Eine neue Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln zeigt erhebliche regionale Unterschiede beim verfügbaren Einkommen nach Abzug der Lebenshaltungskosten. Heilbronn erreicht dabei mit 32.274 Euro die höchste reale Kaufkraft pro Kopf, während Gelsenkirchen am Ende der Skala liegt. Die am 12. April 2026 veröffentlichte Studie verdeutlicht, dass insbesondere die Wohnkosten die finanzielle Spielräume der Bürger bestimmen.

Spitzenreiter Heilbronn

Mit 32.274 Euro realer Kaufkraft liegt Heilbronn bundesweit auf Platz eins, während Gelsenkirchen den letzten Platz belegt.

Wohnkosten als Preistreiber

Regionale Preisunterschiede werden maßgeblich durch die Miet- und Immobilienpreise bestimmt, was Städte gegenüber dem Umland benachteiligt.

Bundesländer-Vergleich

Bayern führt das Ranking der Bundesländer mit über 30.000 Euro Realeinkommen an, Berlin bildet das Schlusslicht.

Gefälle in Ostdeutschland

In den östlichen Bundesländern weisen ländliche Regionen eine höhere Kaufkraft auf als urbane Zentren wie Leipzig oder Jena.

Eine neue Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln kommt zu dem Ergebnis, dass Heilbronn in Baden-Württemberg mit einem realen Pro-Kopf-Einkommen von alle 400 deutschen Landkreise und kreisfreien Städte anführt. Gelsenkirchen in Nordrhein-Westfalen verzeichnet mit den niedrigsten Wert. Die am 12. April 2026 veröffentlichte Studie ermittelt für jeden Landkreis und jede Stadt ein sogenanntes Realeinkommen, indem das nominale Pro-Kopf-Einkommen um regionale Preisunterschiede bereinigt wird. Die Daten basieren primär auf Zahlen aus dem Jahr 2023, teilweise flossen Einkommensdaten von 2021 ein, da laut den Autoren aktuellere valide Daten nicht zur Verfügung stünden. Die Wohnkosten erweisen sich als der entscheidende Faktor für die Preisunterschiede zwischen den Regionen. Bayern belegt unter den Bundesländern mit einem Realeinkommen von 30.396 Euro den ersten Platz, während Berlin mit 24.656 Euro den letzten Rang einnimmt.

Regionale Kaufkraftvergleiche in Deutschland machen seit langem das Gefälle zwischen den wohlhabenden Süd-Bundesländern und strukturschwächeren Regionen im Norden und Osten sichtbar. Das IW Köln hat bereits früher Auswertungen zu diesem Thema durchgeführt, weist jedoch darauf hin, dass die aktuelle Studie aufgrund methodischer Unterschiede nur bedingt mit vorangegangenen Analysen vergleichbar ist. Die Untersuchung umfasst alle 400 Kreise und kreisfreien Städte der 16 Bundesländer und verknüpft regionale Preisdaten mit Einkommenszahlen des Statistischen Bundesamtes.

„„Unsere Studie zeigt: Es kommt nicht nur auf den Betrag auf dem Konto an, sondern auch darauf, wie teuer das Leben vor Ort ist.“” — Christoph Schröder via Süddeutsche Zeitung

Die Top-Ten-Liste der Landkreise besteht bundesweit ausschließlich aus westdeutschen Regionen. Neben Heilbronn finden sich fünf bayerische Landkreise, zwei aus Rheinland-Pfalz sowie jeweils einer aus Hessen und Nordrhein-Westfalen unter den ersten zehn. In Rheinland-Pfalz belegt der Landkreis Neuwied bundesweit den vierten Platz; hier liegen die Lebenshaltungskosten rund vier Prozent unter dem nationalen Durchschnitt bei gleichzeitig vergleichsweise hohen verfügbaren Einkommen. Der Landkreis Mainz-Bingen folgt auf dem neunten Platz, trotz leicht überdurchschnittlicher Lebenshaltungskosten. In Hessen rangiert der Hochtaunuskreis je nach Datenquelle auf Rang acht oder zehn. Bei einer regionalen Kaufkraft von 30.303 Euro pro Einwohner liegen die verfügbaren Einkommen hier bundesweit auf Platz fünf, was die um sieben Prozent höheren Preise ausgleicht. Frankfurt am Main landet hingegen auf Platz 89 von 400, da das nominale Einkommen von 29.036 Euro durch ein Preisniveau, das 11,4 Prozent über dem Durchschnitt liegt, erheblich relativiert wird.

Ostdeutsche Landkreise bleiben zurück, ländliche Räume vor den Städten In den ostdeutschen Bundesländern zeigt sich ein einheitliches Bild: Ländliche Kreise schneiden bei der realen Kaufkraft besser ab als die städtischen Zentren, da in den Städten ein höheres Preisniveau herrscht. In Sachsen führt der Landkreis Leipzig mit 30.030 Euro pro Kopf das Landesranking an (bundesweit Platz 121), während die Stadt Leipzig mit 24.466 Euro lediglich Rang 386 von 400 belegt. Sachsen insgesamt belegt mit einem Realeinkommen von 27.592 Euro den neunten Platz unter den Bundesländern, wobei das viertniedrigste Nominaleinkommen mit den drittniedrigsten Preisen korreliert. In Thüringen liegt der Landkreis Greiz mit 25.056 Euro vorne, begünstigt durch Lebenshaltungskosten, die 8,1 Prozent unter dem Durchschnitt liegen. Jena verzeichnet mit 21.959 Euro die geringste Kaufkraft im Freistaat – die Stadt ist mit Preisen von 1,2 Prozent über dem Durchschnitt der teuerste Pflaster Thüringens. Einwohner in Brandenburg verfügen preisbereinigt über rund 27.000 Euro pro Jahr, was das Land auf Rang zwölf der Bundesländer setzt. Die regionalen Preisvorteile von 2,3 Prozent können die niedrigen Nominallöhne dort nicht kompensieren. In Sachsen-Anhalt weist Halle ein Realeinkommen von 24.184 Euro pro Kopf auf und gehört damit zu den zehn niedrigsten Werten bundesweit, während Magdeburg mit 26.058 Euro etwas besser abschneidet.

Wohnkosten als Hauptgrund für das Gefälle zwischen Umland und Zentren Die Studie identifiziert die Wohnkosten konsequent als primären Faktor, der Regionen mit hoher und niedriger Kaufkraft trennt. Dies erklärt, warum Vororte und ländliche Kreise oft besser platziert sind als nahegelegene Metropolen. In Hessen belegt die Stadt Offenbach bundesweit Rang 380 von 400 mit 21.738 Euro, obwohl sie in der wohlhabenden Rhein-Main-Region liegt. Frankfurts Preisniveau liegt 11,4 Prozent über dem Durchschnitt, was die Stadt nach München und dem Landkreis München zum drittteuersten Standort Deutschlands macht. In Rheinland-Pfalz weist Mainz die höchsten Lebenshaltungskosten des Landes auf (acht Prozent über Schnitt) und rutscht trotz solider Nominaleinkommen an das untere Ende des Landesrankings. Im Saarland führt der Landkreis St. Wendel die Liste an, dank Lebenshaltungskosten, die mehr als fünf Prozent unter dem Schnitt liegen, während der Landkreis Merzig-Wadern den letzten Platz im Land belegt und bundesweit zu den 20 kaufkraftschwächsten Kreisen zählt. Das IW Köln betont, dass die Zahlen die strukturellen Bedingungen des Jahres 2023 widerspiegeln und nicht die aktuellste wirtschaftliche Entwicklung.

Mentioned People

  • Christoph Schröder — Ekonomista w Instytucie Niemieckiej Gospodarki (IW) w Kolonii

Sources: 19 articles