Am dritten Jahrestag des Bürgerkriegsausbruchs im Sudan haben Vertreter von über 60 Staaten in Berlin humanitäre Hilfen in Milliardenhöhe mobilisiert. Trotz der finanziellen Zusagen von rund 1,5 Milliarden Euro blieb ein politischer Durchbruch für einen Waffenstillstand aus. Deutschland erhöhte seinen Beitrag für das Krisengebiet um weitere 212 Millionen Euro.
Finanzielle Zusagen
Die Berliner Konferenz erzielte Zusagen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro, bleibt damit aber hinter dem geschätzten Bedarf von 3 Milliarden Dollar zurück.
Diplomatische Strategie
Die Kriegsparteien SAF und RSF wurden ausgeschlossen, während die Zivilgesellschaft erstmals massiv in die Verhandlungen einbezogen wurde.
Nationale Budgetkonflikte
Trotz der Rolle als Gastgeber hat Deutschland seine eigenen Mittel für humanitäre Hilfe seit 2025 deutlich reduziert.
Eine internationale Geberkonferenz für den Sudan hat am 15. und 16. April 2026 in Berlin Zusagen für humanitäre Hilfe in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro erzielt. Anlässlich des dritten Jahrestags des Kriegsausbruchs kamen Minister aus über 60 Ländern im Auswärtigen Amt zusammen. Bundesaußenminister Johann Wadephul bewertete das Ergebnis als positives Signal in einer „Welt schrumpfender humanitärer Ressourcen“. UN-Generalsekretär Antonio Guterres bezeichnete den Jahrestag als „folgenschweren Meilenstein“ und forderte ein Ende des „Albtraums“. Die Konferenz wurde gemeinsam von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den USA, der Europäischen Union und der Afrikanischen Union ausgerichtet. Deutschland selbst sagte zusätzliche 212 Millionen Euro für sofortige humanitäre Hilfe sowie rund 20 Millionen Euro für längerfristige Entwicklungsprojekte zu. Die Zusagen überstiegen die Summe von rund einer Milliarde Euro der vorangegangenen Sudan-Konferenz in London, blieben jedoch hinter den drei Milliarden Dollar zurück, die Experten für das Jahr 2026 als notwendig erachten.
Ausschluss der Kriegsparteien – Zivilgesellschaft im Fokus Zum dritten Mal in Folge – nach Konferenzen in Paris 2024 und London 2025 – wurden die beiden Kriegsparteien bewusst von dem Treffen in Berlin ausgeschlossen. Die sudanesischen Streitkräfte und die paramilitärischen Rapid Support Forces erhielten keine Einladung, was die Organisatoren als gezielten strategischen Kurswechsel bezeichneten. Berlin unterschied sich von früheren Treffen durch die explizite Einbindung der sudanesischen Zivilgesellschaft: Rund 60 der 120 eingeladenen Delegationen stammten aus diesem Bereich. Die Organisatoren argumentierten, dass bisherige Friedensbemühungen zu stark auf militärische Akteure fokussiert gewesen seien. Trotz Forderungen nach einem sofortigen humanitären Waffenstillstand gab es keine Einigung der Konfliktparteien. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate blockierten laut einem Bericht von ZEIT ONLINE eine gemeinsame Erklärung, wofür regionale Machtinteressen als Grund angeführt wurden.
Der Bürgerkrieg im Sudan brach am 15. April 2023 aus, nachdem eine fragile Machtteilung zwischen der SAF und der RSF gescheitert war. Beide Fraktionen hatten 2021 gemeinsam die zivile Übergangsregierung gestürzt, bevor sie sich gegeneinander wandten. Frühe Vermittlungsversuche in Dschidda im Mai 2023 sowie spätere Gespräche in Genf, Kairo und Addis Abeba blieben erfolglos. Auch die sogenannte Quad-Gruppe aus den USA, Ägypten, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten konnte das Ende der Kämpfe bislang nicht herbeiführen.
Über 33 Millionen Hilfsbedürftige bei massiver Unterfinanzierung Internationale Organisationen bezeichnen die Lage im Sudan als die derzeit größte humanitäre Krise weltweit. Laut Deutsche Welle sind seit Kriegsbeginn etwa 150.000 Menschen ums Leben gekommen; Schätzungen gehen von 12 bis 15 Millionen Vertriebenen aus – etwa jeder vierte Sudanese. Über 33 Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen, mehr als 20 Millionen leiden unter akutem Hunger. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte nach einem Treffen mit dem Vorsitzenden der Kommission der Afrikanischen Union, Mahmoud Ali Youssouf, dass allein die Hungerkrise „fast die Hälfte der Bevölkerung“ betreffe. Zum Zeitpunkt der Konferenz waren laut UN erst 16 Prozent der für 2026 benötigten Mittel gesichert.
„Dieser Albtraum muss ein Ende haben.” — Antonio Guterres via Handelsblatt
„Im Sudan ereignet sich derzeit die größte von Menschen gemachte humanitäre Katastrophe weltweit.” — Johann Wadephul via newsORF.at
16 (Prozent) — Anteil der gesicherten Mittel für die Sudan-Hilfe 2026 vor der Konferenz
Deutsche Sparmaßnahmen überschatten die Konferenz Das Berliner Treffen verdeutlichte das Spannungsfeld westlicher Politik: Während mehr Hilfe gefordert wird, kürzen viele Geberländer ihre Budgets. Deutschland hat seine Mittel für humanitäre Hilfe seit 2025 halbiert und erreichte laut OECD mit 0,56 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht das internationale 0,7-Prozent-Ziel für Entwicklungszusammenarbeit. Die USA unter Präsident Donald Trump haben sich fast vollständig aus Projekten zurückgezogen. Wadephul kritisierte zudem China für das Fehlen vergleichbarer Initiativen. Hermann Gröhe, Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, warnte, die Kürzungen könnten die Arbeit im Sudan einschränken. Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan betonte hingegen die moralische Pflicht zur Unterstützung.
„Wir dürfen die Menschen im Sudan nicht vergessen.” — Reem Alabali-Radovan via Bayerischer Rundfunk
Wadephul räumte gegenüber dem Deutschlandfunk ein, dass Forderungen nach mehr Hilfe und gleichzeitige nationale Kürzungen „natürlich überhaupt nicht zusammenpassen“. Er wolle dies in den Verhandlungen zum Bundeshaushalt 2027 mit Finanzminister Lars Klingbeil thematisieren. Die globalen Hilfsleistungen für den Sudan sind bereits rückläufig: Von 2,07 Milliarden Dollar im Jahr 2024 sanken sie auf 1,77 Milliarden Dollar im Jahr 2025 – laut Experten deckt dies nur etwa 40 Prozent des Bedarfs.
2024: 2.07, 2025: 1.77
Mentioned People
- Friedrich Merz — Kanclerz Federalny Republiki Federalnej Niemiec od 6 maja 2025 roku
- Johann Wadephul — Federalny Minister Spraw Zagranicznych w kabinecie Merza od 6 maja 2025 roku
- Reem Alabali-Radovan — Federalna Minister Współpracy Gospodarczej i Rozwoju w kabinecie Merza od maja 2025 roku
- Antonio Guterres — Sekretarz Generalny Organizacji Narodów Zjednoczonych
- Hermann Gröhe — Prezes Niemieckiego Czerwonego Krzyża (DRK) i były federalny minister zdrowia
- Mahamud Ali Youssuf — Przewodniczący Unii Afrykańskiej
- Abdel Fattah al-Burhan — Generał i dowódca Sudańskich Sił Zbrojnych (SAF)
- Mohamed Hamdan Dagalo — Generał i dowódca paramilitarnych Sił Szybkiego Wsparcia (RSF)
Sources: 18 articles
- Sudan-Konferenz: Wir scheitern an diesem Krieg (ZEIT ONLINE)
- Neue Wege zum Frieden: Warum Berlin die Kriegsparteien im Sudan ausschloss (Neue Zürcher Zeitung)
- Konferencija o Sudanu: Okrutni, zaboravljeni sukob (Deutsche Welle)
- Sudan-Konferenz: Rund 1,5 Milliarden Euro für humanitäre Hilfe (newsORF.at)
- Sudan-Konferenz: Milliardenhilfen und politische Ohnmacht (Bayerischer Rundfunk)
- Geberkonferenz: Sudan-Konferenz macht Druck für Ende der humanitären Krise (Handelsblatt)
- Dritte Sudan-Konferenz: Gegen das Sterben in Sudan (Frankfurter Allgemeine)
- Sudan-Konferenz macht Druck für Ende der humanitären Krise (Süddeutsche Zeitung)
- Sudan-Konferenz: Zu kleine Fortschritte in einem ausufernden Krieg (der Standard)
- Drei Jahre Krieg im Sudan: Humanitäre Krise droht in Vergessenheit zu geraten (watson.ch/)