Der Leiter der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, bezeichnet die aktuelle Rohöl- und Erdgasversorgungskrise als beispiellos in ihrer Dimension. Infolge der iranischen Blockade der Straße von Hormus seien die globalen Märkte einem kombinierten Schock ausgesetzt, der die Krisen von 1973, 1979 und 2022 übertreffe.
Beispielloses Ausmaß
Die IEA stuft die Krise als schwerwerwiegender ein als die Schocks von 1973, 1979 und 2022 zusammen.
Massiver Produktionsausfall
Im März sanken die Liefermengen um 8 Millionen Barrel pro Tag; bei anhaltender Blockade droht im April eine Verdopplung auf 16 Millionen Barrel.
Globaler Versorgungsengpass
Rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und Gashandels sowie signifikante Teile des LNG- und Düngemittelmarktes sind blockiert.
Forderung nach Energiewende
Ökonomin Claudia Kemfert sieht in erneuerbaren Energien den einzigen dauerhaften Schutz gegen geopolitische Erpressbarkeit.
Der Direktor der Internationalen Energieagentur, Fatih Birol, warnte am 7. April 2026, dass die durch Irans nahezu vollständige Blockade der Straße von Hormus ausgelöste Krise schwerwiegender sei als die Energieschocks von 1973, 1979 und 2022 zusammen. Er beschrieb dies als eine Störung, wie sie die Welt noch nie zuvor erlebt habe. Birol äußerte sich in einem Interview mit der französischen Zeitung Le Figaro und erklärte, dass die Krise gleichzeitig einen Öl-, Gas- und Nahrungsmittelschock darstelle. Iran verhängte die Blockade als Reaktion auf Angriffe der Vereinigten Staaten und Israels. Der IEA-Direktor warnte, die Situation steuere auf einen „schwarzen April“ zu, sollte die Meerenge den gesamten Monat über gesperrt bleiben.„Die Welt hat noch nie eine Unterbrechung der Energieversorgung in diesem Ausmaß erlebt.” — Fatih Birol via Reuters März-Verluste könnten sich im April bei anhaltender Sperrung verdoppelnDie IEA schätzt, dass die weltweite Ölproduktion im März 2026 als direkte Folge der Blockade um 8 (Millionen Barrel pro Tag) — Rückgang des weltweiten Ölangebots im März 2026 gesunken ist. Birol warnte, dass die Welt bei einer fortdauernden Schließung der Straße von Hormus im April doppelt so viel Rohöl und raffinierte Produkte verlieren könnte wie im Vormonat. Nach Berechnungen von La Libre.be entspräche dies einem Verlust von 16 (Millionen Barrel pro Tag) — potenzieller Ausfall des Ölangebots im April 2026 bei anhaltender Sperrung, was mehr als 16 Prozent der weltweiten Produktion ausmacht. Die Blockade unterbricht etwa 20 Prozent des weltweiten Öl- und Gasverkehrs, der regulär durch die Meerenge fließt, sowie 25 Prozent des weltweiten Ölhandels per Schiff und 19 Prozent des globalen Handels mit LNG. Über den Energiesektor hinaus beeinträchtigt die Sperrung auch den Handel mit Düngemitteln, Chemikalien und Helium, was die von Birol beschriebene Dimension des Nahrungsmittelschocks verstärkt.2026-03: 8, 2026-04: 16 Entwicklungsländer am stärksten von der Preisspirale betroffenBirol nannte Entwicklungsländer als die am stärksten gefährdeten Nationen und warnte, dass deren Bevölkerung mit einer Mehrfachbelastung aus höheren Preisen für Öl und Gas, steigenden Lebensmittelkosten und einer beschleunigten Inflation konfrontiert sei. Europäische Länder, Japan und Australien würden ebenfalls leiden, verfügten jedoch über vergleichsweise größere wirtschaftliche Puffer. Die IEA-Mitgliedstaaten vereinbarten im März 2026 die Freigabe eines Teils ihrer strategischen Reserven; Birol bestätigte, dass dieser Prozess bereits eingeleitet wurde und andauere. Er betonte jedoch ausdrücklich, dass die Freigabe von Reserven lediglich Symptome bekämpfe, nicht aber das zugrunde liegende Problem.„Solange die Verbindung geschlossen bleibt, wird die Weltwirtschaft weiterhin vor sehr großen Schwierigkeiten stehen.” — Fatih Birol via eldiario.esBirol erklärte, dass die einzige tatsächliche Lösung in der Wiederöffnung der Straße von Hormus liege. Die IEA prüfe zudem Maßnahmen zur Senkung des Öl- und Gasverbrauchs in den Mitgliedstaaten. Ein iranischer Militärsprecher wurde von Reuters mit der Aussage zitiert, die Meerenge bleibe für die Vereinigten Staaten und Israel „langfristig“ gesperrt, was die Besorgnis über die Dauer der Unterbrechung verstärkt. Deutsche Ökonomin stützt Birols Einschätzung und mahnt fossilen Ausstieg anClaudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, schloss sich Birols Einschätzung an und bezeichnete die Lage als die schwerste fossile Energiekrise unserer Zeit.„Die Aussage des Chefs der Internationalen Energieagentur, wonach die Welt noch nie zuvor eine Unterbrechung der Energieversorgung in der aktuellen Größenordnung erlebt habe, klingt drastisch, ist aber zutreffend.” — Claudia Kemfert via DIE WELTKemfert beschrieb die Situation als einen Mehrfachschock durch steigende Öl-, Gas- und Lebensmittelpreise, der die strukturelle Anfälligkeit einer auf fossilen Abhängigkeiten aufgebauten Weltwirtschaft offenbare. Strategische Reserven könnten den Druck zwar kurzfristig lindern, das Problem jedoch nicht lösen. Kemfert forderte eine grundlegende Abkehr von fossilen Brennstoffen und bezeichnete erneuerbare Energien als besten Schutzschild, da diese keine Importe erforderten und nicht als geopolitisches Instrument instrumentalisiert werden könnten.„Solange wir an Öl und Gas festhalten, bleiben wir erpressbar und anfällig für massive Preisschocks.” — Claudia Kemfert via ZEIT ONLINEDie Straße von Hormus gilt seit der Mitte des 20. Jahrhunderts als kritischer Engpass der globalen Energieversorgung. Die Ölkrise von 1973 wurde durch ein arabisches Ölemargo nach dem Jom-Kippur-Krieg ausgelöst, während die Krise von 1979 der Iranischen Revolution und dem damit verbundenen Ausfall iranischer Ölexporte folgte. Die Energiekrise von 2022 in Europa resultierte aus der russischen Invasion in der Ukraine und dem anschließenden Embargo gegen russisches Öl und Gas. Im Gegensatz zur aktuellen Lage konnte Russland jedoch einen Großteil seines Öls nach China, Indien und in die Türkei umleiten, was den Rückgang des globalen Angebots begrenzte. Die derzeitige Blockade unterscheidet sich dadurch, dass sie den physischen Transit durch ein maritimes Nadelöhr direkt unterbindet und somit eine Umleitung der Ströme verhindert.
Mentioned People
- Fatih Birol — Turecki ekonomista i ekspert ds. energetyki, pełniący funkcję dyrektora wykonawczego Międzynarodowej Agencji Energetyki (MAE) w Paryżu od 1 września 2015 roku
- Claudia Kemfert — Kierowniczka działu energii, transportu i środowiska w Niemieckim Instytucie Badań Gospodarczych (DIW) oraz profesor na Uniwersytecie Leuphana w Lüneburgu
Sources: 25 articles
- La Agencia Internacional de la Energía alerta: "La crisis actual es más grave que las de 1973, 1979 y 2022 juntas" (eldiario.es)
- La plus grande crise énergétique de l'histoire ? "En Belgique le risque le plus grand concerne le kérosène" (La Libre.be)
- Heads of IEA, IMF, World Bank to meet next Monday to discuss energy crisis (Reuters)
- Aie, 'crisi per Hormuz la peggiore di quelle del '73, '79 e 2002 messe insieme' - Ultima ora - Ansa.it (ANSA.it)
- DIW-Expertin: Schwerste fossile Energiekrise unserer Zeit - WELT (DIE WELT)
- Iran-Krieg: DIW-Expertin: Schwerste fossile Energiekrise unserer Zeit (ZEIT ONLINE)
- Petrolio: Birol (Aie), crisi peggiore di quelle del 1973, 1979 e 2022 combinate - Il Sole 24 ORE (Il Sole 24 ORE)
- La AIE avisa de que la crisis actual es "más grave que las de 1973,... (europa press)
- İran savaşı: IEA Başkanı Birol'dan "Kara Nisan" uyarısı (Deutsche Welle)
- Energie: Le monde s'apprête à entrer dans 'un avril noir' (Blick.ch)