Die slowakische Regierung unter Ministerpräsident Robert Fico erlaubt Tankstellenbetreibern, ausländische Fahrzeuge beim Dieselverkauf zu beschränken und höhere Preise zu verlangen. Besonders betroffen sind polnische Autofahrer und Spediteure, die bislang wegen günstigerer Kraftstoffpreise über die Grenze fuhren. Zugleich steigen die Spritpreise in Polen deutlich, wodurch sich der Kostendruck weiter erhöht.

Slowakei erlaubt Aufschläge und Mengenlimits

Kraftstoffhändler dürfen für Fahrzeuge mit ausländischer Zulassung höhere Dieselpreise verlangen und Verkaufsgrenzen festlegen.

Polnische Fahrer und Speditionen besonders betroffen

Vor allem polnische Autofahrer und Lastwagenfahrer verlieren eine bislang günstige Tankmöglichkeit jenseits der Grenze.

Tankstellen setzen Regeln selbst um

Einzelne Betreiber entscheiden eigenständig über Preisaufschläge und Mengenobergrenzen, sodass sich die Praxis regional unterscheiden kann.

Lastwagen müssen teils mehrfach nachtanken

Nach Angaben des Fachmediums 40ton könnten Lkw-Fahrer bis zu sechs Tankstopps benötigen, um einen vollen Tank zu erreichen.

Polens Kraftstoffpreise steigen zugleich deutlich

PB95 nähert sich 7 Zloty je Liter, Diesel 8 Zloty je Liter. Eine beschlossene Steuersenkung gibt es bislang nicht.

Auch an der deutschen Grenze verschieben sich Tankströme

Während Polen in der Slowakei günstiger tanken wollten, fahren deutsche Autofahrer wegen niedrigerer Preise nach Polen.

Die Regierung der Slowakei unter Ministerpräsident Robert Fico hat Kraftstoffhändlern erlaubt, Verkaufsgrenzen festzulegen und für Fahrzeuge mit ausländischer Zulassung höhere Dieselpreise zu verlangen. Von der Entscheidung sind unmittelbar auch polnische Fahrer betroffen, die seit Langem über die Grenze fahren, um günstigeren Kraftstoff zu tanken. Mehrere polnische Medien bestätigten die Maßnahmen am 19. März 2026. Aus Sicht der slowakischen Behörden handelt es sich um eine formale Reaktion auf das, was sie als Kraftstofftourismus bezeichnen, der die Versorgung an Tankstellen nahe der Grenze belaste. Einige Stationen im Norden der Slowakei hatten bereits vor Einführung der neuen Regeln von Verfügbarkeitsproblemen berichtet. Die Beschränkungen erlauben es einzelnen Anbietern, sowohl den Preisaufschlag als auch die Mengenobergrenze für ausländische Kunden selbst festzulegen. Der Zeitpunkt fällt mit einem deutlichen Anstieg der Kraftstoffpreise in Polen zusammen. Damit geraten polnische Autofahrer auf beiden Seiten der Grenze unter zusätzlichen Druck.

Lastwagen sind von den neuen Regeln am stärksten betroffen Die praktisch schärfsten Folgen treffen nach einem Bericht des Branchenmediums 40ton schwere Nutzfahrzeuge. Slowakische Tankstellen dürfen den Dieselverkauf an Lastwagen nun so begrenzen, dass ein Fahrer nach Darstellung dieses Mediums bis zu sechs Mal anhalten und nachtanken müsste, um einen vollen Tank zu füllen. Aus einem gewöhnlichen Tankstopp wird damit für Berufskraftfahrer ein logistisches Hindernis. Die Beschränkungen richten sich gegen Kraftstofftourismus, also gegen ein Muster, bei dem polnische Fahrer und in geringerem Maß Fahrer aus anderen Nachbarstaaten regelmäßig in die Slowakei gefahren sind, um niedrigere Zapfsäulenpreise zu nutzen. Die slowakischen Behörden nannten dafür zwei Gründe: Zum einen solle diese Praxis eingedämmt werden, zum anderen gebe es Bedenken hinsichtlich der Versorgungssicherheit mit Rohöl im Inland. Die Regeln räumen den einzelnen Betreibern Ermessensspielraum bei der Umsetzung ein. Wie stark die Einschränkungen ausfallen, kann daher von Tankstelle zu Tankstelle unterschiedlich sein.

Benzin- und Dieselpreise in Polen nähern sich markanten Schwellen Auch in Polen selbst sind die Kraftstoffpreise deutlich gestiegen, was der Kursänderung in der Slowakei zusätzliche Bedeutung verleiht. PB95-Benzin nähert sich an polnischen Tankstellen 7 (PLN per litre) — der Preisgrenze von 7 Zloty je Liter an polnischen Tankstellen. Diesel bewegt sich laut einem am 19. März von Eska.pl veröffentlichten Kraftstoffpreisbericht auf 8 Zloty je Liter zu. Andrzej Domański, Polens Minister für Finanzen und Wirtschaft, hat sich zu der Frage geäußert, ob die Regierung mit einer Senkung der Kraftstoffsteuer reagieren könnte. Eine bestätigte Entscheidung über eine Steuersenkung wurde in den vorliegenden Quellen jedoch nicht berichtet. Interia Motoryzacja beschreibt den Preisanstieg als besonders belastend für Halter von Dieselfahrzeugen. Diese Fahrzeugklasse war unter polnischen Fahrern wegen ihrer Wirtschaftlichkeit auf längeren Strecken über Jahre hinweg besonders verbreitet. Dass nun zugleich der Zugang zu günstigerem slowakischem Kraftstoff eingeschränkt wird, nimmt kostenbewussten polnischen Autofahrern ein bisher informelles Ausweichventil.

Deutsche Fahrer tanken nun in Polen, weil sich die Preisabstände verschieben Im regionalen Gesamtbild zeigt sich an Polens Westgrenze inzwischen eine spiegelbildliche Entwicklung. Während polnische Fahrer nach günstigem Kraftstoff in der Slowakei suchen, fahren nach einem Bericht von Wpolityce.pl Autofahrer aus Deutschland nach Polen, um dort im Vergleich zu deutschen Tankstellen billiger zu tanken. Diese grenzüberschreitende Preisausnutzung verdeutlicht, wie Preisunterschiede im mitteleuropäischen Kraftstoffmarkt Folgewirkungen in Nachbarmärkten auslösen. Die neuen Regeln der Slowakei sind im laufenden Zyklus des regionalen Kraftstofftourismus der erste formale regulatorische Eingriff. Ob Polen mit eigenen Maßnahmen nachzieht, also etwa mit steuerlichen Anpassungen oder Eingriffen auf der Angebotsseite, ist offen. Die öffentlichen Äußerungen von Minister Domański legen nahe, dass die Regierung die Entwicklung zumindest beobachtet. Die Verbindung aus steigenden Inlandspreisen und erschwertem Zugang zu günstigerem Kraftstoff im Ausland erhöht den finanziellen Druck auf polnische Verbraucher und gewerbliche Betreiber zusätzlich.

Die Slowakei und Polen teilen eine Grenze in der Karpatenregion. Grenzüberschreitende Kraftstoffkäufe sind in den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen immer wieder zu beobachten, wenn sich Preisunterschiede deutlich ausweiten. Robert Fico ist seit 2023 Ministerpräsident der Slowakei. Zuvor hatte er das Amt bereits in den Jahren 2006 bis 2010 sowie 2012 bis 2018 inne. Die Kraftstoffpreise in der Europäischen Union werden von einer Kombination aus Rohölpreisen, nationalen Verbrauchsteuerregimen und Mehrwertsteuersätzen beeinflusst. Deshalb können benachbarte Länder an der Zapfsäule deutlich unterschiedliche Preise haben, obwohl sie aus denselben Lieferketten versorgt werden.

Kraftstoffpreise an polnischen Tankstellen, März 2026: PB95-Benzin (before: unter 7 PLN/Liter, after: nähert sich 7 PLN/Liter); Diesel (ON) (before: unter 8 PLN/Liter, after: nähert sich 8 PLN/Liter)

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