Lufthansa und die Verdi-Gewerkschaft haben sich am 27. März 2026 auf einen Tarifvertrag für rund 20.000 Beschäftigte am Boden verständigt. Damit ist die Gefahr von Streiks zunächst vom Tisch. Vereinbart wurde eine Lohnerhöhung um insgesamt 4,65 Prozent in zwei Stufen bei einer Laufzeit bis Ende Februar 2028.
Tarifabschluss für rund 20.000 Beschäftigte
Lufthansa und Verdi haben sich auf eine Einigung für das Bodenpersonal verständigt. Streiks sind damit vorerst abgewendet.
4,65 Prozent mehr Geld in zwei Stufen
Die Grundgehälter steigen bei einer Laufzeit bis Ende Februar 2028 um insgesamt 4,65 Prozent. Für Lufthansa Technik und Lufthansa Cargo gilt der erste Schritt rückwirkend ab 1. Januar 2026.
Acht Jahre Schutz vor Auslagerung
Verdi sicherte nach eigenen Angaben eine mehrjährige Absicherung gegen die Verlagerung von Aufgaben an billigere Dienstleister.
Konflikte mit Piloten und Kabinenpersonal bleiben offen
Der Abschluss für das Bodenpersonal beendet die übrigen Tarifstreitigkeiten im Konzern nicht. Damit bleibt das Risiko weiterer Flugausfälle bestehen.
Lufthansa und die Verdi-Gewerkschaft haben sich am 27. März 2026 auf einen Tarifvertrag geeinigt, der rund 20.000 Beschäftigte am Boden umfasst und die Gefahr von Streikmaßnahmen für diese Belegschaft abwendet. Die Vereinbarung sieht eine Erhöhung der Grundgehälter um insgesamt 4,65 Prozent in zwei Stufen vor. Die Laufzeit beträgt 26 Monate und endet am 28. Februar 2028. Erfasst sind Beschäftigte im Check-in, im Passagierservice, in der Flugzeugwartung und -technik, in der Fracht, in der Logistik sowie in der Verwaltung bei der Lufthansa AG, Lufthansa Technik und Lufthansa Cargo. Zu der Einigung kam es nach vier Verhandlungsrunden, die im Januar 2026 begonnen hatten. Streiks waren in diesem Zeitraum nicht ausgerufen worden.
Die Lohnerhöhungen kommen in zwei Stufen, mit einer bemerkenswerten Ausnahme Nach der Vereinbarung steigen die Grundgehälter für das Bodenpersonal bei Lufthansa Technik und Lufthansa Cargo rückwirkend zum 1. Januar 2026 um 2,2 Prozent. Ab dem 1. März 2027 folgt eine weitere Erhöhung um 2,4 Prozent. Beschäftigte bei der Kernmarke Lufthansa AG erhalten die erste Stufe ein Jahr später, also am 1. Februar 2027. Das begründet das Unternehmen mit der angespannten wirtschaftlichen Lage. Auch die Ausbildungsvergütungen steigen in zwei Schritten um insgesamt 100 Euro, wie Verdi mitteilte. Die Gewerkschaft berechnete, dass die Erhöhungen zusammen im Schnitt zu einem monatlichen Plus von etwas mehr als 220 Euro pro Beschäftigtem führen.
220 (Euro) — durchschnittliche monatliche Gehaltserhöhung pro Beschäftigtem am Boden
Verdi-Verhandlungsführer Marvin Reschinsky hob die finanzielle Seite der Einigung ebenso hervor wie den Aspekt der Beschäftigungssicherung. „Die Beschäftigten haben künftig im Schnitt etwas mehr als 220 Euro mehr im Monat in der Tasche. Gleichzeitig ist die in den vergangenen Monaten oft diskutierte Auslagerung, die wie ein Damoklesschwert über dem Bodenpersonal hing, nun für längere Zeit ausgeschlossen.” — Marvin Reschinsky via stern.de Michael Niggemann, Personal- und Rechtsvorstand von Lufthansa, sagte, die lange Laufzeit des Vertrags sorge für Verlässlichkeit und sende in Zeiten geopolitischer Krisen ein klares Signal. Reschinsky beschrieb das Ergebnis gesondert als einen Beitrag zu mehr Sicherheit in unsicheren Zeiten.
Achtjähriger Schutz vor Auslagerung war eine zentrale Forderung der Gewerkschaft Über die Lohnerhöhungen hinaus erreichte Verdi nach eigenen Angaben einen umfassenden achtjährigen Schutz vor Auslagerung für das Bodenpersonal. Die Gewerkschaft hatte es als zentrales Anliegen in die Gespräche eingebracht, eine Verlagerung von Aufgaben an Unternehmen mit billigeren Tarifverträgen zu verhindern. Der Schutz gilt für Tätigkeiten im Passagier- und Flugzeughandling. In diesen Bereichen hatte die Sorge vor Kostensenkungen durch Auslagerung an schlechter bezahlte Dienstleister die Beschäftigten schon länger beschäftigt. Die Vereinbarung steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Beschäftigten. Ein Termin für die Abstimmung wurde in den vorliegenden Berichten nicht genannt.
Verdis Anfangsforderung und die endgültige Einigung: Lohnerhöhung (before: 6,0 Prozent über 12 Monate gefordert, after: 4,65 Prozent in zwei Stufen über 26 Monate); Mindeststeigerung pro Monat (before: Mindestens 250 Euro gefordert, after: Durchschnittlich etwas mehr als 220 Euro); Schutz vor Auslagerung (before: Nicht zugesichert, after: Achtjähriger Schutz vereinbart)
Im Jahr 2024 hatte ein Tarifkonflikt zwischen Verdi und Lufthansa mehrtägige Streiks zur Folge, bevor die beiden Seiten erst durch ein Schlichtungsverfahren zu einer Lösung kamen. Verdi war mit der Forderung in die aktuelle Runde gegangen, die Löhne über eine Laufzeit von zwölf Monaten um 6,0 Prozent zu erhöhen und die Bezüge um mindestens 250 Euro im Monat anzuheben. Die Gewerkschaft hatte ihre Mitglieder bereits nach ihrer Streikbereitschaft befragt und eine breite Unterstützung für Arbeitskampfmaßnahmen festgestellt, bevor die Einigung zustande kam.
Streit mit Piloten und Kabinenpersonal hält Streikrisiko bei Lufthansa aufrecht Die Einigung für das Bodenpersonal beendet die größeren arbeitsrechtlichen Spannungen im Lufthansa-Konzern nicht. Piloten und Kabinenpersonal befinden sich weiter in getrennten und ungelösten Tarifkonflikten. Die Vereinigung Cockpit, die die Piloten vertritt, und die Gewerkschaft des Kabinenpersonals haben beide Abstimmungen über Streiks durchgeführt; die Ergebnisse fielen zugunsten von Arbeitskampfmaßnahmen aus. Zwei Streikwellen der Piloten in den vergangenen Wochen führten zur Streichung von Hunderten Flügen. Unmittelbar neue konkrete Streikdrohungen wurden zum Zeitpunkt der Einigung für das Bodenpersonal allerdings nicht bekannt. Die Lufthansa-Führung hat der Vereinigung Cockpit zuletzt ein Gesprächsangebot unterbreitet, wodurch sich in dem festgefahrenen Konflikt wieder etwas Bewegung ergeben hat; die Gehaltsgespräche mit den Piloten wurden wieder aufgenommen. Auch die Kabinenbesatzungen der Kernmarke Lufthansa und weiterer Flugbetriebe können weiter zu Streiks aufrufen. Das Risiko weiterer Flugausfälle ist durch den Deal vom 27. März daher nicht vollständig beseitigt.
Mentioned People
- Marvin Reschinsky — Główny negocjator związku Verdi w rozmowach zbiorowych z Lufthansą
- Michael Niggemann — Dyrektor ds. zasobów ludzkich i prawnych oraz członek zarządu Deutsche Lufthansa AG
Sources: 4 articles
- Lufthansa einigt sich mit Bodenpersonal - Streiks abgewendet (Süddeutsche Zeitung)
- Lufthansa désamorce une grève, mais le conflit social est loin d'être terminé (La Libre.be)
- Mehr Gehalt fürs Bodenpersonal: Lufthansa und Verdi erzielen Tarifeinigung (stern.de)
- Lufthansa einigt sich im Tarifstreit mit Bodenpersonal (tagesschau.de)
- Lufthansa parvient à un accord avec le personnel au sol - RTBF Actus (RTBF)
- Gehalt steigt in Etappen um 4,6 Prozent: Lufthansa einigt sich mit Bodenpersonal auf neuen Tarifabschluss (Der Tagesspiegel)
- Einigung im Tarifstreit: Lufthansa und Verdi einigen sich auf Tarifvertrag und verhindern Streiks beim Bodenpersonal (N-tv)
- Lufthansa einigt sich mit Bodenpersonal - Streiks abgewendet - WELT (DIE WELT)
- Lufthansa einigt sich mit Bodenpersonal - Streiks abgewendet (stern.de)
- Technik und Abfertigung: Lufthansa einigt sich mit Bodenpersonal - Streiks abgewendet (Der Tagesspiegel)