Willie Walsh, Generaldirektor des Luftfahrtverbandes IATA, dämpft die Erwartungen auf eine schnelle Normalisierung der Kraftstoffversorgung nach der angekündigten Waffenruhe zwischen den USA und Iran. Trotz gesunkener Rohölpreise bleiben die zerstörten Raffineriekapazitäten im Nahen Osten ein kritisches Hindernis. Am Rande des IATA World Data Symposiums in Singapur bezeichnete Walsh höhere Ticketpreise als unausweichlich.

Langwierige Erholung

Trotz Waffenruhe wird die Normalisierung der Kerosinversorgung Monate dauern, da Raffinerien im Nahen Osten beschädigt sind.

Preisschock für Reisende

Die IATA stuft steigende Ticketpreise als unvermeidlich ein, da die Kerosinkosten trotz sinkender Rohölpreise hoch bleiben.

Infrastruktur als Flaschenhals

Nicht der Rohölfluss, sondern die zerstörte Raffineriekapazität ist das Hauptproblem für die globale Luftfahrt.

Willie Walsh, Generaldirektor der International Air Transport Association, warnte am Mittwoch, dass es Monate dauern werde, bis sich die Versorgung mit Flugkraftstoff normalisiert, trotz einer vom US-Präsidenten Donald Trump angekündigten zweiwöchigen Waffenruhe zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran. Walsh äußerte sich auf einer Pressekonferenz am Rande des IATA World Data Symposiums in Singapur. Die am Dienstagabend verkündete Waffenruhe ist an die sofortige und sichere Wiederöffnung der Straße von Hormus geknüpft, die seit Beginn des Konflikts praktisch für den Verkehr gesperrt war. Die Ölpreise fielen nach der Ankündigung der Waffenruhe um bis zu 16 Prozent und sanken unter die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel. Die Aktienkurse von Fluggesellschaften stiegen weltweit stark an, wobei einige Unternehmen innerhalb eines Handelstages Zuwächse zwischen 8 und 14 Prozent verzeichneten. Walsh begrüßte die Waffenruhe als positive Entwicklung, mahnte jedoch, dass die entstandenen Schäden an der Lieferkette nicht kurzfristig behoben werden können. Beschädigte Raffinerien als Kernproblem der KraftstoffversorgungWalsh erklärte, das Haupthindernis für eine Normalisierung der Versorgung sei nicht der Rohölfluss selbst, sondern die Zerstörung von Raffineriekapazitäten im gesamten Nahen Osten. „Sollte die Wasserstraße wieder geöffnet werden und offen bleiben, wird es meines Erachtens aufgrund der Unterbrechungen der Raffineriekapazitäten im Nahen Osten immer noch Monate dauern, bis das Angebot wieder das erforderliche Niveau erreicht.” — Willie Walsh via Reuters Walsh fügte hinzu, dass die Konzentration der globalen Raffinerie-Infrastruktur in dieser Region vor dem Konflikt unterschätzt worden sei. „Ich glaube nicht, dass jedem vollkommen bewusst war, wie konzentriert die Raffineriekapazitäten in bestimmten Teilen der Welt sind.” — Willie Walsh via France 24 Selbst eine Wiederaufnahme der Rohölströme würde nicht sofort zu verfügbarem Kerosin führen, da die beschädigten Raffinerien einen Engpass darstellten, der nicht umgangen werden könne. Walsh identifizierte Asien als die Region, die am stärksten von kurzfristigen Versorgungsengpässen betroffen sei, gefolgt von Afrika und Europa. Das IATA World Data Symposium in Singapur bildete den Rahmen für Walshs Ausführungen, die auf großes Interesse bei den ohnehin mit der Kraftstoffkrise kämpfenden Fluggesellschaften stießen. Kerosinpreise mehr als verdoppelt, Preiserhöhungen bei Flugtickets erwartetDie Preise für Flugkraftstoff haben sich seit Beginn des Konflikts am 28. Februar 2026 mehr als verdoppelt. Damit übertrafen sie den Anstieg der Rohölpreise von rund 50 Prozent, der vor der Ankündigung der Waffenruhe verzeichnet wurde, deutlich. Walsh sagte, dass höhere Flugpreise angesichts des dauerhaft hohen Kerosinpreisniveaus unvermeidlich seien. „Wenn der Rohölpreis um 16 Prozent sinkt, möchte man meinen, dass der Kerosinpreis in ähnlichem Maße fällt, aber er wird hoch bleiben, was wiederum zu höheren Ticketpreisen führen wird. Das ist unumgänglich.” — Willie Walsh via Bloomberg Television Fluggesellschaften weltweit haben bereits Flüge gestrichen, führen zusätzlichen Treibstoff von den Heimatflughäfen mit oder legen Tankstopps ein, um den Engpässen zu begegnen. Die malaysische Billigfluggesellschaft AirAsia X hob laut Bloomberg ihre Tarife um bis zu 40 Prozent an, während United Airlines ihre geplante Kapazität um etwa fünf Prozent reduzierte. Air New Zealand kürzte ihre Flugpläne zum zweiten Mal und erhöhte die Preise erneut. Treibstoff ist nach den Personalkosten der zweitgrößte Ausgabenposten für Fluggesellschaften und macht laut IATA üblicherweise etwa 27 Prozent der Betriebskosten aus. 27% (der Betriebskosten) — Typischer Anteil von Kerosin an den Kosten einer AirlineWizz Air: 14, Air France-KLM: 14, IAG: 10, Ryanair: 10, Lufthansa: 8, IndiGo: 10, Qantas: 9, Cathay Pacific: 5, Air New Zealand: 4 Walsh lehnt Vergleich mit COVID-Pandemie abWalsh widersprach Vergleichen zwischen der aktuellen Krise und der COVID-19-Pandemie, während der die globale Luftfahrtkapazität aufgrund weltweit geschlossener Grenzen um 95 Prozent eingebrochen war. „Dies ist nicht vergleichbar mit Covid. Es handelt sich um keine Krise, die auch nur annähernd an das herankommt, was wir während Covid erlebt haben. Bei Covid sank die Kapazität um 95 Prozent, weil die Grenzen geschlossen wurden. Davon sind wir weit entfernt.” — Willie Walsh via Irish Examiner Er verglich die Situation stattdessen mit der Zeit nach den Anschlägen vom 11. September 2001, nach denen die Erholung etwa vier Monate dauerte, sowie mit dem wirtschaftlichen Abschwung von 2008-2009, den die Branche erst nach zehn bis zwölf Monaten verarbeitet hatte. Walsh zeigte sich zuversichtlich, dass sich die Luftverkehrsdrehkreuze am Golf schnell erholen würden, sobald sich die Lage stabilisiere. Golf-Airlines machten im vergangenen Jahr 14,6 Prozent der internationalen Luftfahrtkapazität aus; Walsh räumte ein, dass Fluggesellschaften außerhalb der Region diese Kapazitäten in der Zwischenzeit nicht vollständig ersetzen können. Der CEO der Malaysia Aviation Group, Nasaruddin Bakar, schloss sich auf demselben Symposium der vorsichtigen Einschätzung an und betonte, dass selbst bei einem Ende des Krieges viele Monate vergehen würden, bis sich die Preise stabilisierten. Thai-Airways-Chef Chai Eamsiri bezeichnete den aktuellen Ölpreisschock als den schwersten seiner Karriere. Die US-israelische Offensive gegen den Iran, bekannt als Operation Epic Fury, begann am 28. Februar 2026. Der Konflikt führte zur Schließung der Straße von Hormuz, über die normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels abgewickelt wird. Gegenseitige Angriffe auf Öl- und Raffinerie-Infrastruktur im gesamten Golf verstärkten die Versorgungsunterbrechung über die bloße Sperrung der Wasserstraße hinaus. Die von Präsident Trump am 7. April 2026 verkündete Waffenruhe erfolgte kurz vor Ablauf eines US-Ultimatums an den Iran.

Mentioned People

  • Willie Walsh — Irlandzki menedżer branży lotniczej, dyrektor generalny Międzynarodowego Zrzeszenia Przewoźników Powietrznych
  • Donald Trump — 47. prezydent Stanów Zjednoczonych

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