In 97 hessischen Kommunen unterstützen derzeit rund 275 Freiwillige die Arbeit der Polizei durch sichtbare Präsenz im öffentlichen Raum. Das vor 26 Jahren gestartete Programm setzt auf Kommunikation statt auf hoheitliche Eingriffe, wobei die Helfer gezielt parks und Wohngebiete bestreifen.
Ziviles Bindeglied
Rund 275 Freiwillige in 97 Kommunen dienen als Ansprechpartner für Bürger, ohne polizeiliche Vollmachten zu besitzen.
Begrenzte Befugnisse
Die Helfer erhalten sieben Euro pro Stunde, dürfen keine Bußgelder verhängen und tragen Pfefferspray nur zur Selbstverteidigung.
Sicherheitsempfinden im Fokus
Einsätze erfolgen oft an sogenannten Angsträumen, um das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung durch Präsenz zu stärken.
Der Freiwillige Polizeidienst in Hessen umfasst aktuell etwa 275 aktive Helfer in 97 Kommunen. Nach Angaben des hessischen Innenministeriums fungieren sie als zivile Brücke zwischen der Bevölkerung und den Strafverfolgungsbehörden und nicht als Ersatz für professionelle Beamte. Das Programm, das vor 26 Jahren mit einem Pilotprojekt von 90 Freiwilligen begann, hat sich zu einer beständigen Präsenz im öffentlichen Raum des Bundeslandes entwickelt. Ehrenamtliche wie Angela Koller und Tim Hepe patrouillieren zu Fuß durch Wohnviertel, Parks und Hundewiesen. Sie sind nicht befugt, Bußgelder zu verhängen oder Festnahmen durchzuführen; stattdessen bieten sie Zeit, Aufmerksamkeit und ein offenes Ohr an. Ihre Uniform signalisiert Ansprechbarkeit statt Zwang – eine Unterscheidung, die laut Behördenvertretern grundlegend für das Konzept ist. Sieben Euro pro Stunde, keine Strafzettel, kein erhobener ZeigefingerDie Freiwilligen erhalten eine Aufwandsentschädigung von sieben Euro pro Stunde für maximal 20 bis 25 Stunden im Monat – eine bescheidene Vergütung, die den ehrenamtlichen Charakter unterstreicht. Die 59-jährige Angela Koller, die seit fast 20 Jahren dabei ist, beschreibt ihre Rolle als ein auf Dialog und Sichtbarkeit basierendes Ehrenamt. „Ich sehe uns als Bindeglied zwischen dem Bürger und der Polizei. Wir laufen nicht mit erhobenem Zeigefinger herum, und wir sind auch nicht dazu da, jemanden zu bestrafen oder Knöllchen zu verteilen.” — Angela Koller via Die Welt Der 47-jährige Tim Hepe, der vor vier Jahren beitrat, bestätigt diese Einschätzung. Er berichtet von überwiegend positiven Reaktionen, auch wenn es gelegentlich zu Anfeindungen komme. So habe ihn jemand aufgefordert, sich „einen richtigen Job zu suchen“ – eine Bemerkung, die er nicht persönlich nahm, da die Tätigkeit eben ausdrücklich freiwillig sei. Die Helfer sind grundsätzlich zu zweit unterwegs, was sowohl der Sicherheit als auch dem kommunikativen Charakter der Arbeit dient. 7 (Euro pro Stunde) — Aufwandsentschädigung für hessische Polizeihelfer Fußstreifen bemerken Details, die im Streifenwagen entgehenWalter Füssel, Abteilungsleiter beim Polizeipräsidium Südosthessen, betont, dass die Freiwilligen keine polizeilichen Kernaufgaben übernehmen. Er kritisiert, dass in öffentlichen Debatten die Rollen oft vermischt würden. Die Forderung, der Staat solle „echte Polizisten statt Hilfssheriffs einstellen“, verkenne den eigentlichen Zweck des Programms. Da die Freiwilligen zu Fuß unterwegs sind und keine Notrufe abarbeiten, bemerken sie Kleinigkeiten, die motorisierte Polizisten oder Streifen des Ordnungsamtes oft übersehen. Hepe nennt Beispiele wie ein entsorgtes Fahrrad in einem Gewässer oder eine korrodierte Straßenlaterne in einem Industriegebiet. Zudem werden die Helfer an sogenannten Angsträumen eingesetzt – Orten, an denen sich Bürger unsicher fühlen, auch wenn die Kriminalitätsrate dort objektiv nicht erhöht ist. Füssel unterstrich, dass Einsatzentscheidungen stets in Kooperation zwischen der Polizei und der jeweiligen Kommune getroffen werden. Pfefferspray zur Selbstverteidigung blieb bislang ungenutztFreiwillige Polizeidienste existieren in verschiedenen Bundesländern unter unterschiedlichen Namen – in Bayern und Sachsen ist das Äquivalent als Sicherheitswacht bekannt. Diese Programme folgen der Tradition, geschulte zivile Freiwillige als Reserve oder Unterstützung für die reguläre Polizei einzusetzen. Hessens Programm startete zunächst mit 90 Personen in einer Pilotphase. Gefährliche Situationen sind laut Koller selten; in fast zwei Jahrzehnten habe sie keine wirklich brenzlige Begegnung erlebt. Zwar dürfen alle Helfer Pfefferspray zur Selbstverteidigung und Nothilfe mitführen, Koller habe hiervon jedoch nie Gebrauch machen müssen. Das Protokoll bei Eskalationen ist eindeutig: Sofort wird die professionelle Polizei gerufen. Füssel bestätigte, dass der Dienst nur an Orten geleistet wird, die für die Freiwilligen als sicher eingestuft sind. Der Fokus auf Präsenz statt Macht dient auch als Filter bei der Rekrutierung. Wer sich als „Sheriff“ profilieren wolle, sei ungeeignet. Gesucht werden vielmehr Menschen mit Kommunikationsfreude und Interesse am Gemeinwohl.Pilotprojekt (Start): 90, Aktive Helfer (Ende 2025): 275
Mentioned People
- Angela Koller — Asystentka ochotniczej policji w Hesji z niemal 20-letnim stażem
- Tim Hepe — Asystent ochotniczej policji w Hesji działający od czterech lat
- Walter Füssel — Kierownik wydziału w Prezydium Policji Hesji Południowo-Wschodniej
Sources: 5 articles
- Ehrenamt: Keine Rambos, keine Sheriffs - Polizeihelfer als Bindeglied (ZEIT ONLINE)
- Keine Rambos, keine Sheriffs - Polizeihelfer als Bindeglied - WELT (DIE WELT)
- Keine Rambos, keine Sheriffs - Polizeihelfer als Bindeglied (Süddeutsche Zeitung)
- Voraussetzungen für den freiwilligen Polizeidienst (Süddeutsche Zeitung)
- Hessen: Freiwillige Polizeihelfer: Mehr Nähe zu Bürgern (N-tv)