Im Jahr 2025 wurden im Iran mindestens 1.639 Menschen hingerichtet, was den höchsten Wert seit 1989 darstellt. Dies geht aus einem am Montag veröffentlichten Jahresbericht der Organisationen Iran Human Rights und Ensemble contre la peine de mort hervor. Die Zahl der Exekutionen stieg damit im Vergleich zum Vorjahr um 68 Prozent.
Höchststand seit Jahrzehnten
Mit 1.639 Hinrichtungen im Jahr 2025 verzeichnet der Iran den höchsten Stand seit 1989.
Drogendelikte als Hauptgrund
Knapp die Hälfte der Exekutionen (795 Fälle) entfiel auf Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz.
Politisches Druckmittel
Menschenrechtler werfen der Führung vor, die Todesstrafe zur Einschüchterung nach Protesten und während des laufenden Konflikts zu missbrauchen.
Im Iran wurden im Jahr 2025 mindestens 1,639 (Personen) — 1.639 Menschen hingerichtet – der höchste Stand seit 1989. Dies belegt ein gemeinsamer Jahresbericht der in Norwegen ansässigen Organisation Iran Human Rights (IHR) und der Pariser Organisation Ensemble contre la peine de mort (ECPM). Im Vergleich zu 975 Hinrichtungen im Jahr 2024 entspricht dies einer Steigerung um 68 Prozent beziehungsweise durchschnittlich mehr als vier Vollstreckungen pro Tag. IHR-Direktor Mahmood Amiry-Moghaddam betonte bei der Vorstellung der Zahlen in Paris, dass es sich um ein „absolutes Minimum“ handle, da offizielle iranische Medien die meisten Fälle nicht meldeten. Die Organisationen warnten, dass die Islamische Republik die Todesstrafe verstärkt als Instrument der Unterdrückung nutzen könnte, um die aktuelle Krise zu überstehen. Es ist die höchste Zahl seit Beginn der statistischen Erfassung durch IHR im Jahr 2008.
Der Iran belegt seit langem nach China den weltweit zweiten Platz bei der Anzahl der Hinrichtungen, wobei China genaue Zahlen als Staatsgeheimnis behandelt. Der aktuelle Anstieg folgt einem Trend, der nach den landesweiten Protesten unter dem Motto „Frau, Leben, Freiheit“ im Jahr 2022 einsetzte. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International weisen darauf hin, dass der Iran die weltweit höchste Hinrichtungsrate pro Kopf aufweist. Die Nutzung von Revolutionsgerichten, denen Beobachter die Missachtung rechtsstaatlicher Standards und unfairer Verfahren vorwerfen, bleibt ein zentraler Kritikpunkt der internationalen Gemeinschaft.
Drogendelikte: 795, Mord: 747, Staatsschutzdelikte: 57, Vergewaltigung: 37
Drogendelikte und Mordfälle treiben die Zahlen nach oben Von den 1.639 Hingerichteten wurden 795 (Personen) — 795 wegen Drogendelikten exekutiert, was einem Anstieg von 58 Prozent gegenüber 2024 entspricht. Weitere 747 Personen wurden wegen Mordes hingerichtet (+79 Prozent). Mindestens 57 Personen wurden wegen Staatsschutzdelikten verurteilt, darunter zwei Demonstranten, und 37 wegen Vergewaltigung. Der Bericht hebt hervor, dass über die Hälfte der Urteile von Revolutionsgerichten nach grob unfairen Prozessen ohne rechtsstaatliche Mindeststandards gefällt wurden. Zudem wurden sechs Mitglieder der oppositionellen Volksmudschahedin sowie eine Person wegen mutmaßlicher Spionage für Israel hingerichtet. Die Zahl der öffentlichen Hinrichtungen verdreifachte sich auf elf Fälle, wenngleich der Großteil der Vollstreckungen innerhalb der Gefängnisse stattfand.
Vergleich der Hinrichtungen: 2024 vs. 2025: Gesamtzahl der Hinrichtungen (before: 975 (2024), after: 1.639 (2025)); Hinrichtungen wegen Drogendelikten (before: 503 (2024, errechnet aus Steigerungsrate), after: 795 (2025)); Hinrichtungen wegen Mordes (before: 417 (2024, errechnet aus Steigerungsrate), after: 747 (2025)); Hingerichtete Frauen (before: 31 (2024), after: 48 (2025))
Frauen und ethnische Minderheiten besonders betroffen Im Jahr 2025 wurden mindestens 48 Frauen hingerichtet – der höchste Wert seit über 20 Jahren und eine Steigerung um 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr (31 Frauen). In 21 dieser Fälle erfolgte die Verurteilung wegen der Tötung eines Ehemanns oder Verlobten. Raphaël Chenuil-Hazan, Geschäftsführer von ECPM, erklärte, dass ethnische Minderheiten und marginalisierte Gruppen überproportional betroffen seien. Insbesondere die kurdische Minderheit im Westen und die Belutschen im Südosten des Landes – die mehrheitlich sunnitisch geprägt sind – stünden im Fokus. „Die Todesstrafe wird im Iran als politisches Instrument der Unterdrückung eingesetzt; ethnische Minderheiten und gesellschaftliche Randgruppen sind unter den Hingerichteten überproportional vertreten” — Raphaël Chenuil-Hazan via AFP Obwohl das Gesetz auch andere Hinrichtungsarten zulässt, wurden laut Bericht alle bekannten Fälle durch Erhängen vollstreckt.
Gefährdete Demonstranten und militärischer Konflikt Die Organisationen blicken mit Sorge auf das Schicksal der Inhaftierten der regierungskritischen Proteste vom Januar 2026. Seit Ausbruch des israelisch-amerikanischen Militärkonflikts am 28. Februar 2026 wurden bereits sieben Personen im Zusammenhang mit diesen Protesten hingerichtet. 27 weitere Demonstranten sind bereits zum Tode verurteilt, Hunderten drohen entsprechende Anklagen. Eine mehrwöchige Internetsperre erschwert derzeit die unabhängige Beobachtung der Lage. Amiry-Moghaddam kritisierte, dass die Rechte der iranischen Bevölkerung bei Verhandlungen in Islamabad am Wochenende keine Erwähnung fanden. Er forderte ein Moratorium für Hinrichtungen und die Freilassung politischer Gefangener als Grundvoraussetzung für künftige Gespräche. „Indem sie durch durchschnittlich vier bis fünf Hinrichtungen pro Tag im Jahr 2025 ein Klima der Angst schufen, versuchten die Behörden neue Proteste zu verhindern, um ihre Herrschaft zu sichern” — Mahmood Amiry-Moghaddam via IHR-Pressekonferenz Chenuil-Hazan rief westliche Regierungen dazu auf, die Abschaffung der Todesstrafe zum Kernbestandteil aller Verhandlungen mit Teheran zu machen.
Mentioned People
- Mahmood Amiry-Moghaddam — Norwesko-irański neurobiolog, obrońca praw człowieka i dyrektor międzynarodowej organizacji Iran Human Rights
- Raphaël Chenuil-Hazan — Dyrektor wykonawczy Ensemble contre la peine de mort (ECPM) i członek Światowej Koalicji przeciw Karze Śmierci
Sources: 27 articles
- Irán: el número de ejecuciones en 2025 ha sido el mayor en 36 años (RFI)
- Zahl der Hinrichtungen in Iran laut Menschenrechtlern deutlich gestiegen (tagesschau.de)
- L'Iran a battu tous les records d'exécutions capitales en 2025, selon deux ONG (Courrier international)
- L'Iran a battu tous les records d'exécutions capitales en 2025, selon deux ONG (La Libre.be)
- Iran carried out highest number of executions in decades (BBC)
- Neuer Höchststand: Iran richtet 2025 so viele Menschen hin wie seit 35 Jahren nicht mehr (N-tv)
- В 2025 году власти Ирана совершили рекордное число смертных казней (RFI)
- Iran: Record de execuţii capitale, în 2025 (RFI)
- Todesstrafe: Hinrichtungen im Iran laut Menschenrechtlern 2025 stark angestiegen (ZEIT ONLINE)
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