Die Zahl der Existenzgründungen in Deutschland ist im Jahr 2025 auf rund 690.000 angestiegen, was einem Zuwachs von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dieser Trend wird fast ausschließlich von einem Rekordwert bei Nebenerwerbsgründungen getragen, wie aus neuen Daten der staatlichen Förderbank hervorgeht. Demnach sind wirtschaftlicher Druck und steigende Lebenshaltungskosten die wesentlichen Treiber für den Schritt in die Selbstständigkeit.

Massiver Anstieg bei Nebenerwerbsgründungen

Das Wachstum der Gründerzahlen auf 690.000 wird fast vollständig durch Side-Hustles und Teilzeit-Selbstständigkeit getrieben.

Wirtschaftliche Notwendigkeit als Motiv

Steigende Lebenshaltungskosten und ein schwierigerer Arbeitsmarkt machen den Nebenerwerb für viele zur finanziellen Notwendigkeit.

Nachfolgemangel im Mittelstand

Nur 10 Prozent der Gründungen sind Übernahmen, während bis 2029 über 545.000 Mittelständler einen Nachfolger suchen.

In Deutschland stieg die Zahl der Unternehmensgründer im Jahr 2025 deutlich an und erreichte rund 690.000 – eine Steigerung um 18 Prozent gegenüber den 585.000 Gründern des Vorjahres. Dieser Zuwachs ist laut einer repräsentativen Umfrage der staatlichen Förderbank KfW fast ausschließlich auf einen Anstieg bei Nebenerwerbsgründungen zurückzuführen. Die Daten entstammen einer vorläufigen Auswertung des KfW-Gründungsmonitors, für den 30.000 Telefoninterviews und 20.000 Online-Befragungen durchgeführt wurden. Die Ergebnisse deuten auf einen strukturellen Wandel beim Weg in die Selbstständigkeit hin, wobei zunehmend wirtschaftlicher Druck statt unternehmerischer Ambition als Hauptmotiv genannt wird. Die Studie definiert den Gründerbegriff dabei weit: Er umfasst alle Personen, die eine selbstständige Tätigkeit im Voll- oder Nebenerwerb aufgenommen haben, sei es freiberuflich oder gewerblich, durch eine Neugründung, eine Beteiligung oder eine Übernahme. Nebenerwerbsgründungen erreichen Rekordanteil von 70 ProzentDas gesamte Wachstum bei den Neugründungen konzentrierte sich auf den Nebenerwerb. Hier stiegen die Zahlen von 382.000 im Jahr 2024 auf 483.000 im Jahr 2025, wodurch ihr Anteil an allen Gründungen auf einen Rekordwert von 70 Prozent kletterte. Die Zahl der Vollzeitgründungen blieb hingegen im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW, führte diesen Trend auf den doppelten Druck durch die wirtschaftliche Krise und gestiegene Lebenshaltungskosten zurück, was Menschen dazu bewege, durch Selbstständigkeit ein Zusatzeinkommen zu generieren. „Der Zugang zum Arbeitsmarkt ist schwieriger geworden; selbst kleine Nebenjobs sind nicht mehr so leicht zu finden. Hier kann die Selbstständigkeit eine Alternative für ein Zusatzeinkommen sein.” — Dirk Schumacher via ZEIT ONLINE Die Daten legen nahe, dass die Gründung eines Nebenerwerbs für eine wachsende Anzahl von Deutschen weniger eine bewusste Karriereentscheidung als vielmehr eine Reaktion auf knappe Haushaltsbudgets und einen angespannteren Arbeitsmarkt ist. Der Rekordanteil an Nebenerwerbsgründungen spiegelt eine Entwicklung wider, in der das traditionelle Bild des Vollzeit-Unternehmers mit einem innovativen Vorhaben einer stärker fragmentierten, einkommensgetriebenen Form der Selbstständigkeit weicht.Unternehmensgründungen in Deutschland: 2024 vs. 2025: Gründer gesamt (before: 585.000 (2024), after: ca. 690.000 (2025)); Nebenerwerbsgründungen (before: 382.000 (2024), after: 483.000 (2025)); Anteil der Nebenerwerbsgründungen (before: Unter 70% (2024), after: Rekordwert 70% (2025)) Mehrheit der Gründungen bleibt klein und ohne PersonalTrotz des nominalen Wachstums der Gründerzahlen blieb die überwiegende Mehrheit der neuen Unternehmen klein dimensioniert. 24 (%) — Anteil der Gründungen 2025 mit Beschäftigten Lediglich 24 Prozent der Unternehmensgründungen im Jahr 2025 hatten Angestellte, was verdeutlicht, wie sehr die Landschaft von Solo-Selbstständigen geprägt ist. Bei den meisten Vorhaben handelte es sich um komplette Neugründungen, während nur 10 Prozent auf die Übernahme eines bestehenden Unternehmens entfielen. Die Umfrage ergab zudem, dass zwei Drittel der Gründer die Selbstständigkeit grundsätzlich einer Festanstellung vorziehen, was darauf hindeutet, dass neben der wirtschaftlichen Notwendigkeit weiterhin persönliche Überzeugungen eine Rolle spielen. Da kleine Gründungen ohne Personal oder übernommene Strukturen die überwältigende Mehrheit der Gründungsaktivitäten in Deutschland ausmachen, stellt sich die Frage nach der Fähigkeit des Landes, wachstumsorientierte Unternehmen hervorzubringen.Gründer gesamt 2024: 585, Gründer gesamt 2025: 690, Nebenerwerbsgründungen 2024: 382, Nebenerwerbsgründungen 2025: 483 KfW warnt vor Mangel an UnternehmensnachfolgenDirk Schumacher, der seit April 2025 als KfW-Chefvolkswirt amtiert, nutzte die Veröffentlichung der Zahlen, um auf eine weitere Herausforderung für die deutsche Wirtschaft hinzuweisen: den Mangel an Nachfolgern für etablierte mittelständische Betriebe. „Deutschland braucht junge, innovative Unternehmen.” — Dirk Schumacher via ZEIT ONLINE Er wies darauf hin, dass bis Ende 2029 etwa 545.000 mittelständische Unternehmen einen Nachfolger suchen, und rief dazu auf, vermehrt Übernahmen bestehender Betriebe in Betracht zu ziehen, anstatt neu zu gründen. Mit einem Anteil von nur 10 Prozent an allen Neugründungen im Jahr 2025 bleibt die Pipeline potenzieller Nachfolger für den etablierten deutschen Mittelstand dünn. Die Kombination aus stagnierenden Vollzeitgründungen, einer niedrigen Übernahmequote und einem Anstieg von Kleinstgründungen im Nebenerwerb ergibt ein komplexes Bild für die Wirtschaftspolitik, die eine Stärkung der langfristigen Unternehmenslandschaft in Deutschland anstrebt. Die KfW beobachtet die Gründungstrends in Deutschland seit Jahren mit ihrem Gründungsmonitor und stellt damit einen der umfassendsten Datensätze zur Selbstständigkeit im Land bereit. Der wirtschaftliche Rahmen für die Daten von 2025 ist geprägt von einer Phase erhöhter Inflation und geringen Wachstums, was die Haushaltseinkommen und die Bedingungen am Arbeitsmarkt bundesweit belastet hat.

Mentioned People

  • Dirk Schumacher — Główny ekonomista w państwowym banku rozwoju KfW

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