaben der Tagesschau nicht mehr aktiv bespart. Das System geriet wegen hoher Verwaltungskosten, schwacher Renditen und einer komplexen Förderstruktur, von der eher die Anbieter als die Sparer profitierten, dauerhaft in die Kritik.

Die politische Dringlichkeit der Reform wurde durch die Reichweite der Riester-Rente in Deutschland deutlich, besonders in Bayern. Nach Angaben des Bayerischen Rundfunks hatten 14% (der Einwohner) — Anteil der Bayern mit einem Riester-Vertrag im Beitragsjahr 2022 der Menschen in Bayern im Beitragsjahr 2022 einen Riester-Vertrag, verglichen mit einem bundesweiten Durchschnitt von 12 Prozent. Das entsprach rund 1,89 Millionen Verträgen allein im Freistaat und 9,67 Millionen bundesweit. Die Grünen enthielten sich bei der Abstimmung im Bundestag. Sie begrüßten die Entscheidung für ein öffentliches Standard-Depot, kritisierten aber, dass die Koalition weiterhin darauf setze, dass Sparer selbst aktiv einen Vertrag abschlössen, und warnten, viele Menschen würden erneut außen vor bleiben. Die Linke stimmte gegen die Reform. Die AfD enthielt sich ebenfalls.

2017: 16.6, 2024: 15.0

Gewerkschaften sehen keine sicheren Leistungen, Arbeitgeber halten Reform für zu zögerlich Die Reaktionen aus Arbeitnehmerschaft und Wirtschaft machten deutlich, dass die Reform mehrere Spannungen nicht auflöst. „Das neue Angebot schafft keine sichere Altersvorsorge, sondern ein neues Labyrinth von Angeboten, die zwar gefördert, aber dennoch einseitig von Beschäftigten finanziert werden, ohne garantierte Leistungen” — IG Metall via stern.de Der Arbeitgeberverband BDA erkannte zwar einen kleinen Schritt nach vorn an, sagte aber, die Reform bleibe „hinter den Notwendigkeiten“ zurück. Die geplanten Fördermaßnahmen würden der Bundesregierung nicht helfen, ihre eigenen Ziele für die Altersvorsorge zu erreichen, berichtete Stern. Verbrauchervertreter fielen positiver aus: Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, nannte die Reform einen „Meilenstein“ und lobte besonders das geplante Standardprodukt, wie der Bayerische Rundfunk berichtete. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken begrüßte eine stärkere Förderung für Familien, Geringverdiener und Selbstständige, kritisierte das öffentliche Standard-Depot aber als unerwünschten Eingriff in den Wettbewerb. Eine ähnliche Position vertrat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, der die Doppelrolle des Staates als Regelsetzer und Marktteilnehmer als problematisch bezeichnete. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil bezeichnete die Reform als Schritt zu einer „bezahlbareren, einfacheren und weniger bürokratischen“ Altersvorsorge, während Jens Spahn sagte, er erwarte mehr Flexibilität und bessere Renditechancen für Sparer. Bestehende Riester-Verträge genießen Bestandsschutz und können zu den bisherigen Bedingungen weiterlaufen, neue Riester-Verträge dürfen jedoch ab dem 1. Januar 2027 nicht mehr abgeschlossen werden.

Mentioned People

  • Lars Klingbeil — Wicekanclerz i federalny minister finansów w gabinecie Merza od maja 2025 roku
  • Jens Spahn — Przewodniczący klubu parlamentarnego CDU/CSU w Bundestagu od maja 2025 roku
  • Walter Riester — Były minister pracy i patron systemu emerytury Riester

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