Die US-Notenbank, die Europäische Zentralbank und die Bank of England haben ihre Leitzinsen in dieser Woche nicht verändert. Als wesentlichen Grund nannten alle drei Institute die weitreichende wirtschaftliche Unsicherheit infolge des anhaltenden Kriegs im Iran. Die Beschlüsse verdeutlichen, wie stark der Konflikt inzwischen Energiepreise, Märkte und Zinserwartungen prägt.
Die drei weltweit einflussreichsten Zentralbanken — die US-Federal Reserve, die Europäische Zentralbank und die Bank of England — haben in dieser Woche ihre Leitzinsen unverändert gelassen. Sie verwiesen dabei auf die weitreichende wirtschaftliche Unsicherheit, die durch den anhaltenden Krieg im Iran ausgelöst worden sei. Den Anfang machte am 18. März die Federal Reserve. Sie beließ ihren maßgeblichen Federal-Funds-Satz in einer Zielspanne von 3,5 Prozent bis 3,75 Prozent. Der Federal Open Market Committee stimmte mit 11 zu 1 Stimmen für die Zinspause. Die EZB folgte am 19. März und beließ ihren Einlagensatz bei 2,0 Prozent. Ebenfalls am 19. März entschied die Bank of England, ihren Leitzins bei 3,75 Prozent zu belassen; die Abstimmung fiel einstimmig mit 9 zu 0 aus. Alle drei Institutionen verwiesen auf den Energieschock und die Marktverwerfungen, die durch den US-israelischen Krieg gegen den Iran verursacht worden seien, als maßgeblichen Faktor ihrer Entscheidungen.
Die US-israelische Militärkampagne gegen den Iran mit dem Namen Operation Epic Fury begann am 28. Februar 2026 und führte bei den ersten Angriffen zum Tod des Obersten Führers Ali Khamenei. Sein Sohn Mojtaba Khamenei wurde am 9. März 2026 zum Obersten Führer ernannt. Der Konflikt hat angesichts der Rolle Irans als bedeutender Ölproduzent erhebliche Turbulenzen auf den weltweiten Energiemärkten ausgelöst und ein Maß an geopolitischer Unsicherheit geschaffen, wie es seit Jahren nicht zu beobachten war. Zentralbanken weltweit bewegen sich seit 2022 in einem von Nach-Pandemie-Inflation geprägten Umfeld. Fed, EZB und Bank of England hatten ihre Zinsen zuvor deutlich angehoben, bevor sie zu schrittweisen Lockerungszyklen übergingen.
Fed stellt für 2026 nur eine Zinssenkung in Aussicht Die Entscheidung der Federal Reserve, die Zinsen unverändert zu lassen, wurde von der Projektion begleitet, dass es im gesamten Jahr 2026 lediglich eine einzige Zinssenkung geben dürfte. Dieser auffallend vorsichtige Ausblick spiegelt die durch den Krieg verursachten wirtschaftlichen Störungen wider. Fed-Chef Jerome Powell erklärte, er werde im Amt bleiben, bis ein Nachfolger bestätigt sei. Damit reagierte er auf Spekulationen über seine Amtszeit vor dem Hintergrund öffentlichen Drucks von Präsident Donald Trump, der sofortige Zinssenkungen gefordert hat. Reuters zufolge sagte Powell zudem, eine Zinserhöhung sei nicht ausgeschlossen, derzeit aber unwahrscheinlich. Das deutet darauf hin, dass der nächste Schritt der Fed je nach Entwicklung des Konflikts im Iran in beide Richtungen gehen könnte. Das Abstimmungsergebnis von 11 zu 1 für die Zinspause weist auf einen breiten Konsens im FOMC hin. Die einzelne Gegenstimme legt jedoch nahe, dass mindestens ein Währungshüter einen anderen Kurs bevorzugte. Für Investoren ist der künftige Zinskurs der Fed nach Einschätzung von Reuters so schwer einzuschätzen wie seit Jahren nicht mehr, weil der Krieg im Iran die Märkte in Atem hält und den Inflationsausblick zusätzlich erschwert.
EZB sieht doppelte Gefahr für Inflation und Wachstum Die Europäische Zentralbank beließ ihren Einlagensatz am 19. März bei 2,0 Prozent. Nach Angaben der Währungshüter stellt der Krieg im Iran eine doppelte Belastung dar: Er treibt die Energiepreise nach oben und dämpft zugleich das Wirtschaftswachstum im Euroraum. AP News zufolge hat der durch den Iran-Konflikt ausgelöste Energieschock erhebliche Unsicherheit für die Projektionen der EZB geschaffen und den Weg der Notenbank zu ihrem Inflationsziel von 2 Prozent komplizierter gemacht. Die Nachrichtenagentur ANSA berichtete, EZB-Vertreter hätten die Auswirkungen des Kriegs auf die Inflations- und Wachstumsaussichten ausdrücklich als zentralen Grund für das Stillhalten genannt. Den Geldmärkten zufolge, so Reuters, werden für 2026 inzwischen mehr als zwei Zinserhöhungen um jeweils einen Viertelprozentpunkt durch die EZB eingepreist. Das deutet darauf hin, dass Händler davon ausgehen, die Notenbank könnte zu einer Straffung gezwungen sein, falls sich die energiegetriebene Inflation als hartnäckig erweist. Die Entscheidung der EZB steht für ein breiteres Dilemma europäischer Wirtschaftspolitik: Derselbe Konflikt, der die Inflation erneut anfachen könnte, birgt zugleich das Risiko einer Abschwächung der Wirtschaft im Euroraum.
Bank of England hält einstimmig still, während die Risiken steigen Die neun für die Zinspolitik zuständigen Mitglieder der Bank of England stimmten am 19. März einstimmig dafür, die Kreditkosten bei 3,75 Prozent zu belassen. Für ein Gremium, das in den vergangenen Jahren häufig gespalten war, ist das ein ungewöhnlich geschlossenes Votum. Die Notenbank verwies Reuters und ANSA zufolge auf die Risiken des Nahostkonflikts als einen wesentlichen Faktor ihrer Entscheidung. Die Währungshüter erklärten, ihr vorrangiges Ziel bleibe, die Inflation wieder auf die Zielmarke von 2 Prozent zurückzuführen, unabhängig davon, wie sich externe Ereignisse entwickelten. Reuters berichtete, die Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses prüften zunächst, wie sich der Konflikt auf die britische Wirtschaft auswirken werde, bevor sie sich auf weitere Lockerungsschritte festlegten. An den Märkten sind Reuters zufolge für 2026 geldpolitische Lockerungen der Bank of England im Umfang von nahezu 40 Basispunkten eingepreist. Das spricht dafür, dass Händler trotz der aktuellen Pause letztlich mit Zinssenkungen rechnen. Das einstimmige Votum hebt sich von jüngsten Sitzungen ab, in denen das Gremium zwischen Befürwortern von Zinssenkungen und Vertretern eines vorsichtigeren Kurses geteilt war. Daraus lässt sich schließen, dass der Krieg im Iran die Währungshüter vorerst auf eine abwartende Haltung eingeschworen hat.